Weihnachtsbrief

Digitale Bibliothek: Friedensethische Positionen der Kirchen

Volltext

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http://www.mildioz.at/index.php?option=com_content&task=view&id=632&Itemid=5, Stand: 2010-12-13

2010-12-00
Österreichisches Militärordinariat
- Werner, Christian, Militärbischof
Weihnachtsbrief

Advent 2010

Liebe Soldatinnen und Soldaten!
Liebe Bedienstete des Österreichischen Bundesheeres und ihre Angehörigen!
Brüder und Schwestern im Herrn!

Jedes Jahr erfüllt uns die Zeit von Advent und Weihnachten mit einer besonderen Stimmung. Trotz aller Kommerzialisierung des Festes, der routinierten Abläufe und dem emotionalen Druck, den gerade zu Weihnachten viele Menschen verspüren, berührt uns die Botschaft des Festes immer wieder von neuem. Auch viele Menschen, die dem christlichen Glauben fern stehen, bleiben von der weihnachtlichen Botschaft der Liebe Gottes zu uns, die Versöhnung und Frieden schenkt, nicht unberührt. Es ist eine Hoffnung, die wohl so tief in den Herzen der Menschen verankert ist, dass sie auch in unserer weithin säkularisierten, sehr oft desillusionierten und skeptischen Zeit lebendig bleibt. Zugleich ist die Weihnachtszeit auch geprägt von Besinnung und Gedenken, denn das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Wir denken mit Dank an das Gute, das wir erfahren durften. Und wir blicken voraus auf das kommende Jahr, bisweilen mit Sorge, aber auch mit Hoffnung auf eine gute und friedvolle Zeit.

Jedes Jahr sind wir so eingeladen, das große Fest der Menschwerdung des Sohnes Gottes voll Freude zu feiern. In der Geburt Jesu eröffnet sich – so bekennen die Christen in aller Welt – eine Hoffnung auf Heil und Erlösung über alles hinaus, was menschliche Erfindungsgabe und Kraft zu schaffen imstande ist. Es ist eine Hoffnung über den Tod hinaus. Wen sie erfüllt, der vertraut nicht auf irdische Macht, sondern auf die Macht und die Liebe Gottes. Zugleich aber wirkt diese Hoffnung tief hinein in das Leben der Glaubenden und spornt sie an, sich schon hier und jetzt unermüdlich einzusetzen, damit die Kraft der Hoffnung immer mehr in der vielfältigen Not unserer Welt, in den Situationen der Gewalt und mitten in den Strukturen der Ungerechtigkeit lebendig wird.

Wir haben in diesem Jahr ein besonderes Gedenken gefeiert: Das Österreichische Bundesheer blickt auf 50 Jahre Auslandseinsätze zurück. Wir sind dankbar, dass so viele Soldatinnen und Soldaten in diesen Jahren sich für den Frieden in den Krisenregionen unserer Welt eingesetzt haben. Sie haben sich in den Augen der internationalen Gemeinschaft durch ihre Einsatzbereitschaft wie auch durch ihre militärische und menschliche Kompetenz großen Respekt erworben. Durch ihren vielfältigen Einsatz im Dienst für die Völkergemeinschaft hat unser Land seine Bereitschaft unter Beweis gestellt, sich den Herausforderungen der Friedenssicherung in unserer Zeit zu stellen.

Unsere Soldaten stehen in den Einsätzen häufig vor großen menschlichen Herausforderungen. Die Hoffnung auf echten Frieden zu bewahren, fällt angesichts unlösbar scheinender Konflikte oft schwer. Die Botschaft des Glaubens kann uns alle ermutigen, im Vertrauen auf Gott auch im Einsatz für den Frieden die Hoffnung nicht aufzugeben. So bitte ich Sie alle um ihr Gebet für unsere Soldatinnen und Soldaten, die heute im Einsatz für den Frieden stehen. Besonders zur Weihnachtszeit wollen wir an sie und ihre Familien denken. Und wir gedenken im Gebet aller, die im Einsatz für den Frieden ihr Leben verloren haben, und ihrer Angehörigen.

In der Hoffnung auf die Auferstehung vertrauen wir der Gnade des allmächtigen Gottes auch alle unsere Lieben an, die in diesem Jahr verstorben sind. Besonders möchte ich an dieser Stelle unseres Mitbruders Alfred Sammer gedenken. Er hat als Priester viele Jahre in der Militärseelsorge seinen Dienst versehen, zuletzt als Bischofsvikar für Kunst und Kultur und als Ordinariatskanzler. Seine Liebe zur Kunst und seine Fähigkeit, diese Liebe auch anderen zu vermitteln, wird uns stets unvergesslich bleiben.

Ihnen allen wünsche ich ein segensreiches Weihnachtsfest und ein glückliches und friedvolles Jahr 2011!