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Den alljährlichen Festgottesdienst zum Weltfriedenstag 2008 feierte eine große Schar von Soldaten und Zivilisten auf Einladung und unter Vorsitz des Militärbischofs von Österreich Mag. Christian Werner am 6. Juni 2008 in der Wiener Augustinerkirche.
An der Spitze der Generalität konnte der stellvertretende Generalstabschef GenLt Mag. Othmar Commenda, der Leiter der Sektion 2 GenLt Mag. Dietmar Franzisci, der Leiter der Sektion 4 GenLt Mag. Christian Segur-Cabanac und der Kommandant der Landesverteidigungsakademie General Mag. Raimund Schittenhelm begrüßt werden. Weiters war anwesend eine Abordnung der Parlamentarischen Bundesheerbeschwerdekommission und der Militärkommandant von Wien Bgdr Mag. Franz Reiszner, sowie der Verteidigungs- und Militärattache der Republik Kroatien.
Mit Militärbischof Mag. Christian Werner konzelebrierten der Leiter des Institutes für Religion und Frieden Bischofsvikar Monsignore Dr. Werner Freistetter, der Dekanatspfarrer an der Landesverteidigungsakademie Militärsuperior Mag. Peter Papst, der Militärpfarrer von Wien Militäroberkurat Dr. Harald Tripp und der Militärpfarrer an der Heeresunteroffiziersakademie Monsignore Militärdekan Mag. Ewald Kiener.
Eine Abordnung der Garde von ca. 70 Rekruten und eine weitere Abordnung von Rekruten aus dem Militärkommando Wien nahmen am Festgottesdienst teil. Aus dem Bereich der Traditionsverbände konnte je eine Abordnung des Hoch- und Deutschmeister-Schützenkorps und der Traditionsbatterie der Reitenden Artilleriedivision No.2 begrüßt werden.
Der Festgottesdienst wurde kirchenmusikalisch in bewährter Weise durch die Gardemusik des Österreichischen Bundesheeres, dem Bläserquintett unter der Leitung vom Musikmeister Vizeleutnant Josef Höller und die Orgel der Augustinerkirche ausgerichtet.
Militärbischof Mag. Christian Werner nahm in seiner Predigt Bezug auf die Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum 41. Weltfriedenstag, die in diesem Jahr unter dem Thema „Die Menschheitsfamilie, eine Gemeinschaft des Friedens“ steht. Von einer Botschaft der Hoffnung, nach der sich die Menschen heute sehnen, spricht Mag. Werner, „einer Botschaft, die einen Weg aus den vielen schweren Konflikten unserer Zeit zu einem versöhnten Miteinander der Menschen und Völker, zu einem echten und dauerhaften Frieden aufzeigt“. In besonderer Weise hob Mag. Werner die Verpflichtung aller Völker hervor, „gemeinsam eine Ordnung der Gerechtigkeit, der Solidarität und des Friedens in der Welt aufzubauen“ und spricht von einer Aufgabe, die alle Menschen angeht.
Der Militärbischof verweist auf die Botschaft des Weltfriedenstages, wo es Papst Benedikt XVI. nicht nur um die große Menschheitsfamilie, sondern ebenso um die Familie selbst geht. „Sie ist einerseits Modell und Vorbild für die Gestaltung der Völkergemeinschaft, sie hat aber auch eine ganz eigene, grundlegende Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen und für den Aufbau eines echten Friedens“. Die Familie ist „die erste und unersetzliche Erzieherin zum Frieden, so der Militärbischof und betont in diesem Zusammenhang, „wer sich für die Familie, ihr Leben und ihr Gedeihen einsetzt, arbeitet zugleich an den menschlichen Grundlagen für einen echten Frieden“, bzw. es gilt aber auch umgekehrt: Wer die Einrichtung der Familie behindert, macht also den Frieden in der gesamten nationalen und internationalen Gemeinschaft brüchig, denn er schwächt das, was tatsächlich die wichtigste Quelle des Friedens ist (vgl. Nr. 5).
Mag. Werner spricht in seiner Predigt, dass wir als Soldaten „die Pflicht haben, dem Unrecht entgegenzutreten und das menschliche Leben zu schützen in all seinen Phasen vom Embryo bis zum natürlichen Tod, ob mit oder ohne Behinderung“.
Abschließend betont der Militärbischof die Wichtigkeit des Gebetes für den Frieden und verweist auf die im Mai stattgefundene 50. Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes, wo bei der diesjährigen Jubiläums-Wallfahrt an die 25.000 Soldaten, davon 1.100 Österreicher, zusammengekommen sind, um für den Frieden in der Welt zu beten.
Die Feierlichkeiten zum Weltfriedenstag fanden ihren würdigen Abschluss mit dem traditionellen Platzkonzert, unter der Leitung von Militärkapellmeister Oberstleutnant Mag. Johann Krausz und einer Agape am Josefsplatz, bei herrlichem Sonnenschein.
PREDIGT von Militärbischof Mag. Christian Werner
Festgottesdienst zum Weltfriedenstag 2008
Augustinerkirche Wien – 6. Juni 2008, 11.00h
„Die Menschheitsfamilie, eine Gemeinschaft des Friedens“. So lautet der Titel der Botschaft Papst Benedikt XVI. zur Feier des Weltfriedenstages 2008. Klingt das nicht wie eine Provokation? Die Menschheit soll eine Familie sein, sogar eine Gemeinschaft des Friedens? Wir leben doch in einer Zeit, in der oft viel mehr vom Gegenteil die Rede ist: vom Zusammenstoß der Religionen, vom Kampf der Kulturen, von den Trennlinien und Barrieren zwischen den Menschen, vor allem auf Grund kultureller, sprach-licher und religiöser Unterschiede. Manchmal zeigen sich sogar neue Formen eines Rassismus, der auf das setzt, was Menschen trennt, und nicht auf das, was uns alle als Menschen verbindet. Jedenfalls stehen die Konflikte in unserer Welt, die auch unser Land nicht unberührt lassen, oft viel mehr im Vordergrund.
Aber sehnen sich die Menschen heute nicht gerade nach einer Botschaft der Hoffnung? Eine Botschaft, die einen Weg aus den vielen schweren Konflikten unserer Zeit zu einem versöhnten Miteinander der Menschen und Völker, zu einem echten und dauerhaften Frieden aufzeigt.
Im christlichen Glauben hat die Rede von der Menschheit als einer „Familie“ eine lange Tradition. Dahinter steht eine ganz entscheidende, fundamentale Wahrheit unseres Glaubens, nämlich der gemeinsame Ursprung und das gemeinsame Ziel aller Menschen in Gott, der alle Dinge aus Liebe erschafft und sie zur Vollendung führt.
Diese tiefe und umfassende Sicht auf die Welt der Menschen und Völker ruft uns der Hl. Vater in Erinnerung. Sie ist das Fundament all unserer Bemühungen um Frieden und Versöhnung, um Gerechtigkeit und Solidarität.
Nur wenn allen Menschen ohne Unterschied die gleiche Würde zukommt, weil wir alle nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, gibt es eine unzerstörbare Basis für die Rechte und Pflichten der Menschen. Dies bedeutet eine klare Verpflichtung aller Völker, gemeinsam eine Ordnung der Gerechtigkeit, der Solidarität und des Friedens in der Welt aufzubauen. Und dies ist eine Aufgabe, die uns alle angeht. Wir alle leben ja heute schon in diesen globalen Zusammenhängen, sind davon abhängig und gestalten diese Beziehungen durch unser Verhalten mit.
Nicht immer ist uns das im Alltag bewusst und es wäre gut, uns diese Realität manchmal in Erinnerung zu rufen. Denn es geht bei vielen unserer Entscheidungen, z.B. im Umgang mit Ressourcen oder mit Nahrungsmitteln, nicht nur um unser eigenes kurzfristiges Interesse, sondern auch langfristig um das Leben anderer Menschen und zukünftiger Generationen.
Papst Benedikt wird in seiner Botschaft aber noch konkreter. Es geht ihm ja nicht nur um die große Menschheitsfamilie, sondern ebenso um die Familie selbst. Sie ist einerseits Modell und Vorbild für die Gestaltung der Völkergemeinschaft, sie hat aber auch eine ganz eigene, grundlegende Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen und für den Aufbau eines echten Friedens.
Denn in der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gegründeten Familie tritt der Mensch in das Leben ein und wird zugleich durch die gegenseitigen Beziehungen zwischen Vater, Mutter und Kindern in die Welt der menschlichen Werte eingeführt, die wesentlich Werte des Friedens und eines geordneten Zusammenlebens zum Wohl aller sind. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, was eine Familie ist und was sie sein sollte.
Die Familie ist, so der Hl. Vater, „die erste und unersetzliche Erzieherin zum Frieden“.
Die menschliche Gemeinschaft kann auf den Dienst, den die Familie leistet, nicht verzichten (Nr. 3).
Daraus zieht Papst Benedikt eine wichtige Folgerung: Wer sich für die Familie, ihr Leben und ihr Gedeihen, einsetzt, arbeitet zugleich an den menschlichen Grund-lagen für einen echten Frieden. Umgekehrt gilt aber auch: „Wer die Einrichtung der Familie behindert – und sei es auch unbewusst -, macht also den Frieden in der gesamten nationalen und internationalen Gemeinschaft brüchig, denn er schwächt das, was tatsächlich die wichtigste ‚Quelle’ des Friedens ist“ (Nr. 5).
Durch die Erfahrung eines guten familiären Lebens werden Menschen immer wieder die Kraft finden, sich für erfahrene und erlernte Werte einzusetzen, bis hin zur Ebene der umfassenden Gemeinschaft der Völker, der Menschheitsfamilie. Ebenso wie die Familiengemeinschaft von Eltern und Kindern braucht die Menschheitsfamilie ein bewohnbares „gemeinsames Haus“.
Sie braucht eine Ordnung der Gerechtigkeit, der Solidarität und der Liebe, sie braucht Mittel und Wege, um Konflikte zu lösen und gerechte Beziehungen zu schaffen oder wieder herzustellen. Menschen zu helfen, dazu fähig zu werden, ist eine große Aufgabe für uns alle, für die Kirche, für Staat und Gesellschaft, für jeden von uns.
Die Kirche ist „Familie Gottes“ für die gesamte Menschheit, die sie zur Einheit mit Gott und untereinander führen soll. Wenn Gott der Vater aller Menschen ist, dann sind auch alle Menschen Geschwister – welchem Staat, welche Gesellschaftsform sie auch angehören mögen.Sollen meine bisherigen Ausführungen mehr sein als nur der Inhalt einer Festpredigt, dann müssen wir nach ihren Folgen fragen – auch und gerade nach denen für uns Soldaten: Wir haben die Pflicht, dem Unrecht entgegenzutreten und das menschliche Leben zu schützen in all seinen Phasen vom Embryo bis zum natürlichen Tod, ob mit oder ohne Behinderung.
Wir feiern jetzt Eucharistie, das Sakrament, das Jesus seinen Jüngern und damit seiner Kirche beim Letzten Abendmahl vermacht hat. „Da er die Seinen, die in der Welt waren liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung“ (vgl. Joh 13, 1). Als „Kinder Gottes“, als seine um den Altar versammelte Familie, feiern und empfangen wir diese Liebe Jesu, ja ihn selbst, im Sakrament. Möge er uns mit seiner Gnade auf unserem Weg durch diese Welt geleiten, damit wir glaubwürdige Zeugen seiner Liebe und seines Friedens werden. Denn er, Christus, ist unser Friede (vgl. Eph 2, 14), in ihm sind wir mit Gott und untereinander versöhnt. Mögen uns auf diesem Weg die heilige Jungfrau und Gottes-mutter Maria und ihr Bräutigam, der heilige Josef, mit ihrer Fürbitte und mit ihrer Hilfe beistehen! Amen. |