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Pastorale Behelfe: „Who Am I?“ und „Guide To Biblical Storytelling For Military Chaplains“

Campbell und Walthour Campbell und Walthour

Who Am I? (Wer bin ich?) ist der Name eines Bibelkundespiels, das der Militärseelsorger und spätere Bischof der Episkopalkirche John B. Walthour an der Militärakademie in West Point als didaktische Methode eingesetzt hat. Der Chaplain nimmt dabei die Rolle einer mehr oder weniger bekannten biblischen Figur ein und gibt verschiedene Hinweise. Nach jedem dieser Hinweise fragt er die Kadetten nach der Identität der von ihm verkörperten Figur: „Who am I?“ In einem gleichnamigen Buch, erschienen 1947 im Verlag The Macmillan Company, hat Walthour die Hinweise zu 20 biblischen Figuren veröffentlicht.

Er verrät dem Leser am Ende jedes Abschnitts auch den Namen der gesuchten Person sowie ob und wie schnell die Kadetten die Lösung gefunden haben.
Die Texte mit den Hinweisen sind gut lesbar und sehr lebendig geschrieben, die biblischen Figuren so ausgewählt, dass sie für die jungen Soldaten in ihrer Situation wohl durchaus relevant bzw. von Interesse waren. So finden sich im Text zur Richterin Debora Bezüge zu „Vereinten Nationen“, in vielen Passagen ist die Welt des Militärs präsent, geht es um moralische Fragen und zwischenmenschliche Beziehungen. Was die Details zur biblischen Geschichte betrifft, müsste man heute freilich angesichts des aktuellen Erkenntnisstands so manche Stelle neu formulieren.

Einen ganz anderen Ansatz für die Arbeit mit biblischen Texten in der Militärseelsorge verfolgt der 2018 im Eigenverlag erschienene „Guide To Biblical Storytelling for Military Chaplains“ von Madelyn E. Campbell.
Die vom Network of Biblical Storytellers entwickelte Methode besteht darin, dass biblische Texte nicht gelesen, sondern auswendig gelernt und dann anderen erzählt werden, wobei mindestens 75 % wörtliche 95 % inhaltliche Übereinstimmung erreicht werden müssen. Entscheidend ist, dass die Erzählung nicht bloß in einem merktechnischen Sinn auswendig gelernt, sondern, wie das englische „learning by heart“ das viel besser anklingen lässt, auch leiblich und emotional internalisiert wird („embodying, not memorizing, the story“ S. 12). Durch das mindestens zweiwöchige Lernen und das Weitererzählen lassen sich immer neue Gesichtspunkte bzw. tiefere Dimensionen der biblischen Geschichte erschließen. Zwei Erzählungen, mit denen die Autorin besonders gute Erfahrungen gemacht habe, sind Johannes 7,53-8,11 (Jesus und die Ehebrecherin) und Numeri 27,1-11: In der Geschichte wenden sich Zelofhads Töchter an Mose mit der Bitte, dass ihnen das Erbe ihres verstorbenen Vaters zugesprochen wird. Hier seien besonders das Empowerment-Thema sowie die Einhaltung der Kommandokette interessant.
Aus Sicht Campbells, die hauptberuflich Pastorin (Minister) der Unitarian Universalist Church of the Lehigh Valley und in ihrer Freizeit Chaplain in der Civil Air Patrol/US Air Force Auxiliary ist, eignet sich diese Methode sehr gut für den Bereich des Militärs, in dem Menschen in ganz besonderen Umständen dienen. Denn: „Simply preaching the lectionary and sending charges off with standard platitudes will generally not speak to the specific needs of those in uniform […].“ (S. 35)

John B. Walthour: Who am I? A series of studies of Biblical Personalities delivered to the Corps of Cadets of the United States Military Academy by their Chaplain, New York 1947, 115 Seiten, Sprache: englisch

MBBA Buchnummer: 17452

Madelyn E. Campbell: Guide To Biblical Storytelling for Military Chaplains, 2018, 44 Seiten, Sprache: englisch

MBBA Buchnummer: 17257

MBBA