Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.
Wenn Sie fortfahren, nehmen wir an, dass Sie mit der Verwendung von Cookies auf den Webseiten von mildioz.at einverstanden sind.

 

Menschenhandel ist moderne Sklaverei

 
Lebenskundlicher Unterricht in der Fastenzeit 2010 mit Schwester MMag. Silke Mallmann vom Kärntner Caritasverband.
 
Ein Bericht von OStWm Markus Stromberger   
 
Eine äußerst interessante Kärnten Tournee haben unser Kraftfahrer und ich mit Schwester Silke Mallmann vom Kloster Wernberg teilweise hinter uns gebracht. Einige Termine stehen noch aus. Ein Thema, wo wir glauben, dass es uns nicht so wirklich betrifft. Ein Thema, bei dem jungen Soldaten im theoretischen Teil ab und zu mal ein Lachen von den Lippen kommt, aber nach der gezeigten Reportage sieht man die Ernüchterung und teilweise geschockte Gesichter.
 
Kata war 16 als Janos zum Haus ihrer Familie in Rumänien kam und ihrem Vater erzählte, dass er seine Schulden nicht mehr zu abzuzahlen brauchte, wenn Kata mit Janos nach Österreich gehen würde. In Österreich würde Kata eine Ausbildung erhalten und dann eine gute Stelle im Gastgewerbe bekommen, sagte Janos.
 
Drei Monate später arbeitet Kata, die jetzt Jessica heißt, mit gefälschten Papieren in einem österreichischen Bordell. Sie hat keinen Kontakt zu ihrer Familie, keinen Kontakt zur Außenwelt - alles war eine Lüge.
 
Kata ist eines der 500.000 Kinder, Jugendlichen und Frauen, die jedes Jahr weltweit in die Prostitution verkauft werden. Der Handel mit Menschen ist die drittgrößte Quelle organisierter Kriminalität und nimmt auch in Österreich zu. Menschen werden oft unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in Verhältnisse gelockt, gedrängt, genötigt, gezwungen oder verkauft, in denen sie wie Sklavinnen gehalten, bedroht, eingeschüchtert und brutal behandelt werden. Oft gibt es kein Entkommen. Menschenhandel ist vielfältig und oft schwer zu durchschauen: Außer dem Handel von Frauen, Kindern und auch Männern für die Prostitution, werden Menschen auch als billige Dienstboten und Arbeiter gehandelt sowie als Opfer von Organ oder Adoptionshandel.
 
Zuverlässiges Zahlenmaterial zum Menschenhandel gibt es nicht. Viele der Zahlen, die weltweit im Umlauf sind, haben keine Quellenangaben. So wird z.B. (nur) geschätzt, dass in Deutschland rund 80.000 illegale und verschleppte Frauen leben.
 
In Kärnten haben wir meines Wissens nach (Vorsicht Grauzone) es hauptsächlich mit gehandelten Frauen und Kindern im Bereich der Zwangsprostitution, mit organisiertem Betteln und mit Arbeitshandel zu tun. Kärnten ist ein Transitland - gehandelte Menschen werden nach Italien durch Schlepper verschleppt.
 
Das sind die ganz normalen Fakten zum Menschenhandel. Die Wahrheit, die sich hinter diesen Fakten verbirgt, lässt sich ganz plakativ und vielleicht ein wenig provokant formulieren.
- Menschenhandel ist ein Verbrechen.
- Menschenhandel ist moderne Sklaverei.
- Menschenhandel ist die größte Verletzung der Menschenrechte und Menschenwürde.
- Menschenhandel entmenschlicht Menschen; ist unmenschlich.
 
Menschenhandel in jeder Form, wie die Sklaverei im 16. Jahrhundert - ich sage es jetzt bewusst zugespitzt - wird bedingt durch die Armut , die Ausweglosigkeit, den Überlebenskampf, der Hoffnung und dem Traum von einer besseren Zukunft von Menschen in den ärmsten und benachteiligten Ländern der Welt auf der einen Seite, und der Gier nach dem „Haben, dem Besitzen, dem schnellen Gewinn, dem Alles ist möglich“ in reicheren Ländern. Menschenhandel wird begünstigt durch die soziale Ungleichheit zwischen politischen, ethnischen und auch familiären Systemen, durch strukturelle Gewalt, durch Korruption. Die zunehmende Globalisierung hat dies noch verstärkt: Menschen und Systeme bereichern sich auf Kosten der Schwächeren. Armut und strukturelle Gewalt sind die Grundlagen dafür, dass Menschenhandel erst möglich wird.
 
Menschenhandel ist per Definition die Anwerbung, Transport, Unterbringung oder Entgegennahme von Personen zum Zweck der Ausbeutung ihrer Arbeit und Dienstbarkeit, Sexualität oder Organe.
Menschenhandel bedient sich verschiedener Formen: Drohung, Anwendung von Gewalt und jede andere Form von Zwang, Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht und Verwundbarkeit des Opfers, Geben oder Empfangen von Geld oder Begünstigungen zur Zustimmung einer Person, welche die Kontrolle über eine andere innehat.
Methoden: Kidnapping, Raub, Verschleppung, „Verkauf“ an Schlepper, „Schenkung“ durch Eltern.
 
Das sind die Fakten…
 
Das dramatische an den Fakten ist, ist nicht dass wir nicht eine genaue Anzahl von Fällen vorweisen können, sondern dass hinter jedem Fall eine persönliche Geschichte steht: eine Geschichte, die beginnt mit einer auswegslosen Situation von Armut, Verletzlichkeit, Nicht-Mehr-Weiter-Wissen. Die Ausgangssituation ist eine persönliche oder familiäre Notlage.
Anwerber im Heimatland - oftmals Frauen aus dem Bekanntenkreis der Familie- machen sich diese Situation zu nutze: Sie nutzen das Vertrauen der betroffenen Frau aus, erzählen ihr von Möglichkeiten in Österreich schnell und leicht an Geld zu kommen, sie machen unrealistische Versprechungen: - hoher Verdienst, - jederzeit Rückkehr in Heimat möglich, - Land der unbegrenzten Möglichkeit
 
Oftmals werden Frauen getäuscht, in dem man ihnen verspricht, sie würden in Österreich im Gastgewerbe oder als Reinigungskraft angestellt werden. Oftmals wissen die Frauen, dass sie in der Prostitution arbeiten werden, aber über die Bedingungen die sie da erwarten, werden sie getäuscht.
 
Eine deutsche Studie von Solwodi beschreibt:
 45% von Schleppern über Einreise getäuscht
 8,7% Gewalt im Spiel während Einreise
 32%  informiert, aber oft falsch (Ausmaß der Prostitution)
 
Nach der Ankunft in Österreich folgt oft das grausame Erwachen:
*In den ersten Tagen erleben viele der Frauen physische und sexuelle Gewalt von Zuhältern: sie werden bedroht, geschlagen, eingesperrt, vergewaltigt. Der Zuhälter betont seinen Besitzanspruch: er habe Geld bezahlt, die Reise bezahlt, sie gehöre ihm.

*Wo Frauen sich wehren, werden sie oft unter Druck gesetzt, in dem ihnen gesagt wird, dass ihren Angehörigen im Heimatland etwas passieren werde
*Die Reisepapiere der Frauen werden ihnen abgenommen.
*Es wird ihnen Angst eingeflösst, mit Gefängnis gedroht, mit der österreichischen Polizei gedroht.
*Richtige Informationen werden ihnen vorenthalten, sie werden isoliert, sie können vielfach keinen Kontakt mit ihrer Familie aufnehmen…oftmals wird ihnen erzählt, dass ihre Familie sie sicher nicht mehr haben wollte, wenn sie wüssten, was sie in Österreich machen.
*Sie werden von den Zuhältern zu Arbeit in die Bordelle gebracht (Oft auch hier unter der Drohung, dass sie ja nicht sagen dürfen wie sie dorthin gekommen sind) und abgeholt. Das verdiente Geld müssen sie abgeben, um angebliche Schulden zu begleichen. Oftmals werden sie gezwungen, ohne Schutz in den Bordellen zu arbeiten, umso mehr Geld zu verdienen.
*Aus freiem Willen können sie nicht aus der Prostitution aussteigen. Viele  sind ständig bewacht, können sich nicht frei bewegen. Andere sind gefangen „durch Ketten im Kopf“, die von den Drohungen der Zuhälter resultieren. Sie haben zur viel Angst, und sind daher unfähig Hilfe zu holen, haben die Hoffnung verloren auf eine Besserung, den glauben verloren an sich selbst und ihre eigene Kraft. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und Orientierung (oftmalige Verlegung), wissen sie oft nicht einmal wo sie sind. Andere Frauen in den Laufhäusern und Bordellen können Spitzel sein.

Die Wahrheit hinter dem Phänomen Frauenhandel ist, dass Menschenhandel oder Frauenhandel eine der extremsten Menschenrechtsverletzungen ist, die jemandem widerfahren kann.
Gehandelte Frauen sind oft einer Maschinerie von Gewalt ausgesetzt: emotioneller, physischer und struktureller Gewalt; ihre Hilflosigkeit wird ausgenutzt: sie geraten in ein System von Machtmissbrauch und werden durch Betrug, Täuschung, Verleumdung, Bedrohung, Nötigung und Freiheitsentzug gefangen. Sie werden bewusst gedemütigt, degradiert, eingeschüchtert, mundtot gemacht, isoliert und dadurch immer mehr zum Opfer gemacht, sie werden mehr und mehr handlungsunfähig, anhängig von Zuhältern und Betreibern, willenlos, leer, immer mehr vom Menschen zum Objekt verwandelt. Sie stehen außerhalb des Rechts.

Sie sind Objekt, Ware, Besitz eines anderen, Verkaufs und Wiederverkaufsgegenstand. Sie sind der Willkür von anderen ausgeliefert worden: entmenschlicht. Durch die Ausreise sind sie ohne Kontrolle zu haben in ethnische, sprachliche und soziale Umfelder verpflanzt, die sie nicht kennen. Das Ausbrechen, selbst der Gedanke daran, ist oft mit unheimlicher Angst besetzt: Angst vor der Polizei, vor den Gesetzen in Österreich, vor Abschiebung, Schubhaft, Angst sich nicht alleine zu recht finden, Angst vor den Zuhältern, Angst und Scham vor der Familie zuhause, Angst auch, in die Armut zurückkehren zu müssen, Angst vor der Zukunftslosigkeit. Gehandelte  Frauen, außerhalb des Rechts, Objekt, entmenschlicht sind zu dem oft noch Objekt moralischer Bewertung. Prostituierte in Österreich werden immer noch moralisch bewertet werden - von daher fällt es Frauen selbst in der geschützten Beratung oft schwer zu sagen, dass sie in der Prostitution arbeiten.

Ein System jedoch, das Menschenhandel zulässt, wenn nicht gar fördert, wird nicht moralisch bewertet.

Für die Hilfsorganisation ist es oft schwer, Menschenhandel auf die Spur zu kommen. Die Frauen sind oft zu bedroht, zu verängstigt, zu unsicher. Es dauert lange bis Vertrauen aufgebaut werden kann. Lange bis die wahre Situation beschrieben werden kann. Oftmals kann man vermuten, dass Frauen gehandelt worden sind, aber viele wollen nicht darüber reden - es ist zu sehr mit Angst, aber auch mit falscher Scham, falscher Schuld und großem Misstrauen in alles und jeden besetzt.
Und doch erlebt Sw. Silke auch eine große Kraft in den Frauen. Die, denen es irgendwie gelingt dem Netz zu entkommen, haben oft ungeahnte innere Kräfte.

„Talitha kum“  sagte Jesus zu dem todgeglaubten Mädchen im Evangelium: steh auf!
Talitha wurde die Beratungseinrichtung der Caritas genannt. Es gibt gehandelte Frauen und Männer, die wieder „aufgestanden“ sind, die mit Hilfe den Kreislauf der Gewalt und Ausbeutung durchbrochen haben. Die genug Mut und Vertrauen fassen konnten, die sich selbst befreien konnten, ….

Der Name Talitha ist Hoffnungsträger: der Versuch - schwer wie es ist - eine Anlaufstelle zu sein, für gehandelte Frauen und Männer und gemeinsam mit ihnen einen Weg in die Zukunft zu finden und zu gehen.

Sollten sie jemals einen Verdacht schöpfen, dass die ihnen gegenüber stehende Person gehandelt worden sein könnte, oder sie haben das Gefühl, dass diese Person nicht freiwillige da ist, wo sie diese gerade angetroffen haben, dann melden sie sich anonym bei der Kärntner Caritas!!!
Rufen Sie 142 (Telefonseelsorge) und lassen sie ihren Verdacht, Ihre Vermutung dort!!!!

Quelle: Sw. Silke Mallmann

Fronleichnam

Fronleichnam

Fronleichnam zählt zu den höchsten Feiertagen innerhalb des römisch-katholischen Kirchenjahres. Dieser Festtag trägt auch den Namen »Hochfest des heiligsten Leibes...

Weiterlesen

Pfingsten

Pfingsten

  Das Pfingstfest beschließt im Christentum die 50-tägige Osterzeit, die mit dem Ostersonntag beginnt, worauf auch die griechische Bezeichnung "pentekoste" (der...

Weiterlesen

Das Fest Christi Himmelfahrt

Das Fest Christi Himmelfahrt

Zu Christi Himmelfahrt (bekannt ist dieses Fest auch unter dem Namen „Erhöhung Christi“) feiern die Christen die Rückkehr Jesu Christi...

Weiterlesen

Empfehlungen

In tiefer Trauer

In tiefer Trauer

In tiefer Trauer informiert das Militärordinariat der Republik Österreich über das Ableben des Militärpfarrers beim Militärkommando Tirol, Militäroberkurat Johannes Peter Schiestl. Am Montag, den 20. Juli, ist Militäroberkurat Johannes Peter Schiestl... Weiterlesen

Das Fest Christi Himmelfahrt

Das Fest Christi Himmelfahrt

Zu Christi Himmelfahrt (bekannt ist dieses Fest auch unter dem Namen „Erhöhung Christi“) feiern die Christen die Rückkehr Jesu Christi zu seinem Vater in den Himmel. Begangen wird dieses Hochfest... Weiterlesen

Lourdes: 62. Internationale Soldatenwall…

Lourdes: 62. Internationale Soldatenwallfahrt ist abgesagt.

Die 62. Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes vom 13. bis 19. Mai 2020 wird nicht stattfinden. Der Gastgeber der Wallfahrt, der französische Militärbischof, Antoine de Romanet, hat die Wallfahrt am heutigen... Weiterlesen

7 Gaben

7 Gaben

Die 7 Gaben des Hl. Geistes Immer wieder „Sieben“: Die Sieben findet sich etliche Male in der Bibel, es ist ein altes biblisches und vorbiblisches Symbol, das für Fülle und Vollkommenheit... Weiterlesen

Advent in der Militärdiözese

Advent in der Militärdiözese

Advent ist die Zeit, mit der viele Menschen ganz eigene und bestimmte Vorstellungen verbinden. Es sind dies Wochen, in denen alte, überlieferte Bräuche wiederaufleben, eine Zeit, die geprägt ist von... Weiterlesen

Ich glaube an den Heiligen Geist…

Ich glaube an den Heiligen Geist…

Wie oft hat man diesen Satz im Glaubensbekenntnis schon ausgesprochen, aber wie wenig hat man darüber reflektiert, wie selten wurde bewusst gefragt, wer oder was dieser Geist ist. Der Heiligen... Weiterlesen

Mit Maria durch den Mai

Mit Maria durch den Mai

Warum wird sie gerade im Mai so verehrt? Maria, die Mutter Jesu, eine einzigartige, eine bemerkenswerte Gestalt: Sie ist über alle Grenzen hinweg bekannt, von ihr wurden unzählige Portraits gemalt, sie... Weiterlesen

So entstand die Soldatenwallfahrt

So entstand die Soldatenwallfahrt

Die jährlich stattfindende Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes entstand 1958 aus einer gemeinsamen Initiative französischer und deutscher Militärseelsorger. Heute ist sie die größte Friedenskundgebung von Soldatinnen und Soldaten in den europäischen... Weiterlesen

60 Jahre Internationale Soldatenwallfahr…

60 Jahre Internationale Soldatenwallfahrt: Damals und heute!

1958-2018: 60 Jahre Soldatenwallfahrt. Vizeleutnant Richard Payer ist 1958 als 20-jähriger Zugführer bei der ersten Internationalen Soldatenwallfahrt dabei gewesen. Heuer, bei der 60. Jubiläumswallfahrt, wird er wieder mitfahren. Ein Erinnerungsbericht... Weiterlesen

30 Jahre Militärordinariat

30 Jahre Militärordinariat

"Ganz nah bei den Menschen und zugleich im Militär beheimatet sein": Das zeichnet mit den Worten von Militärbischof Werner Freistetter die heimische Militärseelsorge aus. Der Bischof eröffnete mit seinen Grußworten... Weiterlesen

Festgottesdienst zum Weltfriedenstag 200…

Weiters war anwesend eine Abordnung der Parlamentarischen Bundesheerbeschwerdekommission und der Militärkommandant von Wien Bgdr Mag. Franz Reiszner, sowie der Verteidigungs- und Militärattache der Republik Kroatien. Mit Militärbischof Mag. Christian Werner konzelebrierten... Weiterlesen

Bildergalerien

30 Jahre Militär...
Altarweihe in der...
Lourdes 2018
Requiem für Kaise...
Weltjugendtag 201...
Bischofskonferenz...