Lourdesbotschaft 2026

Digitale Bibliothek: Friedensethische Positionen der Kirchen

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Quelle: Militärdiözese Österreich

2026-04-00
Österreichisches Militärordinariat
- Freistetter, Werner, Militärbischof
Lourdesbotschaft 2026

Die Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes 2026 steht unter dem Motto „Wächter des Friedens“. Wächter zu sein bedeutet wach zu bleiben, wenn andere schlafen. Wie schwierig das ist, zeigt das Beispiel der Jünger im Garten Getsemani: Als Jesus vor seiner Verhaftung allein in Todesangst zu Gott betet, sind alle seine Begleiter schon eingeschlafen. Sie haben den Ernst der Situation nicht erkannt oder versuchen ihn im Schlaf zu verdrängen.
Auch an vielen anderen Stellen fordert Jesus seine Jünger, die ersten Christen und mit ihnen uns selbst auf, wachsam zu sein oder wach zu bleiben, um die Zeit nicht zu verpassen, in der der Menschensohn am Ende wiederkommt und die Welt sich erneuert.
Wach zu bleiben bedeutet aber nicht, wie der Wachhund, der jeden beliebigen Passanten anbellt, in jeder bedenklichen Entwicklung gleich die Apokalypse am Werk zu sehen und das baldige Ende der Welt zu erwarten. Viel wichtiger ist es, den zahlreichen, hauptsächlich von Menschen verursachten Bedrohungen, die tatsächlich das Wohl der Menschheitsfamilie gefährden – die Zerstörung unserer Lebensgrundlage, der Klimawandel, die ungerechte Verteilung der Ressourcen, inner- und zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte, neue Technologien in der Kriegführung wie im zivilen Leben –, mutig, entschieden und mit Vernunft zu begegnen.
Am ehesten können wir von den biblischen Texten über die Endzeit lernen, dass Christus nicht als übermächtiger Politiker, als unwiderstehlicher militärischer Kommandant erscheinen wird, sondern dass die Eskalation der endzeitlichen Kämpfe, von denen an manchen Stellen die Rede ist, auf widergöttliche Mächte zurückzuführen ist. Von daher sollten wir auch in unserer Zeit, in der wir eine Zunahme autoritärer Tendenzen in vielen Ländern sehen, sehr vorsichtig sein, wenn einem Volk, einem politischen Programm oder ein einem einzelnen politischer Führer messianische Züge zugesprochen werden.
Wach zu sein in der Nachfolge Jesu bedeutet also nicht, jene Hoffnung auf Zukunft aufzugeben, ohne die unser Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden in dieser Welt nicht langfristig aufrechterhalten werden kann. Heute wach zu bleiben hat auch nichts zu tun mit dem nicht zur Ruhe kommen Können, der ständigen Aufmerksamkeit, die die sich immer stärker beschleunigenden Bilder des Lebens in diesen unruhigen Zeiten von uns fordern und die uns von unserem christlichen Auftrag ablenken mögen.
Wächter sein bedeutet konzentriert und achtsam für andere da zu sein, für ihr Wohl und ihre Sicherheit, für das friedliche Zusammenleben aller Menschen in unserer unruhigen Welt.
Kommen Sie mit uns nach Lourdes, um für ein Ende der Feindseligkeiten im Nahen Osten, in der Ukraine, im Sudan und in allen anderen Konfliktgebieten zu wachen und zu beten, als Soldatinnen und Soldaten aus so vielen Ländern unsere Freundschaft zu feiern und Zeichen zu sein für die Verbundenheit aller Menschen zu einer Familie!
Ihr Militärbischof
+ Werner Freistetter