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Unmittelbar vor der ersten Sitzung des Nationalrates in der kommenden Woche werden die neugewählten Parlamentarier einen ökumenischen Gottesdienst in Wien feiern. Die Mandatare setzen damit eine Gepflogenheit fort, die vor fünf Jahren in der vorletzten Gesetzgebungsperiode begonnen hat. Zu der liturgischen Feier am 23. Oktober um 9 Uhr in der Wiener Hofburgkapelle sind die Abgeordneten aller Fraktionen eingeladen. Geleitet wird der Gottesdienst vom evangelischen Bischof Michael Chalupka, dem katholischen Militärbischof Werner Freistetter und vom orthodoxen Pater Athanasius Buk.

Zum Gottesdienst sind auch die Mitarbeiter und Familienangehörigen der Parlamentarier eingeladen. Die Predigt hält Bischof Chalupka, der am vergangenen Sonntag feierlich in sein Amt eingeführt wurde. Im Anschluss findet um 12.30 Uhr die konstituierende Sitzung des Nationalrates im Parlaments-Ausweichquartier in der Hofburg statt.

Wie in den Vorjahren geht die Initiative zum ökumenischen Gottesdienst mit den Parlamentariern vom Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, aus. Er ist auch diesmal für die Einladung und Vorbereitung zuständig.
 
 
Die katholische Kirche ruft die österreichische Bundesregierung dazu auf, sich als Mitglied des UN-Menschenrechtsrats aktiv für ein globales Abkommen zur Menschenrechtsverantwortung von Unternehmen einzusetzen. Die Erarbeitung eines entsprechenden rechtsverbindlichen Dokuments ist ab Montag Thema einer vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzten Arbeitsgruppe in Genf. Die geltenden Rechtsinstitutionen würden den Herausforderungen nicht gerecht, mahnt Bischof Werner Freistetter, in der Österreichischen Bischofskonferenz zuständiger Referatsbischof für Weltkirche. Denn "passiert ein Unglück irgendwo auf der Welt, dass Menschen in sogenannten Entwicklungsländern ihrer Lebensgrundlage beraubt, dann schieben transnationale Konzerne die Verantwortung schnell auf das lokale Tochterunternehmen ab."

Laut dem vorliegenden Entwurf für das UN-Abkommen müssten Staaten die Unternehmen gesetzlich zur Achtung von Menschenrechten im In- und Ausland verpflichten sowie Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen den Zugang zu Gerichten erleichtern. Der Zugang zu rechtlichen Möglichkeiten sei dringend notwendig, damit sich betroffene Menschen wehren können, "um nicht unter die Räder der globalisierten Wirtschaft zu kommen", betont Bischof Freistetter, der auch auch Vorsitzender der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) ist, am Montag in einer Aussendung.

Die Hilfswerke der katholischen Kirche setzten sich seit vielen Jahren für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen ein und erlebten die negativen Auswirkungen der globalen Wirtschaftszusammenhänge, so die kirchlichen Vertreter. "Gewinne werden privatisiert, außer Landes gebracht, und die Schäden der Allgemeinheit hinterlassen", erklärt etwa Jakob Maierhofer-Wieser, Geschäftsführer der Dreikönigsaktion, dem Hilfswerk der Katholischen Jungschar. Betroffenen würden rechtlos zurückbleiben und Konzerne ihre eigenen Schiedsgerichtssysteme ausbauen. Maierhofer-Wieser fordert die Verhandler auf, auch die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche im Blick zu behalten: "Kinder- und Menschenrechte sind kein Wunschkonzert."

Der geforderte internationale Vertrag werde von vielen Akteuren der Weltkirche unterstützt, betonen KOO und DKA, und verweisen auf die aktuell in Rom tagende Amazonien-Synode, die auch die negativen Auswirkungen wirtschaftlichen Handelns auf Menschen und Natur anprangert. "Die Kirche ist teilweise die letzte Anwältin der Betroffenen. Daher müssen wir uns weiter dafür einsetzen, bis die internationale Gemeinschaft entscheidende Maßnahmen ergreift, die Menschenrechte gegenüber den Konzernrechten aufzuwerten", hält KOO-Geschäftsführerin Anja Appel fest.

Menschenrechte in Zeiten der Globalisierung

Österreich war im Herbst 2018 von über 171 der 193 UN-Mitglieder für die Periode 2019 bis 2021 in den 47 Mitgliedsstaaten umfassenden Menschenrechtsrat gewählt worden. Bei der aktuell stattfindenden Sitzung in Genf werden die Delegierten der Staaten, sowie Vertreter von allen Kontinenten diskutieren, wie die Menschenrechte in Zeiten der Globalisierung effektiver durchgesetzt werden können. Auch der Vatikan war von Beginn an wesentlicher Akteur der Debatte.

Der UN-Menschenrechtsrat soll über die Einhaltung der Menschenrechte weltweit wachen, wozu alle UN-Mitglieder regelmäßig zur Lage in ihren Ländern Rede und Antwort stehen müssen. Der Rat beauftragt u.a. unabhängige Experten zur Untersuchung von angezeigten Menschenrechtsverstößen, die dann dazu Berichte veröffentlichen.

Neben Österreich wurden bei der Neubesetzung von 18 der 47 Sitze auch mehrere für ihre Menschenrechtslage umstrittene Staaten gewählt, darunter die Philippinen, Kamerun, Bahrain, Eritrea, Somalia und Bangladesch.
 
 
 
 


Von Freitagabend bis Sonntag findet in Wiener Neustadt die diesjährige Jahrestagung der Ständigen Diakone statt. Das Motto ist dieses Jahr der Leitsatz "Der Diakon in der veränderten gesellschaftlichen Landschaft". Erwartet werden u.a. Militärbischof Werner Freistetter und Weihbischof Anton Leichtfried, der in der österreichischen Bischofskonferenz für die Diakone zuständig ist. Gastgeber der Tagung in der Militärakademie ist die Militärdiözese.

Eröffnet wird die Tagung mit einem Impuls-Referat von Militärbischof Freistetter zum Thema "Frieden" in der St. Georgs-Kathedrale. Im Rahmen der Tagung wollen die Ständigen Diakone ein Manifest unterzeichnen, in dem sie wichtige Punkte für die Weiterentwicklung des Diakonats festhalten und dieses an die Bischofskonferenz bzw. auch an Papst Franziskus weiterleiten wollen. Höhepunkt der Jubiläumstagung sind am Sonntag der Festakt "50 Jahre Diakonat" und ein Festgottesdienst in der St. Georgskathedrale, dem die Bischöfe Freistetter und Leichtfried vorstehen werden.

Tätig sind die Diakone in der Liturgie, der Verkündigung und im karitativen Bereich. Die meisten wirken ehrenamtlich in Pfarrgemeinden, etliche haben aber auch Aufgabenbereiche in der Krankenseelsorge, in der Altenpastoral, der Gefängnisseelsorge oder in Bildungshäusern übernommen.

Rund 85 Prozent der Ständigen Diakone in Österreich sind verheiratet, die anderen leben entweder zölibatär, sind verwitwet oder einige wenige auch geschieden oder leben von ihren Ehepartnerinnen getrennt.

Der überwiegende Großteil der Diakone übt den Dienst in der Kirche ehrenamtlich aus. Rund 40 Prozent gehen einem Zivilberuf nach, 42 Prozent sind bereits in Pension, 18 Prozent stehen in einem kirchlichen Dienstverhältnis, sind in der Regel aber auch über dieses hinaus noch weiter kirchlich tätig. Im Schnitt leistet ein Diakon 17,5 Stunden pro Woche ehrenamtlichen Dienst in der Kirche.

Für den Dienst als Ständiger Diakon kommt nur in Frage, wer sich bereits in Ehe und Familie, in Kirche und Berufswelt bewährt hat. Die umfassende Ausbildung zum Diakon dauert rund sechs Jahre und beinhaltet neben einer fundierten theologischen und pastoralen Ausbildung u.a. auch zahlreiche Praktika in sozialen kirchlichen Einrichtungen. Bei verheirateten Männern, die bei der Weihe mindestens 35 Jahre alt sein müssen, muss auch die Ehefrau ihr Einverständnis zur Ausbildung und Weihe geben.

"Es braucht eine innere Berufung und die Männer müssen bereit sein, diese Berufung auch auf den Prüfstand stellen zu lassen", so Andreas Frank, Leiter des Instituts für den Ständigen Diakonat in der Erzdiözese Wien, in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag": "Ganz wichtig ist schon ein bewährtes Stehen im Leben, sei es nicht nur in der Ehe oder als Unverheirateter, sondern auch im Beruf." Nicht zu vergessen: "eine große Bereitschaft sich einzulassen auf Ausbildung, spirituelle Entwicklung und den Dienst am Nächsten".

In Österreich gibt es derzeit laut einer aktuellen Statistik 746 Ständige Diakone, Tendenz steigend. Die meisten davon (216) wirken in der Erzdiözese Wien. 134 Männer sind derzeit in Ausbildung. Das Diakonat war vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) als eigene und beständige hierarchische Stufe - wie es schon in der frühen Kirche üblich war - wiederhergestellt worden. Seit 1968 können auch verheiratete Männer in der katholischen Kirche zu "Ständigen Diakonen" geweiht werden, in Österreich wurde der erste 1969 geweiht. Die Ständigen Diakone in Österreich feiern deshalb heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum. Weltweit gibt es heute mehr als 48.000 geweihte Diakone, und ihre Zahl wächst beständig an.

(Infos: www.diakon.at)

Auch am dritten Tag nach dem tödlichen Anschlag auf die Synagoge in Halle ist die Betroffenheit - auch in Österreich - groß. "Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft niemals einen Platz haben und wir müssen uns diesem in aller Entschiedenheit entgegenstellen", so Militärbischof Werner Freistetter gegenüber "Kathpress". Entsprechende ähnliche Stellungnahmen kamen etwa auch von der Kommission Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz und dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat unterdessen am Freitag dem jüdischen Stadttempel in Wien einen Besuch abgestattet.

Der Angriff von Halle "trifft uns auch als Gesellschaft in Österreich zutiefst, ist doch die entschiedene Ablehnung des Antisemitismus einer der Grundpfeiler der Zweiten Republik", hielt Bischof Freistetter fest. Von Seiten der Kirche wolle er "allen jüdischen Brüdern und Schwestern unser Mitgefühl und unsere Solidarität in dieser Zeit der Trauer ausdrücken".

Der Bischof sprach von der "Pflicht, dafür zu sorgen, dass jüdisches Leben in unserer Gesellschaft selbstverständlich ist und sich Jüdinnen und Juden in unserer Mitte sicher fühlen können". Dafür müsse auch in Österreich alles Mögliche unternommen werden.

"Geistige und moralische Umweltverschmutzung"

Die Kommission Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz hat in einem Schreiben an die Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich ihre Betroffenheit und Empörung ausgedrückt. Die nunmehr in Halle zutage getretene Aggression gegen eine betende jüdische Gemeinde wie auch gegen andere Opfer zeige in aller Deutlichkeit die moralische Perversion, in die antisemitische und xenophobe Ideologien führen.

Da vor allem althergebrachte wie auch neu erfundene populistische Sündenbocktheorien den Nährboden für solche Verbrechen bilden, "wollen wir uns öffentlich gegen diese geistige und moralische Umweltverschmutzung, die auch in Österreich bisweilen leider spürbar ist und von manchen politischen Gruppen geschürt wird, zur Wehr setzen". Zugleich gelte es, sich mit allen Menschen guten Willens für Verständigung, Humanität und Solidarität einzusetzen, heißt es in dem Schreiben.

Polizeischutz nicht als Normalität hinnehmen

Der Vorstand des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit bekundete ebenfalls sein Entsetzen über das Attentat auf die jüdische Gemeinde von Halle, der er sich zutiefst verbunden weiß. Prof. Martin Jäggle, der Vorsitzende des Koordinierungsausschusses, hielt fest: "Wir trauern um die Opfer und sind voll Mitgefühl für deren Angehörige und für die Verletzten. Wir sind empört, dass eine so bösartige Tat geschehen kann, die den Versuch darstellt, eine fastende und betende jüdische Gemeinde an ihrem heiligsten Tag auszulöschen". Der Angriff zeige in erschreckender Weise, wohin Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Judenfeindschaft führen können.

Dass in Europa - und auch in Österreich - jüdische Gemeinden nur unter Polizeischutz beten und feiern können, sei unerträglich und dürfe nicht einfach als Normalität hingenommen werden, betonte der katholische Theologe. Die Sicherheitsvorkehrungen seien leider unerlässlich, aber letztlich zähle der entschlossene Einsatz gegen Antisemitismus und Judenfeindschaft, "damit jüdische Gemeinden sicher und ohne Angst in unserem gemeinsamen Land gut leben können, in einer Gesellschaft, in der man ohne Angst verschieden sein kann".

"Antisemitismus ist einfach blöd"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat nach dem tödlichen Angriff auf die Synagoge in der deutschen Stadt Halle dem jüdischen Stadttempel in Wien einen Besuch abgestattet. Er wurde am Freitag vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Oskar Deutsch, begrüßt und legte in der Gebetsstätte ein Gesteck mit weißen Rosen nieder.

"Antisemitismus ist einfach blöd", meinte Van der Bellen im Anschluss an den Besuch laut APA vor Journalisten. Er führe zu Anschlägen wie jenen in Halle. Der Bundespräsident wies darauf hin, dass "in einzelnen Ländern der Rechtsextremismus zugenommen" habe. Zur Situation in Österreich sagte er: "Es wird wohl einen harten Kern von Antisemiten geben." Auf jeden Fall sei jeder einzelne im Kampf gegen den Judenhass gefordert.

IKG-Präsident Deutsch zählte konkret drei Gruppen auf, die "Antisemitismus zu uns hereintragen": nämlich rechte, linke und islamistische Antisemiten. "Wenn man das addiert, ist der Antisemitismus gestiegen." Diese Situation bestehe allerdings nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa und Amerika. Deutsch fordert eine bessere Bildung, um dem Hass und den Vorurteilen gegenüber Juden zu begegnen. So müsse jeder einzelne Schüler in seiner Schulzeit ein Konzentrationslager wie Mauthausen besucht haben. Er forderte zudem erneut eine ähnliche "Shoaerziehung" für Flüchtlinge, die nach Österreich kommen. Diese müsse man etwa durch Vorträge aufklären. Deutsch hielt fest: "Niemand wird als Antisemit geboren."

Die österreichischen Juden fühlen sich grundsätzlich auch nach den Schüssen von Halle sicher. "Wir sind in Österreich sicher", sagte Deutsch unter Verweis auf die gute Kooperation mit den Sicherheitsbehörden und auch die hohen eigenen Ausgaben für Sicherheit. Verfassungsschutz, Polizei und auch die eigenen Sicherheitsdienste der IKG "sichern unsere Objekte schon die ganze Zeit ab". So gebe die Kultusgemeinde drei Millionen Euro oder 23 Prozent ihres gesamten Budgets für Sicherheitsmaßnahmen aus. "Wir investieren sehr, sehr viel in Sicherheit." Dies sei auch notwendig, weil die Eltern ihre Kinder sonst nicht in jüdische Schulen geben oder auch Synagogen nicht besucht würden. Nachsatz: "Das ist die traurige Realität."

Nach den Auswirkungen, die eine veränderte Gesellschaft für Diakone mit sich bringt, fragt die 40. Tagung der ständigen Diakone, die heuer von 11. bis 13. Oktober in der Militärakademie in Wiener Neustadt stattfindet. Motto ist dieses Jahr der Leitsatz "Der Diakon in der veränderten gesellschaftlichen Landschaft". Erwartet werden u.a. Referatsbischof Anton Leichtfried, Militärbischof Werner Freistetter und Militärdekan Alexander Wessely, kündigte die katholische Militärdiözese am Dienstag in einer Aussendung an.

Eröffnet wird die Tagung am 11. Oktober um 18 Uhr mit einem Impuls-Referat des Militärbischofs zum Thema "Frieden" in der Georgs-Kathedrale. Tags darauf spricht Brigadier Walter Feichtinger zum Thema "Putin, Trump und wir - eine geopolitische Bestandsaufnahme". Generalmajor Rudolf Striedinger geht im Anschluss in einem Referat der Entwicklung der Gesellschaft in Österreich nach. Der Samstag schließt mit einer Vesper und einem bischöflichen Empfang in der Militärakademie.

Der 13. Oktober steht ganz im Mittelpunkt der Feierlichkeiten anlässlich "50 Jahre Diakonat". Die Festlichkeiten beginnen um 9 Uhr mit einem Festakt in der Georgs-Kathedrale, in dessen Rahmen Bischof Leichtfried einen geistlichen Impuls liefern wird. Dem anschließenden Festgottesdienst wird er gemeinsam mit Militärbischof Freistetter vorstehen.

Der Missionsauftrag gehört zum Wesen des christlichen Glaubens und führt ins Herz des Evangeliums, weil es darum geht, Tod und Auferstehung des Herrn zu bezeugen und zu verkünden. Das unterstrich der für Mission und Entwicklungszusammenarbeit innerhalb der Bischofskonferenz zuständige Bischof Werner Freistetter am Freitag in Wien bei der Eröffnung des Kongresses "AUSTRIA.ON.MISSION". Anlass für die durch die Päpstlichen Missionswerke in Österreich veranstaltete Tagung ist der von Papst Franziskus für den Oktober weltweit ausgerufene "Außerordentliche Monat der Weltmission".

Es brauche für Mission "einen neuen Impuls, wie man aus den Quellen des Glaubens schöpft und den Menschen heute das Evangelium verkündet", führte Freistetter weiter aus. Der Bischof erteilte jeglicher resignativ-kritischen Haltung gegenüber einem säkularen Umfeld eine Absage: "Die heutige Welt bietet genug Anknüpfungspunkte für das Evangelium. Es geht darum, dass die Menschen das Evangelium neu hören", so der Militärbischof.

Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro Lopez Quintana, verwies in seinem von Nuntiaturrat George George Panamthundil verlesenen Grußwort auf den Hintergrund des weltweiten Monat der Weltmission. Papst Franziskus wolle damit hundert Jahre nach der bahnbrechenden Missionsenzyklika "Maximum illud" ein neues Bewusstsein für die "Mission ad gentes" stärken. Jeder Christ solle Missionar sein und die Frohbotschaft Christi in seinem Umfeld weitergeben.

Gebet und Spende

Zentral dabei seien "Gebet und Spenden", so Erzbischof Lopez unter Verweis auf zwei Wesenszüge der Arbeit der Päpstlichen Missionswerke (Missio). Er empfehle daher, jeden Tag den Rosenkranz für eine fruchtbare Mission zu beten und großzügig zu helfen. Dabei brauche es eine rechte Gesinnung, die der Nuntius so beschrieb: "Umsonst haben wir die Gabe des Glaubens von Gott erhalten und umsonst soll er weitergegeben werden."

Dass Mission eine Sache des ganzen Volkes Gottes sei, betonte der österreichische Missio-Nationaldirektor, Pater Karl Wallner, und skizzierte die globalen Rahmenbedingungen dafür: So seien derzeit 31 Prozent der Weltbevölkerung Christen, 30 Prozent seien Nichtchristen ohne Kontakt zu Christen und 39 Prozent Nichtchristen mit Kontakt zu Christen. Nach Jahrhunderten, in denen die Mehrheit der Christen im globalen Norden gelebt haben, habe sich das seit 1981 geändert. Immer mehr Christen leben seither im Süden, "Tendenz stark steigend vor allem in Afrika".

Derzeit würden rund 414.000 katholische Priester weltweit wirken. Daneben gibt es rund 344.000 Laienmissionare, wobei auch hier die Zahl stark steigend sei. Die kirchliche Mission sei aber immer auch mit konkreter Hilfe für Menschen und der Verbesserung der Lebenssituation vor Ort verbunden, führte der Missio-Direktor aus. So sei die katholische Kirche weltweit der größte nichtstaatliche Träger von Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen.

Unter den zahlreichen Kongressteilnehmern waren neben Bischof Freistetter, Weihbischof Franz Scharl und Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka auch der frühere Missio-Direktor und emeritierte Linzer Bischof Ludwig Schwarz. Die Weltkirche war u.a. vertreten durch Bischof Salvadore Lobo (Diözese Baruipur) und seinen Koadjutor Shyamal Bose sowie durch den pakistanischen Bischof Samson Shukardin (Diözese Hyderabad).

Missio-Ehrengast im Oktober ist der Salesianerpater Tom Uzhunnalil. Er wurde 2016 von IS-Einheiten im Jemen gefangen genommen und sprach beim Kongress unter dem Titel "Die christliche Mission ist Friede und Liebe" über die 18 Monate in den Händen der Geiselnehmer

Der von Papst Franziskus am 1. Oktober feierlich eröffnete "Außerordentliche Monat der Weltmission" führt weltweit und auch in Österreich zu einer Reihe themenbezogener Veranstaltungen. Unter dem Motto "Austria.On.Mission" veranstaltet Missio Österreich am 4. Oktober im "Studio44" (Rennweg 44, 1030 Wien) eine Opening-Tagung mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten: Nach Grußworten des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Pedro López Quintana, und von Werner Freistetter, dem Referatsbischof für Mission in der Bischofskonferenz, kommen der u.a. Kardinal Charles Maung Bo aus Myanmar, der 2016 im Jemen vom IS entführte Salesianer Tom Uzhunnalil und Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner zu Wort.

Einen kurzen statistischen Überblick zur Lage der Weltmission und der Weltkirche gibt zunächst P. Wallner, Fakten und Zahlen zur bunten Entwicklung der Weltkirche präsentiert anschließend Missio-Videojournalist Martin Haslacher. "Unser Ziel ist es, das weltmissionarische Tun, das von Österreich ausgeht, ebenso wie die Situation der österreichischen Missionarinnen und Missionare bekannt zu machen", teilte Missio zur Veranstaltung mit. Darüber hinaus solle auf das Gute und Zukunftsfähige hingewiesen werden, "das im Rahmen unserer Arbeit in aller Welt geschieht", und die Buntheit und Vielfalt der Weltkirche aufgezeigt werden. "Frieden und Liebe" als Herzstücke der christlichen Mission stellt der indische Ordensmann Tom Uzhunnalil in den Mittelpunkt seines abschließenden Hauptreferates. (Detailprogramm und viele weitere Veranstaltungen: www.missio.at).

Missio ist auch Veranstalter der Reihe "Mission Cinema", die veranschaulicht: "Gott ist auch im Kino". Gezeigt werden dazu christliche Filme im Wiener Urania-Kino, beginnend am 2. Oktober mit dem Meisterwerk "Von Menschen und Göttern" (Fr., 2010) über die Entführung der Trappistenmönche von Tibhirine im algerischen Atlas-Gebirge. Als Spezialgast wird erneut Tom Uzhunnalil dabei sein, der selbst 18 Monate in Gefangenschaft von Islamisten war. Im Abstand von rund einem Monat werden in weiterer Folge Streifen wie "Otto Neururer" (13. November), der laut Missio "meistübersetzte Film aller Zeiten" - "Jesus" (Elijah21) am 11. Dezember, der Komödienklassiker "Don Camillo und Peppone" am 12. Februar 2020 oder Mel Gibsons bluttriefendes Drama "Die Passion Christi" am 1. April 2020 gezeigt. Der Reinerlös aus dem Verkauf der Kino-Tickets fließt in Hilfsprojekte von Missio Österreich.

Der Eisenstädter Bischof Ägidius J. Zsifkovics findet sich am 4. Oktober, dem Festtag des Heiligen Franz von Assisi, zu einem Missionsfest am Badesee Königsdorf ein. Unter dem Titel "Begegnung am See - 'die missio-nar(rische) Dimension der Begegnung'" sind Programmpunkte für Kinder, Firmlinge, Frauen und Männer geplant, den Abschluss bildet eine "missio-nar(r)ische Andacht".

Den steirischen Auftaktgottesdienst zum Außerordentlichen Monat der Weltmission feiert der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche Graz. An die Messfeier schließt ein Vortrag des Missionstheologen P. Franz Helm SVD an, er spricht zum Thema "Gesandte an Christi statt".

Tagung "Wie geht Mission heute?"

"Wie geht Mission heute?": Diese für die zeitgemäße Weitergabe des Glaubens entscheidende Frage steht am 18. und 19. Oktober im Mittelpunkt einer Tagung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz. Nach einer Einführung von Rektor Wolfgang Buchmüller zeigt der Trumauer Historiker Martin Mayerhofer "Best Practice"-Modelle aus der Kirchengeschichte auf. Bernhard Meuser von der "YOUCAT-Foundation" gibt danach Impulse, wie Eltern zu Missionaren werden können; P. Simon De Keukelare, Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde Wien, zeigt auf, wie Mission im nicht einfachen Betätigungsfeld der Universitäten gelingen kann.

Weitere Aspekte im Lauf der zweitägigen Veranstaltung: "Wie erreiche ich die Herzen der Migranten?", "Mission auf der Straße", "Twittern mit Gott" u.v.a. Der Tagungsbeitrag beträgt 50 Euro, für Schüler und Studenten, die nicht an die Hochschule Heiligenkreuz besuchen, 25 Euro. (Info: www.hochschule-heiligenkreuz.at)

Am 20. Oktober finden österreichweit Festgottesdienste anlässlich des Weltmissionssonntags statt, darunter die Feier um 10.15 Uhr mit Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom und 10 Uhr mit Weihbischof Hansjörg Hofer im Salzburger Dom.

"Choose Your Mission": Um diese Aufforderung rankt sich eine Podiumsdiskussion am 21. Oktober um 19 Uhr mit Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Missionsorden in Österreich, die zugleich die Startveranstaltung der gleichnamigen Jugendmissionswoche im Don-Bosco-Haus ist.

Am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober, leitet Bischof Manfred Scheuer um 14 Uhr eine Dankandacht für das missionarische Engagement in einer Diözese Linz und darüber hinaus.

Bilanz über die Amazonien-Synode

"Neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie" sucht ab 6. Oktober die ebenfalls im "Monat der Weltmission" stattfindende Amazonien-Sondersynode im Vatikan. In Salzburg werden unmittelbar nach Abschluss der mit Spannung erwarteten dreiwöchigen Beratungen die beiden Synoden-Teilnehmer Erzbischof Roque Paloschi und der Befreiungstheologe Paulo Suess bei einer Tagung am 30. und 31. Oktober im Bildungshaus St. Virgil von ihren Erfahrungen in Rom berichten. Organisiert wird die nachsynodale Tagung von der Koordinierungsstelle für internationale Entwicklung und Mission (KOO) der Österreichischen Bischofskonferenz, eröffnet wird sie am Nachmittag des 30. Oktober vom Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Nach einer inhaltlichen Einleitung durch "Weltkirche-Bischof" Werner Freistetter können sich die Tagungsteilnehmer mit Paloschi und Suess austauschen.

Tags darauf, am 31. Oktober, stehen Referate und Workshops zum intensiven Austausch über die Inhalte und Ergebnisse der Synode auf dem Programm. Dabei soll es laut KOO u.a. um die pastorale bzw. politische Dimension der Synode gehen. Auch Themen wie ökologische Bildungsarbeit oder etwaige weltkirchliche oder finanzethische Auswirkungen der Beratungen werden in den Blick genommen. (Anmeldung unter www.koo.at; Teilnahmebetrag 50 Euro, ermäßigt 25 Euro)

Bischof Werner Freistetter will in seinem neuen Amt als Interimsleiter der Kärntner Diözese Gurk-Klagenfurt ein offenes Ohr für die Nöte der Menschen haben und im Sinne eines Brückenbauers in einer "sehr schwierigen" Situation zu Versöhnung und Beruhigung beitragen. Das sagte der neue Apostolische Administrator der Diözese Gurk am Dienstag bei einem Pressetermin im Bischofshaus in Klagenfurt. Zugleich betonte Freistetter, dass es "sicher nicht" darum gehe, in der Diözese Geschehenes zuzudecken. Er hoffe auf das Vertrauen der Kärntner Katholikinnen und Katholiken in der kommenden Übergangszeit bis zur Berufung eines neuen Bischofs.

"Aufgerissene Gräben" müssten in einer "positiven, nichts zudeckenden" Weise "überbrückt werden - auch wenn es nur gelingt, eine Behelfsbrücke zu bauen", zog der auch als Militärbischof amtierende Freistetter einen bildhaften Vergleich. Vom Nuntius habe er die Zusage, "dass die Ernennung eines neuen Bischofs zügig erfolgen soll".

Der neue Administrator berichtete, dass er seit seiner Ankunft in Klagenfurt am Montag u.a. mit dem früheren Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger, den Mitgliedern des Domkapitels und leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Diözese "sehr offene Gespräche" geführt habe. Ihm sei dabei "deutlich bewusst geworden, wie viele Irritationen und auch Verletzungen Menschen hier erfahren mussten", sagte Freistetter. Umso mehr sehe er es als Verpflichtung an, "diese Menschen ernst zu nehmen, was aufklärungsbedürftig ist, mit aller gebotenen Sorgfalt aufzuklären und so in einer offenen und ehrlichen Auseinandersetzung Wege zu Versöhnung und Heilung zu finden."

Freistetter unterstrich, er sei mit Blick auf die Konflikte rund um die Diözese Gurk und ihren früheren Bischof Alois Schwarz weder ein zweiter Apostolischer Visitator, noch ein Untersuchungsrichter oder gar ein "Inquisitor". "Ich bin mit einer Brückenfunktion gekommen", betonte der Apostolische Administrator. Er wolle versuchen, als Administrator "behutsam und bedacht in Worten und Taten" zu agieren und dem künftigen Gurker Bischof einen guten Boden zu bereiten. Wie bei schwierigen Situationen im persönlichen Bereich sei es manchmal auch im Leben von Gemeinschaften "möglicherweise ganz gut, jemanden von außen kommen zu lassen, der vielleicht mit einer eher unbelasteteren Weise versuchen kann, Konstellationen neu zu formen", meinte Freistetter.

Papst will Aufklärung

Der Bischof stellte aber auch fest, dass er nichts davon halte, "Menschen zu beruhigen, in dem man Dinge zudeckt". Dies sei seiner Ansicht auch nicht die Intention von Papst Franziskus bei seiner Bestellung zum Apostolischen Administrator gewesen: "Ich bin nicht gekommen um Dinge zuzudecken oder endgültige Urteile abzugeben. Ich schätze das Bemühen, das da war, um Vorgänge und Situationen in den Griff zu bekommen und sich damit auseinanderzusetzen", spielte Freistetter auf die Amtszeit des von ihm abgelösten Diözesanadministrators Guggenberger an.

Er verstehe auch sehr gut, "dass alle hier ungeduldig auf das Wort aus Rom warten und ich hoffe, dass das bald erfolgt". Als Administrator sei aber nicht dazu da, "um Entscheidungen vorzugreifen, die mir nicht zustehen". Der Papst sei um Aufklärung bemüht, zeigte sich Freistetter überzeugt: "Es ist nicht so, dass Rom das verschleppen will." Er verstehe die Enttäuschung und Verbitterung darüber, dass es so lange dauere, meinte der Bischof mit Blick auf den gesamten Vorgang der kirchlichen Untersuchungen u.a mit der in den ersten Monaten des Jahres durchgeführten Apostolischen Visitation. Rom müsse aber "auch sorgfältig prüfen". Keine weiteren Informationen habe er über den Stand der laufenden staatlichen Verfahren gegen Bischof Schwarz, teilte Freistetter auf Nachfrage außerdem mit.

Bilanzen werden präsentiert

Kommenden Montag wird die Kärntner Kirche die Rechnungsabschlüsse 2018 von Diözese Gurk, Bistum und Domkapitel bei einem Pressetermin öffentlich vorstellen. Dieser Termin finde statt, bestätigte Administrator Freistetter: "Auch im Militärordinariat fahren wir den Kurs finanzieller Transparenz."

Militärbischof Freistetter war am vergangenen Freitag vom Papst zum neuen Apostolische Administrator in Gurk ernannt worden und löste damit Dompropst Guggenberger ab, der nach dem Wechsel von Bischof Schwarz nach St. Pölten in den vergangenen zwölf Monaten als Diözesanadministrator die Diözese geleitet hatte.

Guggenberger soll beraten

Man kenne einander gut, verwies Freistetter bei der Pressekonferenz am Dienstag auf die gemeinsame Studienzeit mit Guggenberger in Rom. Er habe den früheren Diözesanadministrator gebeten, ihm in der kommenden Zeit beratend zur Seite zu stehen. Konkret gefragt nach kirchenrechtlichen Stellung Guggenbergers hielt Freistetter fest: "Dompropst."

Noch am Dienstagnachmittag wollte Freistetter in der Diözese weitere Gespräche mit Mitarbeitern führen. Als amtierender Militärbischof müsse er parallel in den kommenden Monaten auch für die Leitung der Militärdiözese sorgen, wies Freistetter hin. Er werde aber schon kommende Woche wieder nach Klagenfurt kommen und danach in seiner Tätigkeit zwischen den beiden Diözesen pendeln. Allerdings werde er sich nach de Klärungen zu den Details seiner Vertretung durch den Generalvikar in der Militärdiözese auf Kärnten konzentrieren und so etwa auch den gesamten August in der Diözese Gurk verbringen.

Für Wirbel sorgten zuletzt auch Äußerungen von Nuntius Erzbischof Pedro Lopez in einem Zeitungsinterview, wonach die Diözese St. Pölten "bedeutender" als jene in Gurk sei. Darauf angesprochen verwies Bischof Freistetter darauf, dass es in Kärnten die zweitälteste Diözese Österreichs gibt, mit "reicher Geschichte, Kultur und religiösen Traditionen". Ihn selbst hätten "Land und die Kirche" in Kärnten "immer fasziniert", sagte Freistetter: "über die Ideen des Nuntius müssen sie ihn selber fragen."

Auch zur slowenischsprachigen Minderheit und das Mitwirken der Kirche am Miteinander von Deutsch- und Slowenischsprachigen in Kärnten wurde Freistetter befragt. "Ich verstehe die Präsenz der slowenischen Volksgruppe hier in Kärnten als Bereicherung und Reichtum", sagte der Bischof. Angesichts der herrschenden Vielsprachigkeit sprach er von einem "Modell katholischer Kirche im Kleinen". Diese sei eine Weltkirche mit unterschiedlichen Mentalitäten, Sprachen und Kulturen.

via: Kathpress

Militärbischof Werner Freistetter, der neue Apostolische Administrator für die Diözese Gurk, hat Freitagmittag in einer ersten Stellungnahme gegenüber "Kathpress" von einer Aufgabe gesprochen, die "große Sensibilität" erfordert. Die Aufgabe eines Apostolischen Administrators sei es, die Amtsgeschäfte so lange fortzuführen, bis ein neuer Bischof durch den Papst ernannt worden ist. Er danke dem Heiligen Vater für das in ihn gesetzte Vertrauen und werde seiner neuen Aufgabe "mit aller gebotenen Sorgfalt nachkommen".

Die Bestellung zum Apostolischen Administrator durch den Papst sei für ihn überraschend gekommen, hielt Freistetter weiter fest. Er müsse sich daher erst einmal ein eigenes Bild von der Diözese Gurk machen und werde zuallererst einmal viele Gespräche führen.

Die Stellungnahme des Bischofs im Wortlaut: "Ich bin heute von Papst Franziskus zum Apostolischen Administrator der Diözese Gurk ernannt worden. Ich werde gemäß den kirchlichen Vorgaben ab heute mit den laufenden Amtsgeschäften interimistisch betraut sein. Ich werde diese ausüben bis zur Ernennung eines neuen Bischofs für die Diözese. Ich werde auch in dieser Zeit meiner Tätigkeit als Militärbischof für die Republik Österreich weiterhin nachkommen.

Für mich selbst ist diese Nachricht überraschend gekommen. Ich muss mir daher zunächst ein eigenes Bild von der Situation in der Diözese machen. Meine ersten Handlungen werden deshalb darin bestehen, Gespräche zu führen und die Menschen in der Diözese kennenzulernen.

Die Aufgabe eines Apostolischen Administrators ist es, die Amtsgeschäfte so lange fortzuführen, bis ein neuer Bischof durch den Papst ernannt worden ist. Ich danke dem Heiligen Vater für das in mich gesetzte Vertrauen und werde dieser Aufgabe, die große Sensibilität erfordert, mit aller gebotenen Sorgfalt nachkommen."

Bischof Freistetter wird in der ersten Hälfte der kommenden Woche die Öffentlichkeit im Rahmen einer Pressekonferenz in Klagenfurt über seine Aufgabe als Apostolischer Administrator informieren. Zeit und Ort werden von der Diözese Gurk noch bekannt gegeben. Bis dahin sind demnach keine weiteren öffentlichen Stellungnahmen geplant.

 

via: Kathpress

Papst Franziskus hat Militärbischof Werner Freistetter zum Apostolischen Administrator der Diözese Gurk ernannt. Das hat der Vatikan Freitagmittag bekanntgegeben. Mit der Veröffentlichung der Ernennung im Bollettino wurde sie auch zugleich wirksam. Freistetter löst damit Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger an der Spitze der Diözese ab und wird diese leiten, bis ein neuer Bischof ernannt wird. Freistetter bleibt freilich zugleich weiterhin Militärbischof. Zur Diözese Gurk gehören (mit Stichtag 1. Jänner 2019) rund 363.500 Kärntner Katholikinnen und Katholiken. Es gibt in der Diözese 336 Pfarren.

Als Apostolischer Administrator "sede vacante et ad nutum Sanctae Sedis" fungiert Freistetter gleichsam als Stellvertreter des Papstes. Er führt die Amtsgeschäfte, bleibt dabei jedoch dem Papst direkt zu Rechenschaft verpflichtet. Das genaue Aufgabengebiet eines Apostolischen Administrators wird jeweils im Ernennungsdekret umschrieben. Das währende einer Sedisvakanz geltende kirchliche Neuerungsverbot ("nihil innovetur") gilt grundsätzlich auch für einen Apostolischen Administrator. Es verhindert Entscheidungen, die den in absehbarer Zeit bestellten Bischof binden würden.

Die nunmehrige Einsetzung eines Apostolischen Administrators erfolgt nachdem zuvor eine vom Papst angeordnete Visitation der Diözese Gurk stattgefunden hatte. So hatte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner mit einem Team von Jänner bis März 2019 die Diözese Gurk visitiert und im Auftrag des Papstes ein umfassendes Lagebild erhoben.

Der bisherige Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger wurde am 2. Juli 2018 in sein kirchliches Leitungsamt gewählt. Er übte dieses Amt knapp ein Jahr aus und hatte gemäß Kirchenrecht grundsätzlich dieselben Rechte und Pflichten wie ein Diözesanbischof, allerdings mit einigen Einschränkungen. So darf der Diözesanadministrator keine weitreichenden Entscheidungen treffen, die dem kommenden Bischof vorgreifen würden und nicht oder nur schwer rückgängig zu machen wären. Dauert die Sedisvakanz, also die Zeit ohne Bischof, länger als ein Jahr, so ändert sich die Rechtsstellung des Diözesanadministrators in einigen Belangen, und er erhält weitere Vollmachten, wie beispielsweise zur Ernennung von Pfarrern oder zur Besetzung diözesaner Ämter. Die Ernennung von Bischof Freistetter zum Apostolischen Administrators erfolgte nun wenige Tage, bevor Diözesanadministrator Guggenberger diese erweiterten Befugnisse erhalten hätte.

Bischof Freistetter wird in der ersten Hälfte der kommenden Woche die Öffentlichkeit im Rahmen einer Pressekonferenz in Klagenfurt über seine Aufgabe als Apostolischer Administrator informieren. Zeit und Ort werden von der Diözese Gurk noch bekannt gegeben.

Freistetter erfahrener Bischof und Seelsorger

Der aus Linz stammende Werner Freistetter (Jahrgang 1953) studierte in Wien und Rom Theologie und promovierte in Sozialethik. Die Priesterweihe spendete ihm Kardinal Franz König am 9. Oktober 1979 in Rom. In Wien war er als Seelsorger aktiv sowie am Institut für Ethik und Sozialwissenschaften der Universität Wien tätig. Später wirkte er am Päpstlichen Kulturrat in Rom, war Mitglied der Vertretung des Heiligen Stuhls bei der OSZE sowie auch geistlicher Assistent der Internationalen katholischen Soldatenorganisation AMI.

Als Militärseelsorger wirkte Freistetter u.a. auch bei Auslandseinsätzen auf den Golanhöhen oder in Bosnien und Herzegowina. 2006 wurde er vom damaligen Militärbischof Christian Werner zum Bischofsvikar für Wissenschaft, Forschung, theologische Grundsatzfragen und internationale Beziehungen ernannt. Von 1997 bis 2015 leitete Freistetter das Institut für Religion und Frieden. Seit 2015 bekleidet er das Amt des Militärbischofs.

Nicht zuletzt in dieser Funktion ist Freistetter auch mit Kärnten und der Diözese Gurk vertraut, schließlich erstreckt sich sein Aufgabengebiet als Militärbischof auch auf das südlichste österreichische Bundesland. Freistetter und Guggenberger kennen sich auch schon lange persönlich gut, seit sie gemeinsam in den späten 1970er-Jahren in Rom studierten.

Turbulentes Jahr in Diözese Gurk

Engelbert Guggenberger (Jahrgang 1953) war viele Jahre lang in der Diözese Gurk in führenden Positionen tätig. Er begeht dieser Tage auch sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Nach dem Wechsel von Bischof Alois Schwarz von Kärnten in die Diözese St. Pölten wurde der damalige Generalvikar Guggenberger am 2. Juli 2018 vom Gurker Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt.

Schon unmittelbar nach seiner Wahl zum Diözesanadministrator hatte Guggenberger eine umfassende Prüfung der wirtschaftlichen und personellen Situation im bischöflichen Mensalgut (Bistum Gurk) angekündigt. Erste Maßnahmen waren dann die Wiederinkraftsetzung des bis Anfang 2018 geltenden Statuts für das Mensalgut und die Kündigung der Leiterin des Bildungshauses St. Georgen am Längsee, was ein arbeitsgerichtliches Verfahren zur Folge hatte.

Dieses endete im November mit einem Vergleich, führte zugleich aber indirekt zu Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue von Bischof Schwarz. Nach einer Selbstanzeige des Bistums Gurk ermitteln die Behörden auch wegen möglicher Steuerhinterziehung im Zuge bereits in der Vergangenheit getätigter Immobilienverkäufe.

Neben den staatlichen Behörden war auch die vatikanische Bischofskongregation mit den Vorfällen befasst. Diese untersagte in Folge der Kärntner Diözesanleitung Anfang Dezember die Abhaltung einer Pressekonferenz, bei der ein Prüfbericht über das bischöfliche Mensalgut präsentiert werden sollte.

Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger gab in Folge weitreichende personelle und strukturelle Maßnahmen für das bischöfliche Mensalgut bekannt, die für die Dauer der Sedisvakanz gelten sollten. Und bei einem kurzfristig einberufenen Pressetermin stellt das Gurker Domkapitel den Abschlussbericht zur wirtschaftlichen Prüfung des Bischöflichen Mensalguts vor. Dabei wurden schwere Vorwürfe gegen den früheren Bischof Alois Schwarz erhoben, betreffend seine "Amts- und Lebensführung".

In der Folge entstand eine heftige innerkirchliche und mediale Debatte, die dazu führte, dass noch vor Weihnachten der Salzburger Erzbischof Franz Lackner zum Apostolischen Visitator für die Diözese ernannt wurde. Dieser sollte im Auftrag des Papstes ein umfassendes Lagebild erheben. Die Visitation begann Mitte Jänner und wurde von Lackner und seinem Team bis Mitte März abgeschlossen. Der Bericht erging in Folge unveröffentlicht an die vatikanische Bischofskongregation.

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien gab Mitte Juni bekannt, dass Ermittlungen gegen Bischof Schwarz im Zusammenhang mit Jagdeinladungen aus seiner Zeit in Kärnten eingestellt werden. Noch im Laufen sind hingegen Ermittlungen wegen möglicher Untreue bzw. ob es ein Finanzvergehen im Zusammenhang mit einem Wohnungsverkauf gegeben hat.
 

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