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Die Benizi-Wallfahrt nach Florenz

Die Höhle des Filippo Benizi nahe Bagni San Filippo Die Höhle des Filippo Benizi nahe Bagni San Filippo Bild: Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon.

Manchmal wird aus einem Namen eine persönliche Geschichte. Aus einem Patron, den man verehrt, ein Mensch, dessen Leben man besser verstehen möchte. Und aus Geschichte werden plötzlich Orte, Gesichter und Begegnungen, die berühren und einen mitnehmen.

Für die österreichischen Peacekeeper wurde die Reise nach Florenz und zu den Wirkungsstätten des heiligen Philipp Benizi eine solche besondere Begegnung. Gemeinsam mit ihrem Wallfahrtsseelsorger Pater Philipp M. Karasch CO machten sie sich auf den Weg, um denjenigen, der sie seit fünf Jahren als Patron begleitet, näher kennenzulernen – dort, wo sein Leben seinen Anfang nahm, wo der Servitenorden seine Wurzeln hat und wo bis heute die Erinnerung an ihn lebendig gehalten wird.
Fünf Tage wandelte die Pilgergruppe auf den Spuren ihres Patron. Ihr Weg führte zu Kirchen und Klöstern, nach Monte Senario und Todi und vor allem zu Menschen, die die bis heute ihre ganz eigene Verbindung zu Philipp Benizi leben.
Ein Reise- und Erlebnisbericht von HR Prof. Mag. Dietmar Hübsch, ObstdIntD

Auf den Spuren unseres Patrons
Vom 21. bis 25. September 2026 machten wir uns – zehn Mitglieder der Vereinigung Österreichischer Peacekeeper gemeinsam mit unserem Wallfahrtsseelsorger, Militärkaplan Pater Philipp M. Karasch CO – auf den Weg nach Florenz und zu den Wirkungsstätten des heiligen Philipp Benizi.
Für uns war diese Reise mehr als eine gemeinsame Fahrt nach Italien. Wir wollten jenen Menschen näher kennenlernen, den wir seit fünf Jahren als Patron der österreichischen Peacekeeper verehren. Philipp Benizi lebte im 13. Jahrhundert, war Mitglied des Servitenordens und dessen fünfter Generalprior. In einer von politischen und gesellschaftlichen Spannungen geprägten Zeit setzte er sich für Frieden und Versöhnung ein. Gerade deshalb fühlen wir uns als Menschen, die sich für Frieden und Menschenrechte engagieren, mit ihm in besonderer Weise verbunden.
Im Jahr 2023 bestätigte Seine Exzellenz der Militärbischof Dr. Werner Freistetter den Beginn des kirchlichen Bestätigungsprozesses für das Patronat des heiligen Philipp Benizi für die österreichischen Peacekeeper. Unsere Wallfahrt sollte uns nun zu den Orten führen, an denen sein Leben und das Wirken seines Ordens bis heute lebendig sind.

Ankommen in Florenz
Am Montag, dem 21. September, begann unsere gemeinsame Reise. Nach der Ankunft in Florenz und dem Bezug unserer Unterkunft trafen wir uns zu einem ersten gemeinsamen Mittagessen. Für viele von uns war dies die Gelegenheit, einander besser kennenzulernen und uns auf die kommenden Tage einzustimmen.
Schon am Nachmittag wurde deutlich, dass diese Reise einen besonderen Charakter haben würde. Um 17 Uhr feierten wir mit Pater Philipp M. Karasch die heilige Messe in der Kirche zu den Heiligen Sieben Gründungsvätern. Der Gottesdienst führte uns unmittelbar in die Geschichte des Servitenordens hinein und war zugleich unser geistlicher Auftakt.
Beim anschließenden Abendessen wurden die ersten Eindrücke des Tages ausgetauscht. Die Vorfreude auf die kommenden Tage war spürbar – schließlich wollten wir nun Schritt für Schritt in die Geschichte unseres Patrons eintauchen.

Florenz – auf den Spuren von Philipp Benizi
Am nächsten Morgen führte unser Weg zur Santissima Annunziata. Das Kloster und die Kirche wurden im 13. Jahrhundert gegründet, insbes. in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zur heutigen Gestalt umgebaut und sind die wichtigsten Orte der Servitengeschichte in Florenz. Schon beim Betreten des Komplexes war die Verbindung von jahrhundertealter Geschichte und lebendiger Ordensgemeinschaft spürbar.
Wir begegneten Mitgliedern des Konvents und konnten mit ihnen über den Orden und seine Geschichte sprechen. Besonders eindrucksvoll war für uns das Verkündigungsfresko und Tabernakel, aber auch das Gebet am Altar des heiligen Philipp Benizi. Dort beteten wir das Friedensgebet des Heiligen. Für uns war dies kein bloßes historisches Ritual. Wir konnten unsere eigenen Erfahrungen und Anliegen als Peacekeeper in dieses Gebet mitnehmen.
Danach tauchten wir in das historische Florenz ein. Der Dom zu Florenz mit dem Glockenturm Campanile di Giotto und der Taufkapelle Battistero di San Giovanni, der Palazzo Vecchio, die engen Gassen und Plätze der Altstadt und schließlich die Ponte Vecchio vermittelten uns einen Eindruck von jener Stadt, in der Philipp Benizi gelebt und gewirkt hatte. Ein besonderer Moment erwartete uns in der Via de’ Guicciardini 15, auf dem anderen Ufer des Arno. Dort befindet sich der historische Palazzo Guicciardini, das ehemalige Herrenhaus der Familie Benizi, in dem Philipp Benizi im Jahr 1233 geboren wurde, eine Steintafel auf der Fassade verweist darauf. Vor dem Gebäude zu stehen und sich bewusst zu machen, dass hier vor fast 800 Jahren das Leben unseres späteren Patrons seinen Anfang nahm, war für uns ein eindrucksvolles Erlebnis.
Nach diesem Besuch führte unser Weg zur Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella. Die historische Apotheke geht auf eine jahrhundertealte Tradition in Florenz zurück und ist bis heute für ihre Düfte, Kräuterpräparate und Pflegeprodukte bekannt. Auch dieser Besuch gab uns einen weiteren Einblick in die besondere Geschichte und Atmosphäre der Stadt.
Am Abend kehrten wir in das Servitenkloster zurück. Dort erwartete uns ein gemeinsames Abendessen mit dem Konvent. Die Gastfreundschaft und die persönlichen Gespräche machten diesen Abend zu einem der schönsten Erlebnisse unserer Reise. Wir fühlten uns willkommen und durften erleben, dass die Verbindung zwischen Österreich und den italienischen Serviten nicht nur auf Geschichte und Tradition beruht, sondern durch persönliche Begegnungen lebendig wird.

Monte Senario – die Wurzeln des Servitenordens
Der dritte Tag führte uns hinaus aus Florenz. Unser Ziel war der Monte Senario, etwa 40 Autominuten nördlich der Stadt. Schon die Fahrt hinauf in die Berge vermittelte uns das Gefühl, einen besonderen Ort aufzusuchen. Hier befindet sich das erste Kloster des Servitenordens, das in den Jahren 1245/47 entstand. Für uns war es bewegend, an einem Ort zu stehen, an dem die Geschichte des Ordens vor fast 800 Jahren ihren Anfang nahm.
Im Kloster werden die Reliquien der sieben heiligen Gründungsväter aufbewahrt und verehrt. Besonders eindrucksvoll war die sogenannte Erscheinungskapelle. Unter der Altarplatte sind noch Mauerreste der ältesten Kapelle aus der Mitte des 13. Jahrhunderts zu sehen. Diese wurde von den sieben Gründungsvätern selbst errichtet.
Wir feierten gemeinsam mit Pater Philipp die heilige Messe in der Kapelle zu den Sieben Heiligen Gründungsvätern. In dieser Umgebung wurde die Geschichte des Servitenordens für uns greifbar und bekam eine ganz persönliche Dimension.
Anschließend nahm sich Pater Prior Maurizio OSM Zeit, uns durch das Kloster zu führen. Mit viel Wissen und spürbarer Verbundenheit zu seinem Orden erklärte er uns die Geschichte und die Besonderheiten des Klosters und erzählte aus dem heutigen Leben der Serviten. Für uns war diese persönliche Führung eine wertvolle Begegnung, abgerundet durch einen Spaziergang zu der Grotte und Quelle unseres Heiligen.
Nach der Rückkehr nach Florenz wechselten wir vom geistlichen und historischen Programm zur Kunst und Kultur. Wir besuchten die Galleria dell’Accademia und die Uffizien. Zwischen Kunstwerken von Weltrang konnten wir einen weiteren Teil jener Stadt kennenlernen, deren Geschichte untrennbar mit der europäischen Kultur verbunden ist.

Todi – am Grab unseres Patrons
Ein Höhepunkt unserer Wallfahrt war zweifellos der vierte Tag. Wir machten uns auf den Weg nach Todi, eine mittelalterliche Stadt auf einem Berggipfel über dem mittleren Tibertal. Unser Ziel war die Kirche San Filippo Benizi, in der sich das Grab unseres Patrons befindet.
Hier feierten wir gemeinsam mit unserem Militärkaplan und Pater Gerardo OSM die heilige Messe. Anschließend standen wir am Grab des heiligen Philipp Benizi. Dieser Moment war für viele von uns besonders bewegend. Nach den Tagen, an denen wir seine Lebensgeschichte und die Geschichte seines Ordens kennengelernt hatten, standen wir nun unmittelbar an seiner letzten Ruhestätte.
Wir konnten dort auch kleine Statuen des heiligen Philipp Benizi, die wir aus Wien mitgebracht hatten, segnen lassen. Damit entstand für uns eine sichtbare Verbindung zwischen dem historischen Wirkungsort in Italien und unserer heutigen Verehrung des Heiligen in Österreich.
Beim gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Jacopone konnten wir die Eindrücke dieses Vormittags noch einmal miteinander teilen. Interessant war auch die Information, dass Jacopone der erste Patron der Stadt Todi ist und Philipp Benizi als zweiter Patron verehrt wird.
Auf der Rückfahrt nach Florenz wurde vielen von uns bewusst, wie dicht die vergangenen Tage an Eindrücken gewesen waren. Wir hatten nicht nur Kirchen, Klöster und historische Stätten besucht, sondern waren den Menschen und Orten nähergekommen, die mit dem Leben unseres Patrons verbunden sind.

Abschied von Florenz
Am Freitag, dem 25. September, hieß es Abschied nehmen. Nach fünf gemeinsamen Tagen traten wir die Rückreise nach Wien an.
Im Gepäck hatten wir viele Erinnerungen: an Florenz und seine beeindruckenden Kunstschätze, an die stillen Stunden des Gebets, an die Begegnungen mit den Serviten, an den Monte Senario und seine jahrhundertealte Geschichte und natürlich an den besonderen Moment am Grab des heiligen Philipp Benizi in Todi.
Vor allem aber nehmen wir die Erkenntnis mit, dass eine Wallfahrt nicht nur darin besteht, bestimmte Orte zu besuchen. Sie gibt Gelegenheit innezuhalten, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Für uns als österreichische Peacekeeper hat die Reise eine besondere Bedeutung bekommen. Philipp Benizi lebte in einer anderen Zeit und unter völlig anderen Umständen. Dennoch verbindet uns mit ihm das Bemühen um Frieden und Versöhnung. Sein Beispiel erinnert uns daran, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, sondern Menschen braucht, die bereit sind, Brücken zu bauen und aufeinander zuzugehen.

So war diese Wallfahrt für uns zugleich Reise, Begegnung, Gebet und gemeinsames Erlebnis. Wir sind dankbar für die vielen Eindrücke und Begegnungen und hoffen, dass uns der heilige Philipp Benizi auf unserem weiteren Weg als österreichische Peacekeeper begleiten und Fürsprache für alle jene halten wird, die sich für Frieden und Menschenrechte einsetzen.