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Osterbotschaft 2021 Foto: Kuss/Bischofskonferenz

In diesen Tagen feiern wir Ostern, das wichtigste und umfassendste christliche Fest. Es ist nicht nur ein Fest der Auferstehung und des Lebens über den Tod hinaus, sondern der ganzen Wirklichkeit dessen, was mit diesem Jesus von Nazareth am Ende seines Lebens geschehen und offenbar geworden ist: Es ist zugleich das Fest seines Leidens und seines Todes.

Es ist bemerkenswert, wieviel Jesus, der Sohn Gottes, schon in den Jahren zuvor mit Leid, Krankheit und Tod zu tun hatte: So sind es besonders die Kranken, die körperlich oder seelisch beeinträchtigten Menschen, die in ihrer Verzweiflung seine Nähe suchen und denen er sich besonders zuwendet. In der persönlichen Begegnung mit ihm eröffnet sich für die Kranken auf wundersame Weise eine neue Zukunft. Ihre Leiden behindern sie nicht mehr. Durch das Wunder der Begegnung mit Jesus werden sie wieder fähig, dankbar zu sein und frei zu leben trotz ihrer menschlichen Begrenztheit und körperlichen Verletzlichkeit, die durch das Wunder nicht aufgehoben werden.

Auch wenn die Heilungen als Zeichen der Gegenwart und Liebe Gottes erfahren werden, passieren sie nicht einfach mit und an den Menschen, sondern werden von ihnen selbst mitverursacht: „dein Glaube hat dich gerettet“ (Mk 5,34 und öfter).

Das bedeutet aber gerade nicht, dass Wunder Belohnungen für moralische oder religiöse Verdienste sind: Nirgendwo in den Evangelien findet sich ein Hinweis, dass Jesus eine Bitte ablehnt, weil der Bittende keinen moralisch einwandfreien Lebenswandel vorweisen kann oder zu wenig gebetet hätte. Im Gegenteil, das Wunder der Gegenwart des Reiches Gottes steht allen offen, die sich ihm zuwenden. Jesus wird deshalb von manchen zum Vorwurf gemacht, er sei „ein Fresser und Säufer, ein Freund der Zöllner und Sünder“ (Mt 11,19).

Gemeinsames Essen und Trinken sind damals wie heute ganz wesentliche Elemente von Festen. Zwei der schönsten Wunder Jesu handeln von solchen Feiern. Ausgangspunkt sind logistische Probleme: Auf dem einen Fest, einer Hochzeit, zu der auch Jesus geladen ist, geht der Wein aus. Auf dem anderen – der Begegnung Jesu mit einer riesigen Menschenmenge – wissen die Jünger nicht, wie sie die Menschen verpflegen sollen: Der Ort ist abgelegen, und es wird Abend. Jede dieser Begegnungen wird zu einem Fest der Fülle: Die großen Wasserkrüge sind plötzlich voll wohlschmeckenden Weins, Ausdruck überschäumender Freude am Leben und an der Welt; und fünf Brote und zwei Fische machen 5000 Männer satt, und sogar die Reste ergeben noch zwölf volle Körbe.

Kurz vor seinem Tod feiert Jesus mit seinen Jüngern das jüdische Pessach, das Fest der Befreiung des Volkes aus Ägypten. Für die Jünger wird es später zum Fest ihrer eigenen Befreiung durch die Hingabe Jesu für die Menschen, seinen Tod am Kreuz, seine Auferstehung.

Wir Christen feiern die Erinnerung an beides in einem Fest: Gerade in der scheinbar größten menschlichen Schwäche, der Ausgesetztheit, dem Ausgeliefertsein an ungerechte Gewalt, ereignet sich die Erlösung der Menschen, die Überwindung der Sünde, der zwischenmenschlichen Gewalt und des Todes. Die Schwachheit, die Entäußerung im Kreuz wird zur Mitte des christlichen Glaubens: „… die Kraft wird in der Schwachheit vollendet“, hört Paulus von Christus mit Blick auf seine eigene Krankheit und auf die Art, wie er den Menschen Christus nahebringen soll: „… denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2 Kor 12,9f.) Es ist ganz erstaunlich zu sehen, welchen Trost Paulus und die frühen Christen gerade aus dieser Bejahung der „Schwachheit“, der eigenen Leiblichkeit und Verletzlichkeit gewonnen haben.

Die frühe Kirche war sich längere Zeit nicht sicher, ob die christliche Existenz in der Nachfolge Christi in diesem Sinn vereinbar sein kann mit dem Dienst des Soldaten. Sie hat es schließlich aber ausdrücklich bejaht: Natürlich kann es nicht das Ziel christlicher Soldaten sein, militärisch wenig zuwege zu bringen oder die eigentlichen soldatischen Aufgaben anderen zu überlassen. Aber indem sie sich für die Sicherheit und die Grundrechte anderer Menschen im äußersten Fall unter Einsatz ihrer Gesundheit und ihres Lebens einsetzen, die Herrschaft des Rechts anerkennen und die Menschenwürde achten, sind sie im christlichen Sinn schwach, verletzlich. Sie nützen ihre Position nicht aus, um ihre eigene Macht oder die Macht ihrer Gruppe mit gewaltförmigen Mitteln zu stärken, sondern verstehen sich – wie das Zweite Vatikanische Konzil es ausdrückt – als „Diener der Sicherheit und Freiheit der Völker“ (Gaudium et spes 79).

Auch bei der Bekämpfung der Pandemie sind österreichische Soldaten im Rahmen ihres Dienstes im Einsatz, und sie erfüllen diese Aufgaben sehr professionell und effizient, wovon ich mich etwa bei den Massentestungen in der Wiener Stadthalle selbst überzeugen konnte. Vergessen wir bei allem Unmut über das, was uns selbst auf die eine oder andere Weise abverlangt wird, nicht, all jenen Menschen dankbar zu sein, die für uns zusätzliche Mühen und Risiken auf sich nehmen, um die Grund- und Gesundheitsversorgung in unserem Land aufrechtzuerhalten, die Impfstoffe entwickeln, an Entscheidungen über Eindämmungsmaßnahmen beteiligt sind und an einer gerechten und sicheren Verteilung der notwendigen Ressourcen mitarbeiten!

So wünsche ich Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Fest des Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu Christi!

Dr. Werner FREISTETTER

Militärbischof für Österreich

 

Die Osterbotschaft des Militärbischofs zum Download finden Sie hier!