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Geschichte der Militärseelsorge: "Kriegsworte von Feldbischof Franziskus Justus Rarkowski"

Kriegsworte von Feldbischof Franziskus Justus Rarkowski Kriegsworte von Feldbischof Franziskus Justus Rarkowski

In der Edition Kirche & Weltkrieg ist 2021 ein Band mit Schriften des katholischen Feldbischofs der Wehrmacht, Franziskus Justus Rarkowski, erschienen. Im Wesentlichen handelt es sich um Hirtenworte, Beiträge für die Sonntagsbeilage „Glaube und Kampf“ der „Wochenzeitschrift für Katholische Deutsche“ und seine Chronik der Kämpfe einer preußischen Infanterie-Division in Siebenbürgen während des Ersten Weltkriegs. Ergänzt wird die Publikation durch ausführliche Vorbemerkungen des Herausgebers Peter Bürger sowie zwei ältere bereits anderweitig publizierte Artikel über Rarkowski von Johannes Apold (1978) und Heinrich Missalla (1997).

Die Person Rarkowski war bereits zu Lebzeiten im kirchlichen Umfeld nicht unumstritten. Er galt in seiner Heimatdiözese sowie im deutschen Episkopat als Außenseiter, wohl nicht nur, weil er sich politisch zunächst an der Deutschnationalen Volkspartei Hugenbergs und nicht an der Deutschen Zentrumspartei orientierte und in weiterer Folge dem Nationalsozialismus näherstand als seine Mitbischöfe, sondern auch weil er für oberflächlich gehalten wurde und das, was man von ihm und seinem Lebenslauf wusste, Zweifel über eine hinreichende Eignung aufkommen ließ.
Eine wissenschaftlich fundierte Biographie existiert noch nicht. Aus verschiedenen Quellen, darunter ein von ihm eigenhändig geschriebener, recht vage gehaltener Lebenslauf, ergibt sich folgendes Bild:
1873 in Allenstein in Ostpreußen als Sohn eines Gutbesitzers und Reichstagsabgeordneten geboren, besuchte er das Gymnasium, das er allerdings ohne Abiturientenexamen verließ, trat dann der Gemeinschaft der Maristenbrüder in Differt (Belgien) bei, studierte Theologie und wurde 1898 oder 1899 zum Priester geweiht. Nach dem Austritt aus der Gemeinschaft arbeitete er als Seelsorger in der Diözese Brixen und später als Hausgeistlicher und danach Kurat in seiner Heimatdiözese in Ermland, ohne in den dortigen Diözesanklerus aufgenommen zu werden. Während des Ersten Weltkriegs wurde er trotz fehlender Pfarrersprüfung mit Dispens zum Divisionspfarrer ernannt und war ab 1929 für die Seelsorge in der Reichswehr/Wehrmacht verantwortlich, erst als Beauftragter für die Seelsorge auf Vorschlag der Fuldaer Bischofskonferenz, ab 1936 als Apostolischer Administrator und seit 1938 als Katholischer Feldbischof. Die Umstände rund um seine Bischofsernennung sind teilweise noch ungeklärt, er war aber offenbar vor allem der Kandidat des deutschen Staats. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er seine Aufgaben nicht bis Kriegsende im vollen Umfang erfüllen. Ab 1. Februar 1945 übernimmt sein bisheriger Generalvikar Georg Werthmann offiziell die Amtsgeschäfte, bekanntermaßen als Militärgeneralvikar der Bischöfe Wendel und Hengsbach auch maßgeblicher Akteur beim Aufbau der Militärseelsorge in der Deutschen Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg. Rarkowski stirbt 1950 in München.
Die Hirtenschreiben Rarkowskis sind in erster Linie pastoral motiviert und von eher geringer theologischer Substanz. Im Vergleich zu Hirtenworten anderer deutscher Bischöfe fließen viele Formulierungen ein, die auch in NSDAP-Texten verwendet werden. Die ideologischen Elemente treten im weiteren Kriegsverlauf zurück, nun rufen die Schreiben zum Durchhalten auf und sprechen Trost in schwieriger Zeit zu. 1944 verfasst er selbst nur noch den Neujahrsgruß an die Wehrmachtsgeistlichen, den Fastenhirtenbrief formulierte Generalvikar Werthmann für ihn, als Weihnachtsbrief übernahm man jenen des Vorjahres mit geringfügigen Kürzungen. Wie groß der Einfluss Rarkowskis und seiner Hirtenschreiben tatsächlich war, ist umstritten. So wurden wohl nach den Aussagen mehrerer Militärgeistlicher die Schreiben des Bischofs im Feld meist gar nicht verlesen. Bei der Beurteilung der Hirtenbriefe Rarkowskis weist Missalla zudem darauf hin, dass sie abgesehen von den Formulierungen in der Sache gar nicht so weit von den Hirtenschreiben der anderen deutschen Bischöfe während des Krieges entfernt gewesen seien. Die Bischöfe, die, wie Missalla ausdrücklich betont, weder kriegsbegeistert noch kriegssüchtig waren und im Vergleich zu den Hirtenbriefen des Ersten Weltkriegs sehr zurückhaltend formulierten, hätten ganz selbstverständlich zur Pflichterfüllung gegenüber dem Staat aufgerufen und sich trotz der zahlreichen offensichtlichen Rechtsverletzungen seitens des Staates – die viele von ihnen im Gegensatz zu Rarkowski offen kritisierten – nicht dazu durchringen können, den Krieg von Seiten Deutschlands klar als ungerechten Krieg zu benennen.


Kriegsworte von Feldbischof Franziskus Justus Rarkowski. Edition der Hirtenschreiben und anderer Schriften 1917-1944. Herausgegeben von Peter Bürger, Norderstedt 2021, 623 Seiten, Sprache: deutsch


MBBA Buchnummer: 17605

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