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Erlebnisberichte von Militärseelsorgern: „Beyond Combat“

Beyond Combat Beyond Combat

James M. Hutchens schildert in „Beyond Combat“ seine Erlebnisse während seines einjährigen Einsatzes als Militärseelsorger im Vietnamkrieg. Ursprünglich war Hutchens dem 70. Pionierbataillon zugeteilt, das im August 1965 nach Vietnam verlegt wurde. Anschließend wurde Hutchens, der 1955-1957 selbst als Luftlandeinfantrist im 511th Parachute Infantry Regiment gedient hatte, der 173rd Airborne Brigade zugeteilt und nahm mit dieser an der „Operation Hump“ sowie den Kämpfen um Hill 65 teil.

Ursprünglich war Hutchens dem 70. Pionierbataillon zugeteilt, das im August 1965 nach Vietnam verlegt wurde. Anschließend wurde Hutchens, der 1955-1957 selbst als Luftlandeinfantrist im 511th Parachute Infantry Regiment gedient hatte, der 173rd Airborne Brigade zugeteilt und nahm mit dieser an der „Operation Hump“ sowie den Kämpfen um Hill 65 teil. Für seine Tapferkeit bei der Bergung von Verwundeten wurde er mit dem Bronze Star ausgezeichnet. Hutchens blieb nach seiner Verwundung im aktiven Dienst, diente bei den United States Army Special Forces („Green Berets“) als Militärseelsorger und schließlich als Assistant Chief of Chaplains im Rang eines Brigadiers. 2019 wurde an der Beeson Divinity School (Alabama) das „General James M. Hutchens Military Chaplain Scholarship” für angehende Militärseelsorger eingerichtet.
Erschienen ist „Beyond Combat“ 1968, im Jahr der Tet-Offensive und des zahlenmäßigen Höhepunktes der Truppenpräsenz der USA in Vietnam. An den Beginn des Buches stellt Hutchens den Abschied von seiner Familie, die Schilderung seiner Berufung zum Dienst als Militärseelsorger, die Verlegung nach Vietnam (so auch von an die Soldaten gerichteten Antikriegsprotesten in Oakland (Kalifornien) 21) und die während der Überfahrt stattfindenden Gespräche und entstehenden Freundschaften (z.B. mit einem jüdischen Militärarzt). Auch berichtet er von den Themen, um die seine Predigten und Gespräche mit den Soldaten kreisten: darunter wiederholt die Frage nach dem biblischen Tötungsverbot und die Frage der Zulässigkeit des Militärdienstes für Christen. (17) Hutchens versucht weiters eine Begründung der Teilnahme an diesem Einsatz für den einzelnen Soldaten zu finden, indem er die Streitkräfte “as the arm of God that bears the sword” bezeichnet und deren Rolle darin sieht, “to bring retribution upon those who defy an institution authorized by God”. (25)
Das militärische Engagement der USA in Vietnam sucht Hutchens politisch sowie moralisch zu begründen: Im Kommunismus, der sich selbst als atheistisch und somit gottlos versteht, werde Gott durch den Menschen als das Oberste ersetzt. Dadurch sei die Fähigkeit des Menschen zum Bösen bzw. seinem Hang zur Unterdrückung anderer, zur Gottlosigkeit und zur Ungerechtigkeit nicht mehr eingeschränkt und dies führe zur Herrschaft der Tyrannei. (25) Die USA könne sich nun mit Argumenten, dass der Konflikt so fern sei, aber weder den politischen Konsequenzen einer kommunistischen Herrschaft noch der Verantwortung für die Menschen in Vietnam entziehen. Die Meinung, dass der Vietnamkrieg so fern sei, dass er die USA nicht beträfe, beachte nicht, dass er ja "an attempt to cut the spreading tentacles of a Communist menace before they reach to our shores and engulf us“ sei. (26) Die Verantwortung für die Bevölkerung Vietnams begründet Hutchens biblisch, indem er auf Kain und Abel und auf die Aufgabe des Menschen, Hüter seines Mitmenschen zu sein, verweist. Und diese Verantwortung gelte nicht nur für seine unmittelbaren Nachbarn: „Being a neighbour (…) exceeds the bounds of geographical proximity.“ (34) Um den Leser mit diesem fernen Nachbarn besser bekannt zu machen, schließt Hutchens ein Kapitel mit einer kurzen Einführung in die Geschichte Vietnams und seiner Bevölkerung an.
Die Frage von Soldaten nach der Vereinbarkeit des Soldatenberufs, und insbesondere des Tötens, mit den biblischen Geboten taucht wiederholt als Thema von Hutchens militärseelsorglicher Tätigkeit auf. So berichtet er, dass er bei dieser Frage auf ausgewählte Stellen des Alten Testaments verweist, in denen Gott den Israeliten Anweisungen zur Kriegführung erteilt (betr. Jericho, Ai, Gibeo und Kanaan: Jos 6 und 11; betr. Saul, Agag, Goliath und die Syrer; 1 Sam 11, 15, 17 und 2 Sam 10). Nur jener, der sich ausschließlich auf „man-made philosophies“ verlasse, der „‘Vietnik‘“ (21) oder „‘revoltnik‘“, irre dementsprechend mit seiner Unterscheidung in „Make love, not war“ (51). Im Gegenteil solle das Tötungsverbot den christlichen Soldaten nicht nur vom Mord abhalten, es solle ihn gleichzeitig dazu bringen, seinen Wehrdienst mit Überzeugung zu leisten „so as to help prevent others from such sin.“ (51) Auch legt er seine Argumentation für eine Unterscheidung in Mord und „the taking life in general“ (50) dar. Bei einer Tötungshandlung sei es das Motiv, das zählt, und nicht der Akt davon abgetrennt und allein für sich genommen. Dementsprechend gilt für Hutchens auch: “When a man hates, he has already committed murder in his heart.” (50)
Der Mensch habe die Fähigkeit, sich zum Guten wie zum Bösen zu entscheiden. Dies gelte für Soldaten wie Zivilisten gleichfalls: Ist seine Moral gefestigt, dann könne der Dienst in den Streitkräften nichts daran ändern. (54) Einen tiefgehenden Einfluss des militärischen Lebens auf die moralischen Überzeugungen der Soldaten schließt Hutchens aus. Die Moral eines Soldaten bilde sich nämlich lange Zeit, bevor er in die Streitkräfte eintritt: als Kind, in seiner Jugend und geprägt durch sein familiäres Umfeld. Zwar konzediert Hutchens auch, dass der moralisch und im Glauben gefestigte Soldat in der Armee durchaus darin herausgefordert werde, betont aber sogleich, dass sich diese Moral im Grunde nicht wandeln werde (55). An anderer Stelle sieht Hutchens eine vage und schlecht ausgebildete Theologie gar als Hindernis für das Handeln des Menschen in schwierigen Situationen (im Gegensatz zu einem gefestigten, biblisch fundierten und christozentrischen Verständnis). (104-105) Dass auch eine sehr pragmatische Sicht auf die Moral von Soldaten existiert, zeigt Hutchens, indem er folgende Aussage eines Offiziers wiedergibt: “A man who will be unfaithful to his wife will be unfaithful to his men.” (85) Für Hutchens ist als Militärseelsorger jedenfalls klar, dass seine Aufgabe darin liegt, für alle Menschen da zu sein, wobei dahingestellt sei, ob sie nun „good and bad, drunk and sober, promiscuous and faithful“ (58) seien. Seiner Erfahrung nach seien die Soldaten auch “eager to learn what God had to offer.” (69)
Eine Besonderheit, die Hutchens am Soldatenleben jedenfalls feststellt, ist dessen Zugang zum Opfer Jesu: Soldaten sind durch ihre Erfahrung des Kampfeinsatzes geprägt, in dem sie andere an ihrer Stelle sterben sehen. So ist "[t]he undignified death of Jesus Christ that precludes our own penalty of spiritual death […] a truth which the combat soldier can readily understand.” (77-78)
Da “War is not all combat” (79), berichtet Hutchens über seine Erlebnisse (z.B. den Bau einer Kapelle 38, Predigten 40-41, Taufen 58-59), liefert Anekdoten aus dem Dienstbetrieb (z.B. sein Initiationsritus [„Prop Blast“] bei der 173th Airborne Brigade 80-83), bietet dem Leser aber auch pastorale und moralisierende Passagen sowie Schilderungen, wie Soldaten zu Gott fanden (z.B. 75-78). Auch berichtet er über diverse zivile Hilfsprojekte der US-Armee für die vietnamesische Bevölkerung, wie den Bau von Brunnen, Straßen, Häusern, Sanitäranlagen usw. (79)
Weit weg ist Hutchens von einer Verklärung des Krieges in seinen Schilderungen des Soldatenalltags sowie auch der Kampfhandlungen. Für ihn steht fest: “War is as close to hell as a man can get in his life. It is fear and suffering and death and earsplitting violence.” Aber für ihn ist in Bezug auf Psalm 139:8 ebenso klar, dass auch diese Situation “is not a place where God cannot reach. (86) Dies zeigt sich für ihn besonders anhand seiner Erlebnisse während der Kämpfe um Hill (65). Dabei ist er sich bewusst, dass bloß eine “razor-thin line between hero and heel, between courage and cowardice” existiert und dass er, wie alle Menschen, „the capacity for either” besitzt. (102) Hutchens setzt sein Vertrauen in Gott. An anderer Stelle hat er bereits formuliert: „There is no such thing as a bullet inscribed ‘To whom it may concern.’ God alone determines the length of a man’s days.” (38) Bei den schweren Kämpfen, in denen 49 amerikanische Soldaten getötet werden, stellt er jedenfalls seine Tapferkeit unter Beweis. Er hilft bei der Bergung von Verwundeten und wird dabei schließlich selbst von einem Scharfschützen getroffen. Auch weiterhin kümmert er sich um andere verwundete Soldaten und betet mit ihnen. Für seine Handlungen wird er mit dem Bronze Star und Purple Heart ausgezeichnet werden. (92-116) Nach der Evakuierung folgt für Hutchens ein längerer Genesungsaufenthalt im Lazarett und in vielen schlaflosen Nächten die Gelegenheit zur Reflexion. (119-126)
An das Ende seines Buches stellt Hutchens die Erkenntnis, dass für die “crooked and perverse generation” (Phil 2:15) alle Kriege nach dem Herrn verlangen, da nur er allein den Frieden schaffen kann: „The wars of the ages have all pointed to it. The insatiable cry for peace demands it: The glory of the coming of the Lord, the Prince of peace, who alone can establish peace.” (126)
Immer wieder gibt Hutchens in seinem Buch Dialoge in wörtlicher Rede wieder. Diese Erzählweise lässt den Text für den Leser lebendig und kurzweilig wirken, auch wenn sich in solchen Fällen immer die Frage nach der Faktizität aufdrängt. Eine Zusammenstellung von 28 Photos ergänzt den Erlebnisbericht.

James M. Hutchens: Beyond Combat, Chicago 1968, 128 Seiten, Sprache: englisch
MBBA Buchnummer: 16.335

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