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Pastoralentwicklung und Militärseelsorge: "Aufgaben der gesamten Kirche bezüglich Militärseelsorge und Zivildienst"

Pastoralentwicklung in der Militärseelsorge Pastoralentwicklung in der Militärseelsorge

1978, also noch vor der Neuordnung der Militärseelsorge durch Papst Johannes Paul II. mit Spirituali militum curae, veröffentlichte die Pastoralkommission Österreichs einen Text über „Aufgaben der gesamten Kirche bezüglich Militärseelsorge und Zivildienst“, der auf der Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz 1978 auch zustimmend zur Kenntnis genommen wurde.

Er liest sich fast wie ein Mission Statement der Militärseelsorge, weil auch Sinn und Aufgabe der Militärseelsorge differenziert und dabei durchgehend affirmativ vorgestellt werden: Die Militärangehörigen hätten ein Recht auf Seelsorge, und aufgrund der besonderen Bedingungen geschehe das in der österreichischen Situation am besten in der angemessenen Form einer kategorialen Seelsorge, der Militärseelsorge. In dieser besonderen Form der Seelsorge bestehe die Chance, mit Menschen in Kontakt zu treten, die außerhalb ihres Berufs keinen Kontakt zur Kirche haben. Zudem werde es von vielen jungen Soldaten als positiv empfunden, dass es auch im Militärbereich Menschen mit anderer Mentalität gibt, die zu den Soldaten in einem anderen Verhältnis stehen als ihre Vorgesetzten. Auch der Staat habe offenbar Interesse an diesem Dienst und komme wie beim Religionsunterricht für die Kosten auf – schon damals mit Ausnahmen: so müssten Pastoralassistenten – sofern es sie gibt – von der Diözese bezahlt werden. Nach Einschätzung der Pastoralkommission werde die Militärseelsorge als solche in Österreich nicht in Frage gestellt – im Gegensatz zu manch anderem Staat.
Bemerkenswert ist, dass die Pastoralkommission die Militärseelsorge als Aufgabe nicht nur einiger weniger Beauftragter sieht, sondern der gesamten Seelsorge. Wegen des (damals neuen und aktuellen) Konzepts der Landwehr-Verteidigung rückten Truppen und Heimatpfarren örtlich näher zusammen, was eine Zusammenarbeit auch von daher notwendig mache.
Freilich werden auch Probleme und Konflikte gesehen: etwa bei der Freistellung von Priestern angesichts des zunehmenden Priestermangels (dieses Problem ist heute nicht gerade geringer geworden), und bei der Frage der Zugehörigkeit wegen der eigenen Jurisdiktion der Militärseelsorge, die von manchen kirchlich engagierten Soldaten auch als Belastung empfunden werde. Verbesserungsbedarf bestehe bei der Zusammenarbeit, die möglichst breit sein soll (Freistellung, gemeinsame Aktivitäten…). Die Einrichtung von „Tagen für Wehrpflichtige“ auf der Ebene der Diözesanjugendstellen solle auf den Weg gebracht werden, die Militärseelsorger sollten sich mehr als bisher den Jungmännern zuwenden, ihre Arbeit als Jugendpastoral verstehen und dazu beitragen, das Leben der Wehpflichtigen zwischen den Ausbildungen menschlich zufriedenstellender zu gestalten. Diakone und Pastoralassistenten sollten verstärkt zum Einsatz kommen, die Bildung von kirchlichen Basisgruppen innerhalb des Militärpersonals angeregt werden. Entscheidend sei jedenfalls, dass der pastorale Charakter des Dienstes im Vordergrund steht (und er nicht vorwiegend militärisch strukturiert ist). Auch die Einrichtung eines Zivildienstes wird begrüßt unter Hinweis auf Gaudium et spes 79 und (wie es Gaudium et spes ausdrücklich im Blick auf den Wehrdienst formuliert) als Friedensdienst verstanden. Er muss menschlich und religiös gut begleitet werden, weil sich die jungen Menschen zu dieser Zeit in einer wichtigen Phase der Identitätsfindung befänden. Da ihr Einsatzspektrum anders ist, seien die Diözesanjugendseelsorger die zuständigen Ansprechpartner.
Alles in allem eine sehr interessante Handreichung, die in sehr prägnanter Form die wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen der Militärseelsorge nennt, die Mitverantwortung der zivilen Diözesen und Pfarren für sie unterstreicht und trotz des beträchtlichen Alters nicht allzu viel an Aktualität eingebüßt hat.

Aufgaben der gesamten Kirche bezüglich Militärseelsorge und Zivildienst. Im Auftrag der Pastoralkommission Österreichs und mit Zustimmung der Österreichischen Bischofskonferenz herausgegeben vom Österreichischen Pastoralinstitut (Texte der Pastoralkommission Österreichs für die Seelsorger, Pfarrgemeinderäte und Apostolatsgruppen), Wien 1978, 12 Seiten, Sprache: deutsch

Buchnummer MBBA: 16.451

MBBA