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Singing Warriors Singing Warriors

Unter dem Titel „Singing Warriors. A Chaplains Anthology of Poetry on War and Peace“ erschien 1956 eine Auswahl von Gedichten zu Krieg und Frieden großteils US-amerikanischer Autoren. Grundlage bildete eine umfangreiche Sammlung von Lyrik, die der Militärseelsorger Ellwood C. Nance (1900-1965) während des Zweiten Weltkriegs zusammengetragen hatte und aus denen er dann während des Koreakriegs mit Hilfe einer Gruppe von Lyrikern und Englischprofessoren die vorliegende Auswahl erstellte.

Nance trat 1917, wenige Tage nach der Kriegserklärung der USA, unter Vortäuschung eines höheren Alters (Obituary for E. C. Nance, Tampa Tribune, 28.5.1965, S.2.) bereits mit 16 Jahren in die Armee der Vereinigen Staaten ein und diente als Soldat im Ersten Weltkrieg in Europa. Geprägt durch die Erfahrungen aus den Kampfhandlungen trat er nach seiner Rückkehr 1921 in den geistlichen Dienst der Christian Church ein. Während des Zweiten Weltkriegs war er in der Ausbildung von Militärseelsorgern an der „Chaplains School“ an der Harvard Universität tätig und wurde nach Kriegsende Präsident der Universität Tampa (Florida).
Der erste, kürzere und literarisch schwächere Teil „The Chaplains“ enthält Gedichte von, an oder über Militärseelsorger bzw. über die Bedeutung von Gott und Glaube für Soldaten im Kriegseinsatz. Dieser Teil versammelt Gebete für Militärseelsorger („A Prayer for Chaplains“ von George Stewart, 44-45) oder Soldaten („Seaman’s Psalm“ von Captain J. Rogers, 40), ein Friedensgebet („Prayer for Peace“ von Cpl. Robert E. Aulabaugh, 22), Gedanken über die Möglichkeit einer friedlichen Welt (etwa in „A Soldier of War at a Shrine of Peace“ von Lieut. Luther Roberts, 39). Von Nance selbst ist „Salute to a Convoy“ (33), in dem das lyrische Ich sich an eine Einheit wendet, die gerade zur Invasion in der Normandie aufbricht. Dieses Gedicht, in dem um Gottes Führung und die Vermehrung von Glauben und Stärke der Soldaten gebeten wird „for every D-Day and H-Hour“, endet wie auch einige andere mit den Wort „peace“: Dass Gott sie heimbringe „to lasting peace“, scheint das letztlich, das eigentlich Ersehnte zu sein, nicht Sieg oder Ruhm.
Der zweite Teil, „Singing Warriors“, enthält Gedichte, die um die Situation von Soldaten im Zweiten Weltkrieg kreisen, wenn auch bei weitem nicht alle von Soldaten verfasst wurden. Viele sprechen über die negativen Folgen für die auf unterschiedliche Weise betroffenen Menschen: Besonders schön und zugleich voll Bitterkeit über die von den eigenen Truppen verursachte Zerstörung von Leben und Zukunft ist „The Beautiful Ruins“ von S/Sgt. Charles E. Butler (66). In „Lost Paradise“ von Howard A. Farrens (81) werden die Schrecken des Krieges mit der vormals idyllischen tropischen Landschaft kontrastiert. Beispiele für zahlreiche Gedichte, die auch in diesem zweiten Teil religiöse Motive und Themen ansprechen, sind „Prayer for an Eagle“ von Esther Church (69), „Magi“ von Ruth Payne Bomford (61) oder „Horizon“ von Dorothy Malone Slade (126). In „The Last Four Words“ (55-57) von Joseph Auslander, dem ersten Consultant for Poetry der Library of Congress, meditiert das lyrische Ich anhand der letzten vier Worte Jesu am Kreuz über die bevorstehende Invasion in der Normandie. Im sehr elegischen „Psalm for the Sorrowing“ von A. M. Sullivan (130) klingt ein Thema an, das das ganze Buch durchzieht: die Trauer der Angehörigen, der Zurückgebliebenen, der Frauen. Nicht wenige Gedichte sind von Frauen verfasst. Manche (nicht nur von Frauen verfasste) erzählen vom Schmerz des Getrenntseins („Your Letter“ von Helen Gerry, 82) oder von der Trauer über den Verlust eines nahestehenden Menschen, so etwa Ella Brooks Wilson sehr eindringlich im Schlussgedicht „The Mother of My Son“ (140). Pathetische oder heroische Töne klingen nur selten an und sind dann meist eingebettet in eine umfassendere Sicht, die von einer großen Sehnsucht nach universalem Frieden getragen ist: „Here is the soul of America struggling with the everyday problems of war while praying and working for a just peace for all mankind.“ (Vorwort von Ellwood C. Nance, 8)

Singing Warriors : (A Chaplain's Anthology of Poetry on War and Peace) / by Ellwood C. Nance, Tampa 1956, 140 Seiten, Sprache: englisch

MBBA Buchnummer: 13440