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Militärseelsorge in der Kritik: „Die Seelen rüsten“

Die Seelen rüsten Die Seelen rüsten

Einen umfangreichen Sammelband kritischer Texte zur staatlich organisierten Militärseelsorge in Deutschland legen Rainer Schmid, Thomas Nauerth, Matthias-W. Engelke und Peter Bürger vor. 

Er umfasst recht unterschiedliches Material: kurze systematische Aufsätze, Zeitungsartikel, überarbeitete Ansprachen, Eingaben und Stellungnahmen, Briefe, Besprechungen, Rezensionen u.a. Gemeinsam sind ihnen große Vorbehalte bzw. klare Ablehnung einer Soldatenseelsorge, die von staatlichen Strukturen nicht völlig losgelöst ist. 

Argumentiert wird dabei einerseits von einer säkularistischen Perspektive her, etwa in den Beiträgen, die dem Lexikon des Instituts für Weltanschauungsrecht entnommen sind, oder von friedensethischer bzw. pazifistischer Seite - so vor allem auch in den Beiträgen aus dem kirchlichen Bereich. Besonders heftig fällt die Polemik aus, wenn personelle Kontinuitäten im Bereich des militärseelsorglichen Führungspersonals zwischen der NS-Zeit und der Nachkriegszeit angesprochen werden und die Indienstnahme der Militärseelsorge zur Legitimation von Wiederbewaffnung und atomarer Abschreckung kritisiert wird (etwa 68f.) oder wenn dem evangelischen Militärbischof Sigurd Rink von Peter Bürger vorgeworfen wird, dass er in seinem Buch „Können Kriege gerecht sein?“ zwar Ratlosigkeit eingestehe, aber zugleich zielstrebig für Aufrüstung, militärische Auslandseinsätze und eine erneute allgemeine Wehrplicht votiere. (369ff.)

Besonders interessant ist einerseits, dass das Modell einer Soldatenseelsorge in der DDR besser wegkommt als die Militärseelsorge in der BRD und im wiedervereinigten Deutschland (163-208), und andererseits, dass im Gegensatz zu fast allen anderen Vertretern der deutschen Militärseelsorge beider Konfessionen der ehemalige katholische Militärbischof Walter Mixa durchaus positiv rezipiert wird und sogar selbst durch Abdruck eines seiner Vorträge zu Wort kommt (333-346). Thomas Nauerth hebt hervor, dass Mixa nicht nur versucht habe, die ethischen Kriterien der Bellum-iustum-Lehre in den öffentlichen Diskurs über Militäreinsätze einzubringen, sondern sich auch nicht scheute, etwa die Militärstrategie der USA scharf zu kritisieren und den Staat in die Pflicht nehme zu beweisen, dass ein etwaiger Militäreinsatz diesen Kriterien entspricht. (326f.) Nauerth sieht in Mixa eine Ausnahme im kirchlichen Bereich (332), die aber möglicherweise einen Paradigmenwechsel (330) anzeige, eine Aussage, die angesichts der sehr differenzierten friedensethischen Tradition in den Kirchen und einer großen Zahl kritischer Stellungnahmen kirchlicher Repräsentanten zu verschiedenen militärischen Interventionen, besonders massiv vor und während des Irakkriegs 2003, doch ein wenig verwundert.

Rainer Schmid/Thomas Nauerth/Matthias-W. Engelke/Peter Bürger (Hg.): Die Seelen rüsten. Zur Kritik der staatskirchlichen Militärseelsorge, Norderstedt 2019, 452 Seiten, Sprache: deutsch

Buchnummer MBBA: 15.014

Link zum Medium im OPAC

MBBA