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Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. (Philipper 2, 6-9)

Es sind meist andere Dinge, die wir mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes verbinden: das Weihnachtsfest, die Krippe, die Botschaft vom Frieden, Engel und Hirten, der Stern. Die harten Worte des Philipperbriefs scheinen da nicht recht zu passen. Sklave, Erniedrigung, Entäußerung, Gehorsam bis zum Tod verweisen eher auf eine Welt der Gewalt, des Zwangs, der Einschränkung von Lebensmöglichkeiten. Aber wenn wir genau hinsehen, geht es nicht um Zwang, sondern um eine freiwillige Annahme des menschlichen Lebens mit seiner Begrenztheit und seinen Schwierigkeiten, von der bereits die Kindheitsevangelien recht anschaulich erzählen.

Der nächste Satz im Philipperbrief ist für uns vielleicht am schwersten zu verstehen: „Darum“, gerade wegen der Erniedrigung und Entäußerung dessen, der Gott gleich war, in das menschliche Leben hinein „hat Gott ihn über alle erhöht“ (2, 10). Nur durch die Menschwerdung Jesu bis zur letzten Konsequenz, bis zum gewaltsamen Tod am Kreuz kann für uns im Glauben sichtbar und erfahrbar werden, wer dieser Gott für uns ist, der die Welt erschaffen und uns zum Leben gerufen hat.

Jesus selbst hat seine Jünger und die Menschen, denen er begegnet ist, zu dieser Selbstverleugnung, dieser Hingabe ermutigt, die er Liebe nennt und durch die die Menschen Versöhnung und Frieden mit Gott und untereinander finden.

In diesen weihnachtlichen Tagen denke ich vor allem an jene Menschen, die krank oder allein sind oder nicht mit ihrer Familie feiern können. Mein besonderer Gruß gilt den Soldatinnen und Soldaten im Assistenzeinsatz oder in internationalen Missionen, die sich unter schwierigen Umständen für das Wohl und die Sicherheit ihrer Mitmenschen einsetzen und einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung in Konfliktgebieten leisten.
Ihnen allen wünsche ich ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

 

Dr. Werner FREISTETTER
Militärbischof für Österreich

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