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Militärseelsorge heute: „Können Kriege gerecht sein?“

Können Kriege gerecht sein? Können Kriege gerecht sein?

Seinen Weg vom „Fundamentalpazifisten“ zum Evangelischen Militärbischof für die Bundeswehr und seine Postitionen und kritischen Anfragen zu aktuellen militärischen und sicherheitspolitischen Fragen schildert Sigurd Rink in dem Buch „Können Kriege gerecht sein? Glaube, Zweifel, Gewissen – Wie ich als Militärbischof nach Antworten suche“, das 2019 im Verlag Ullstein erschienen ist.

Sigurd Rink ist der erste hauptamtliche evangelische Militärbischof für die Bundeswehr. Er stammt aus einer „tief protestantischen Familie“ (32). Nach mehreren Krankheits- und Todesfällen in seiner Familie wird sein Großvater mütterlicherseits, protestantischer Pfarrer und Mitglied der Bekennenden Kirche während der NS-Zeit, zu wichtigsten Bezugsperson. Er studiert Theologie in Marburg, beteiligt sich an den Protesten gegen den NATO-Doppelbeschluss und versteht sich als Fundamentalpazifist – eine Haltung, die er heute im Rückblick als nicht ganz konsequent erkennt: Die Legitimität eines bewaffneten Widerstands gegen die NS-Diktatur und das militärische Vorgehen der Alliierten gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg hatte er auch damals nicht in Frage gestellt.

Als er seine Dissertation über den evangelischen Pfarrer Heinrich Grüber schreibt, der sowohl während der NS-Zeit sowie später in der DDR mit den staatlichen Stellen Kontakt suchte, um Menschen zu helfen, wird auch sein eigener Zugang pragmatischer, rückt an verantwortungsethische Positionen heran.

Dennoch habe ihn die Bitte um Übernahme des Amts als Militärbischof völlig unvorbereitet getroffen. Rink nahm die Herausforderung an, sich als Verantwortlicher der Evangelischen Militärseelsorge in der Bundeswehr mit den schwierigen Fragen der Friedensethik und militärischer Einsätze zu befassen, in denen es in aller Regel keine einfachen und klaren Antworten gibt. Die Aufgabe der Militärseelsorge sieht er nicht darin, die Politik seines Landes bzw. den jeweiligen Einsatz den Soldatinnen und Soldaten gegenüber moralisch oder theologisch zu legitimieren, sondern darin, ihr Gewissen zu schärfen und ihre Eigenverantwortung klarer bewusst zu machen.
Grundlage seines Nachdenkens über die Legitimität militärischer Gewalt ist die christliche Friedensethik, wie sie etwa in der Denkschrift der EKD „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ aus dem Jahr 2007 zum Ausdruck kommt. Sich am Konzept des gerechten Friedens orientieren bedeutet vom Frieden, vom Ziel eines dauerhaften und umfassend verstandenen Friedens her zu denken.

Die Militäreinsätze der Bundeswehr im Ausland erkennt er als Realität, vor der man nicht die Augen verschließen dürfe. Sie werden im Auftrag der deutschen Gesellschaft duchgeführt, und dieser Verantwortung müsse sie sich stellen. „Die Fortentwicklung einer Friedens- wie einer Militärethik ist“ – so sein bemerkenswerter Schlusssatz – „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ (279)

Es ist, wie er selbst an einer Stelle bemerkt, ein sehr politisches Buch geworden (10), das der Frage der Legitimität des jeweils konkreten militärischen Einsatzes nicht ausweicht, gerade angesichts der Komplexität der politischen, militärischen, kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen Lage. Die Stärken des Buchs liegen weniger in der Darstellung der Grundlagen militärischer Ethik bzw. Friedensethik, die manchmal etwas unscharf gerät, als vielmehr darin, dass Rink viele konkrete Erfahrungen der Militärseelsorge im Einsatz einfließen lässt und seine Reflexionen die ganze Breite der Problematik der Einsätze in den Blick nehmen, mit der die Militärseelsorger im Einsatz unausweichlich mit konfrontiert sind.

Sigurd Rink: Können Kriege gerecht sein? Glaube, Zweifel, Gewissen – Wie ich als Militärbischof nach Antworten suche, Berlin 2019, 285 Seiten, Sprache: deutsch

Buchnummer MBBA: 13592

Link zum Medium im OPAC

MBBA