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Diözese

Aktuelles aus der Diözese

Ein Bericht von Christian Wagnsonner   
Freitag, 8. Juli 2011

Vom 5.-7. Juli 2011 fand in Enns ein Seminar zum Thema „Krieg mit der Natur? Militärische Einsätze zwischen Beherrschung des Geländes und Bewahrung der Umwelt“ statt, anlässlich des Internationalen Jahrs des Waldes und des Internationalen Jahrs der Chemie 2011. Co-Veranstalter waren das Institut für Religion und Frieden und das Institut für militärethische Studien. Neben einem Blick auf die Bedeutung des Waldes in Kultur- und Militärgeschichte, die Instrumentalisierung bzw. Reduktion der Natur in der militärischen Planung, die Bedeutung von Umweltzerstörung als Kriegswaffe bzw. als Ursache von Konflikten und – aus aktuellem Anlass – auf die friedliche Nutzung nuklearer Energie und ihre Gefahren stand der konkrete Beitrag des Österreichischen Bundesheers zum Schutz der natürlichen Umwelt im Zentrum der Überlegungen.

Das Bundesheer, das im Bereich Umweltschutz eine Vorreiterrolle innegehabt hat, sieht sich heute vor allem vor der Herausforderung, vorsorgende und nachhaltige Maßnahmen einzuleiten, nationales und europäisches/internationales Recht umzusetzen, an dessen Verbesserung mitzuwirken und bewusstseinsbildende Maßnahmen zu setzen.
Im Rahmen der abschließenden Podiumsdiskussion sprachen Vertreter von 5 Weltreligionen (Katholische und Orthodoxe Kirche, Sikh, Bahá’i und Buddhismus) über die Rolle von Natur und Umwelt in ihren religiösen Traditionen. Weitgehend einig war man sich darin, dass mit der natürlichen Mitwelt und ihren Ressourcen respektvoll und schonend umzugehen ist, weil die Menschen auf sie angewiesen sind und auch kommende Generationen noch das Recht haben, eine Leben ermöglichende und lebenswerte Umwelt vorzufinden. Dabei stellte sich der orthodoxe Vertreter, DDDr. Alexander Lapin, auch zum ersten Mal in seiner neuen Funktion als orthodoxer Militärseelsorger des Österreichischen Bundesheers den Soldaten vor.

„Wasser – Lebensquell knappes Gut und Kriegsgrund“ war der Titel eines Forums Ethik des Instituts für Religion und Frieden der katholischen Militärseelsorge am 16. Juni 2011 an der Landesverteidigungsakademie Wien. Die Tagung fand in Kooperation mit dem Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement und dem Institut für Strategie und Sicherheitspolitik, beide an der Landesverteidigungsakademie, statt. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen befassten sich mit der Verteilung und dem Verbrauch des Wassers auf der Erde und gingen der Frage nach, ob Wasser als Ware oder Menschenrecht anzusehen sei und inwieweit die weit verbreitete Wasserknappheit als Ursache für (militärische) Konflikte gilt bzw. gelten wird. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei der Rolle des Wassers im Nahostkonflikt und in Konflikten in Afrika geschenkt.

Montag, 20. Juni 2011

Ao.Univ.-Prof. Dr. Herwig Waidbacher vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement an der Universität für Bodenkultur Wien legte die unterschiedliche Verteilung des Lebenselixiers Wasser auf der Erde und weitere grundlegenden Daten und Fakten dar. Er machte darauf aufmerksam, dass es nicht nur Wasserknappheit gebe, sondern auch dass etliche Weltregionen, darunter weite Teile Südamerikas, Russlands und Kanadas, über große Wassermengen verfügten. Hinzu kämen regelmäßig Flutkatastrophen wie im Jahr 2010 in Pakistan. Global gesehen seien jedoch nur 2,5 % der Wasservorkommen Süßwasser, und davon seien wiederum nur 0,4 % verfügbar. Dennoch sei in den letzten Jahrzehnten der Wasserbedarf, insbesondere in der Landwirtschaft und der Industrie, enorm angestiegen, wobei der Pro-Kopf-Verbrauch weltweit beträchtlich variiere. Der Umgang des Menschen mit dem Wasser, so Waidbacher, sei oft unverantwortlich und führe zu Spannungen. Als Beispiele nannte er u.a. die überproportionale Nutzung von Wasserreservoirs oder die Austrocknung des Aralsees durch die Baumwollproduktion.

Dr. Regina Kreide, Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, befasste sich mit der Frage, ob Wasser eine Ware sei oder ob es ein Menschenrecht auf Wasser gebe. Zu diesem Zweck zeichnete sie die Entwicklung in den letzten 20 Jahren nach: Anfang der 1990er Jahre sei angesichts der unzulänglichen Wasserversorgung in vielen Ländern von einem Versagen des Staates die Rede gewesen. Eine globale Wasserordnungspolitik mit wirtschaftlicher Liberalisierung und Privatisierung sei propagiert, Wasser also vor allem als Wirtschaftsgut betrachtet worden. Doch die Investitionen der privaten Wasserversorger hätten sich auf die Städte konzentriert, und die Versorgung habe trotz höherer Preise oft nicht besser funktioniert. Überdies, so Kreide, gebe es ein Grundbedürfnis nach Trinkwasser – Wasser sei ein Menschenrecht. 2010 hätten auch die UN-Generalversammlung und der Menschenrechtsrat ein derartiges Recht bekräftigt. Bei dessen Umsetzung seien Verfügbarkeit, Zugänglichkeit bzw. Erschwinglichkeit sowie Qualität bzw. Sicherheit wichtige Maßstäbe für öffentliche wie private Akteure.

Dipl.-Ing. Wilfried Schimon, Leiter der Sektion Wasser im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, beleuchtete sicherheitspolitische und rechtliche Aspekte in den internationalen Beziehungen bei der Nutzung von Wasser, insbesondere im Falle von Flussgebieten, die von mehreren Staaten geteilt werden. Verschiedene internationale Übereinkommen seien ausgearbeitet worden, die auf eine gerechte, angemessene und auch gemeinsame Nutzung derartiger Flusssysteme hinauslaufen. Österreichs Festhalten am alleinigen Verfügungsrecht über seine Wasserressourcen widerspreche bis zu einem gewissen Grad diesen Grundsätzen. Als Beispiele für geteilte und zugleich mit Konflikten verbundene Flussgebiete nannte Schimon Euphrat und Tigris, das Jordanbecken und den Nil. Auch die Donau und ihre Zuflüsse seien immer wieder Schauplatz und Gegenstand von Konflikten unterschiedlicher Ausprägung gewesen. Schimon erinnerte u.a. an die Diskussion zwischen Österreich und Ungarn über den Schaum auf der Raab. Grenzgewässerverträge, die Österreich mit fast allen Nachbarstaaten abgeschlossen habe, würden die Basis für eine schnelle Bereinigung derartiger Konflikte bieten.

Der Frage, ob Konflikte und Kriege um Wasser nur ein Schlagwort oder doch Realität seien, ging Oberst Mag. Anton Dengg, Leiter des Referats Bedrohungs- und Konfliktbild am Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement an der Landesverteidigungsakademie, nach. Er wies darauf hin, dass es bereits in der Bibel zahlreiche Zitate gebe, die Wassermangel und Konflikte um Wasser thematisieren. Heute und in Zukunft sorgen allein der Anstieg der Weltbevölkerung und damit die wachsende Nachfrage nach Wasser für Spannungen. Haben heute rund 1 Milliarde Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, so würden im Jahr 2050 1,8 Milliarden ohne Wasserzugang sein. Dennoch, so Dengg, sei es im Jahr 2010 nur bei vier von 363 Konflikten (verschiedenster Ausprägung) weltweit um Wasser als Nahrungsmittel gegangen, und bei fünf Territorialkonflikten sei auch Wasser involviert. Allerdings gebe es zahlreiche Konflikte um verschiedene Staudammprojekte. Kriege um Wasser jedoch seien vorerst nur ein Schlagwort, doch die Konflikte, so Dengg, würden unweigerlich zunehmen.

Mag. Wolfgang Mühlberger, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Referat Bedrohungs- und Konfliktbild am Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement, befasste sich mit der Rolle des Wassers im israelisch-palästinensischen Konflikt. Die bisherigen Kriege zwischen Israel und Arabern seien nicht um Wasser geführt worden, auch wenn ein Verteilungskonflikt bestehe. Hydrologisch sei die Region von einem Küstenaquifer und mengenmäßig noch bedeutsameren Aquiferen unter dem Westjordanland gekennzeichnet. Unter Nutzung dieser Vorkommen und des National Water Carrier, der enorme Wassermengen vom See Genezareth bzw. vom Jordan ableitet, übe Israel heute eine Hydro-Hegemonie aus. Während ein Israeli durchschnittlich pro Jahr 300 m³ Wasser nutze, stünden einem Bewohner des Westjordanlandes nur 60 m³ zur Verfügung. Mit dem Oslo-Friedensprozess wurde zwar ein Joint Water Committee eingerichtet, doch besitze Israel darin ein Vetorecht. Deshalb könne nur ein umfassendes Friedensabkommen eine gerechte Wasser-Lösung bringen.

Dr. Gerald Hainzl, ebenfalls wissenschaftlich am Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement tätig und profunder Kenner Afrikas, setzte sich mit dem Zusammenhang zwischen Wasser und Konflikten auf dem sog. Schwarzen Kontinent auseinander. Eingangs machte er deutlich, dass Afrika in vielerlei Hinsicht, auch wenn es um Wasser gehe, nicht als Einheit zu betrachten sei. Es gebe, so Hainzl, zahlreiche lokale Konflikte um Wasser, denn letztlich gehe es bei fast all diesen kleinen Konflikten in Afrika um Land und Wasser. Als Beispiel nannte Hainzl u.a. Streitereien zwischen Nomaden in Somaliland um die dortigen Wasservorkommen. Afrika sei jedoch auch Schauplatz einiger grenzüberschreitender Konflikte, beispielsweise um das Wasser des Nils oder des Nigers. Darüber hinaus gebe es zahlreiche Projekte, große Flüsse für die Stromproduktion zu nützen, u.a. in der DR Kongo, in Äthiopien, Mozambique und Guinea. Damit täten sich neue Chancen auf, aber auch Stoff für neue Konflikte.

Dr. Thomas Pankratz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Strategie und Sicherheitspolitik, wies darauf hin, dass nicht nur Wasser und Erdöl als essentielle Ressourcen zu betrachten seien. Was ist aber das Charakteristikum einer Ressource? Laut Pankratz wird ein Gut erst vom Menschen zu einer Ressource gemacht, indem es dazu diene, ein Ziel zu erreichen, dadurch ein Bedarf an diesem Gut entstehe und in weiterer Folge das Interesse bestehe, dieses Gut zu erlangen bzw. zu kontrollieren. Daher gebe es letztlich unzählige Ressourcen, die von Abfall bis Zinn reichten. Ein Konflikt entstehe dann, wenn mindestens zwei Personen dieselbe Ressource wollen. Das Konfliktpotential ergebe sich u.a. aus der vorhandenen Menge (kann auch zu viel sein), der räumlichen Verteilung, der Besitzverteilung und der (Nicht)Erneuerbarkeit. Der Mensch ist in diesem Zusammenhang jedoch nicht nur Bedarfsträger, sondern ist selbst Ressource, nämlich als Arbeitskraft oder Wissensträger. Oft genug werden Menschen gar zur Ware, sei es als Sklaven, Opfer von Menschenhandel und -schmuggel oder von illegalem Organhandel.

Benefizkonzert und Festmesse im Zisterzienserstift Rein
14. und 15. Mai 2011

Militärmusik Steiermark, “forum chororum”
„Ein Stück vom Himmel“ so lautet das Motto für Führungen im weltältesten Zisterzienserstift, dem Stift Rein bei Graz. Ein Kunstjuwel stellen die 250 Jahre alten Deckenfresken der Stiftsbasilika dar, deren Rettung vor dem endgültigen Verfall mit dem gestrigen Tag nun begonnen werden konnte. In den Dienst dieser, für die Erhaltung dieses Kulturgutes ersten Ranges so wichtigen Sache, stellten sich am vergangen Wochenende das Land Steiermark, das Militärkommando Steiermark und die Militärdiözese.
Die Veranstaltung eines Benefizkonzertes zugunsten der Renovierung der Deckenfresken der Basilika geriet zu einem Hörgenuss der Spitzenklasse. Das symphonische Blasorchester der Militärmusik Steiermark unter Militärkapellmeister Hannes Lackner begeisterte im Zusammenwirken mit dem Chor „forum chororum“, geleitet von Franz Jochum und der international renommierten Opernsängerin Anna Ryan mit einem ungemein anspruchsvollen und abwechslungsreichen Programm. Die, durch den unmittelbar vor dem Konzertbeginn auftretenden Regen, erzwungene Verlegung des Konzertes vom Stiftshof in die Basilika konnte weder die Stimmung trüben, noch die Künstler beirren. Und so konnte die Militärmusik Steiermark bereits nach wenigen Minuten der notwendigen Umbauarbeiten mit der Philharmoniker-Fanfare von Richard Strauss dem geneigten Publikum die hohe Kunst symphonischer Blasmusik nahebringen. Hannes Lackner zollte mit seinem Orchester auch dem Jahresregenten Franz Liszt gehörigen Tribut und ließ dessen Huldigungsmarsch erklingen. Groß und mächtig bauten sich im Anschluss die Klänge des Scherzos aus der 4. Symphonie von Anton Bruckner auf und plötzlich verstärkte sich der Eindruck, der Regen sei wohl ein Zeichen von oben gewesen, damit dieses Konzert im Kirchenraum stattfinden musste – unter jenen Fresken,  zu deren Erhalt es gedacht war – wohl zur Verdeutlichung dessen, was mit einem Stück vom Himmel gemeint ist.

Anna Ryan
Ein Dirigentenwechsel brachte nun Franz Jochum ans Pult, er leitete das Regina Coeli von W.A. Mozart. Mit ihm traten nun auch der Chor „chorum fororum“ und die Sopransolistin Anna Ryan ins musikalische Geschehen ein. Ein musikalischer Gruß an die Gottesmutter im Marienmonat Mai stand nun auf dem Programm und das in ganz ungewöhnlicher Weise, handelte es sich doch um ein für dieses Konzert  von Franz Cibulka erarbeitetes Arrangement dieses Werkes. Die ungeheuer delikate Besetzung erlaubte der Militärmusik Steiermark kammermusikalisches Agieren, dass die Darbietung zu einem seltenen Erlebnis werden ließ. Die Beweglichkeit und Transparenz des Chors verlieh dem Werk Duftigkeit und Leichtigkeit, die an die schwebenden Engel im Deckengewölbe erinnerte. Anna Ryans klarer Sopran brachte den Zuhörern das, was mit ein Stück vom Himmel gemeint ist, auch hörbar näher. Unangestrengt füllte sie den Kirchenraum mit ihrem Gesang, selbst im Pianissimo noch immer tragend und deutlich. Selten klang ein ora pro nobis so innig, warm und demütig.
 
Franz Cibulka übernahm nun den Dirigentenstab und brachte gleich selbst noch ein neues Arrangement zur Uraufführung. Diesmal war es die steiermärkische Landeshymne, die der Komponist in eine Fassung für Blasorchester, Chor und Solosopran gebracht hatte. Als nun die Klänge des Orchesters mit den Stimmen des Chores in der dritten Strophe verschmolzen und sich darüber die Sopranstimme der im Anna Plochl-Dirndl angetretenen Frau Ryan erhob, wischte sich so mancher ergriffener Zuhörer verstohlen die Tränen aus den Augen.

Abt Christian Feurstein
Oberstleutnant  Michael Jedlicka, der als Moderator mit viel Detailinformation und einer gehörigen Portion Humor durch das Konzert führte, kündigte jetzt einen besonderen Leckerbissen an - den Konzertwalzer Frühlingsstimmen von Johann Strauss. Umwerfend, wie hier die Militärmusik Steiermark mit Anna Ryan diesen Walzer gleichsam „tanzte“. Traditionelle österreichische Musik, dargeboten auf höchstem künstlerischen Niveau. Den Abschluss des Konzertes bildete das Hallelujah aus G.F. Händels Messiah. Die Begeisterung des Publikums, unter dem sich viele bedeutende Persönlichkeiten der Politik, des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft, aber auch der Kunst und Kultur befanden, drückte sich im tosenden Applaus aus, der den Militärkapellmeister Hannes Lackner veranlasste, sich mit dem Radetzky-Marsch zu bedanken und gleichzeitig für diesen Abend zu verabschieden. Landeshauptmann Franz Voves würdigte in seiner Ansprache das Engagement des Militärkommandos und der Militärdiözese für die Rettung des Kulturguts der Fresken der Stiftsbasilika und bedankte sich bei den Künstlern für die erhebenden Darbietungen.
 
Anna Ryan, Franz Cibulka
Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Festgottesdienstes zum 4. Sonntag der Osterzeit, dem Guten-Hirten-Sonntag, dessen tiefere Bedeutung in der Predigt von Militärgeneralvikar Franz Fahrner zur Sprache kam. Leider musste Abt Christian Feurstein gleich bei seiner Begrüßung die krankheitsbedingte Abwesenheit von Militärbischof Christian Werner bedauern. So zelebrierten Abt Christian und Militärgeneralvikar Franz Fahrner den Gottesdienst, in dessen Rahmen die Messe zu Ehren des heiligen Georg von Franz Cibulka uraufgeführt wurde. Ausführende waren wiederum das symphonische Blasorchester der Militärmusik Steiermark, der Chor „chorum fororum“ und die Sopranistin Anna Ryan.
 
MilGenVik Franz Fahrner
Bereits die ersten Takte der Einzugs-Intrade führten in sphärische Klangwelten, die sich im unmittelbar anschließenden Kyrie immer mehr verdichteten. Aus tiefsten Abgründen erhob sich flehend die Stimme von Frau Ryan, mit der Bitte um Erbarmen, die selbst Steine zum Erweichen bringen musste. Franz Cibulka lotet mit seiner musikalischen Deutung der deutschen Ordinariumstexte alle Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens in seinem Hineingeworfen sein  in diese Welt aus und weist tröstend auf das erlösende Heilsgeschehen, das den sicheren Boden für den Gläubigen bedeutet, hin. Unglaublich, mit welcher Dramatik diese Messe die Ursehnsüchte der Menschheit nach dem Guten, nach Frieden thematisiert und in eindeutiger Tonsprache zum Ausdruck bringt.
 
Hannes Lackner, Anna Ryan, Franz Cibulka
Anna Ryans höhensicher geführter Sopran kommt mit schlafwandlerischer Sicherheit jedem Wunsch  des Komponisten nach und erscheint gleichermaßen als sprichwörtlich jäher Blitz aus heiterem Himmel, um dann gleich wieder engelsgleich durch Franz Cibulkas Klangwolken zu schweben. Mancher Zuhörer konnte sich ob der hochdramatischen Einsätze die Frage nicht verkneifen, ob hier möglicher Weise eine heranreifende Isolde zu hören war. Unglaublich auch die Leistungen, die bei der Aufführung des äußerst anspruchsvollen Werkes von den Musikern und Choristen erbracht wurde. Der von Franz Jochum ausgezeichnet vorbereitete Chor zeichnete sich zudem durch herausragend hohe Wortdeutlichkeit aus und nahm, um ein Bild zu gebrauchen, die vom Komponisten hoch gelegte Latte mit Bravour.
Franz Cibulka, der diese Uraufführung selbst dirigierte, übergab vor dem Schlusssegen die Partitur der St. Georgs-Messe, einem Auftragswerk der Militärdiözese, an Militärgeneralvikar Franz Fahrner, der in kurzen Worten das Werk als Meilenstein in der Geschichte der Blasmusik würdigte und das Publikum spontan zum Applaus animierte, der kaum enden wollte.
Zum Auszug erklang das der Messe angeschlossene Marienlob, ein Stück für Blasorchester und gemischten Chor auf die Worte des Schlussgebets der Enzyklika „Deus Caritas Est“ von Papst Benedikt XVI.
 
 
Zum Chor „forum chororum“, einem „Forum der Singenden“ in der Steiermark:
Forum chororum unter der Leitung von Mag. Franz Jochum vereint Studierende der Kunstuniversität Graz, erfahrene Sänger und Sängerinnen der Steiermark und Mitwirkende des Chorforum-Gleisdorf zu hochklassigen Klangkörpern. In variablen Besetzungen – vom Solistenensemble bis zum Konzertchor – ist die Realisierung unterschiedlichster vokaler Aufgaben möglich. Durch die Lehrtätigkeit von Franz Jochum an der Kunstuniversität Graz ist die Arbeit „state of the art“ und kann durch diese Symbiose zum Impulsgeber für innovative Projekte werden. Zeitgenössische Vokalmusik und Aktivitäten, die sich der Verbindung von Kunstgattungen widmen, bilden die Arbeitsschwerpunkte von forum chororum.
(www.franz-jochum.at)

Zur Solistin Anna Ryan:
Anna Ryan studierte am Konservatorium Jerevan und am Konservatorium der Stadt Wien. Sie war Finalistin des Internationalen Gesangswettbewerbs "Città di Alcamo" (Italien). Bei internationalen Festspielen, wie den Festspielen in St. Margarethen und Langenlois, dem Festival Styriate, den Sommerfestspiele Baden, den Ostseefestspielen, den Nordböhmischen Festspielen, Zvolener Festspielen, den Festspielen in La Plata sowie inBuenos Aires und Riga, war sie als Abigaille (Nabucco), als Mariza (Gräfin Mariza), als Trommlerin (Kaiser von Atlantis), als Saffi (Der Zigeunerbaron), als Aida und als Leonore (Fidelio), als Fleana (Gli Zingari), als Mimi (La Boheme) und als Micaela (Carmen) zu sehen. Operngalas und Konzertauftritte mit Symphonien von Mahler und Beethoven, Requiem-Vertonungen von Verdi, Brahms, Dvorak und mehr, sowie den Lieder von Richard Strauss, führten sie über Stationen in Japan, Ägypten, Spanien, Italien, Deutschland, Lettland, Tschechien und der Slowakischen Republik wieder zurück nach Österreich, wo sie schließlich viel beachtete Auftritte im Wiener Konzerthaus und im Wiener Musikverein absolvierte.
Im Zentrum ihre Repertoires stehen zur Zeit Aida (Aida), Leonora (Il Trovatore), Abigaille (Nabucco), Elisabetha (Don Carlos),Gulnara (Il Corsaro), Mimi (La Boheme), Turandot (Turandot) und Tigrana (Edgar). Zuletzt stand sie in Deutschland und Schweden als Marschallin (Der Rosenkavalier) auf der Bühne. 2011 wird Anna Ryan in Bratislava als Marschallin, Aida, Tosca und in Verdis Requiem zu erleben sein. Anna Ryan lebt nun in Wien.
(www.annaryan.at)
 
Zum Komponisten Prof. Franz Cibilka:
Magister Franz Peter Cibulka (1946) ist seit Juli 2002 freischaffender Komponist und war bis dahin Professor für Klarinette, Kammermusik und Musiktheorie am Johann Joseph Fux Konservatorium in Graz. An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz absolvierte er die Studienfächer Klarinette, Komposition und Orchesterleitung.
Sein Werkverzeichnis umfasst mehr als 500 Kompositionen in unterschiedlichster Besetzung und Stilistik, da die Werke immer auf Wunsch und Anregung von diversen Interpreten unter Berücksichtigung ihrer musikalischen Vorstellungen entstanden sind.
Durch Aufführungen seiner Werke im Rahmen der WASBE-1997 in Schladming gelang ihm der internationale Durchbruch und war in den vergangenen Jahren in Australien, Amerika, Russland, Taiwan und vielen europäischen Staaten als Komponist, Dirigent, Interpret und Referent eingeladen.
(www.artofcibulka.com)

Die kürzlich im Rahmen eines Festgottesdienstes im Zisterzienserstift Rein uraufgeführte Messe zu Ehren des heiligen Georg („St. Georgsmesse“) für Sopran, Chor und Blasorchester wird nun erstmalig konzertant aufgeführt:
Montag, 20. Juni 2011, um 19.30 Uhr im Grazer Congress (Stefaniensaal)
Es spielt das Musikkorps der Deutschen Bundeswehr unter der Leitung von Walter Ratzek und es singt der Projektchor „Forum Chororum“ unter Franz Jochum.
Als Solisten sind zu hören:
Anna Ryan - Sopran
Carina Jandl - Flöte
Hubert Salmhofer - Bassetthorn
Jon Sass - Tuba
Aufgeführt werden auch die Rhapsodie Nr. 4 sowie Solokonzerte für Flöte, Tuba und Bassetthorn.
Karten: Vorverkauf im Zentralkartenbüro, Tel.:0316 830255,  www.zkb.at und an der Abendkassa

Zum Chor „forum chororum“, einem „Forum der Singenden“ in der Steiermark:
Forum chororum unter der Leitung von Mag. Franz Jochum vereint Studierende der Kunstuniversität Graz, erfahrene Sänger und Sängerinnen der Steiermark und Mitwirkende des Chorforum-Gleisdorf zu hochklassigen Klangkörpern. In variablen Besetzungen – vom Solistenensemble bis zum Konzertchor – ist die Realisierung unterschiedlichster vokaler Aufgaben möglich. Durch die Lehrtätigkeit von Franz Jochum an der Kunstuniversität Graz ist die Arbeit „state of the art“ und kann durch diese Symbiose zum Impulsgeber für innovative Projekte werden. Zeitgenössische Vokalmusik und Aktivitäten, die sich der Verbindung von Kunstgattungen widmen, bilden die Arbeitsschwerpunkte von forum chororum.
(www.franz-jochum.at)

Zur Solistin Anna Ryan:
Anna Ryan studierte am Konservatorium Jerevan und am Konservatorium der Stadt Wien. Sie war Finalistin des Internationalen Gesangswettbewerbs "Città di Alcamo" (Italien). Bei internationalen Festspielen, wie den Festspielen in St. Margarethen und Langenlois, dem Festival Styriate, den Sommerfestspiele Baden, den Ostseefestspielen, den Nordböhmischen Festspielen, Zvolener Festspielen, den Festspielen in La Plata sowie inBuenos Aires und Riga, war sie als Abigaille (Nabucco), als Mariza (Gräfin Mariza), als Trommlerin (Kaiser von Atlantis), als Saffi (Der Zigeunerbaron), als Aida und als Leonore (Fidelio), als Fleana (Gli Zingari), als Mimi (La Boheme) und als Micaela (Carmen) zu sehen. Operngalas und Konzertauftritte mit Symphonien von Mahler und Beethoven, Requiem-Vertonungen von Verdi, Brahms, Dvorak und mehr, sowie den Lieder von Richard Strauss, führten sie über Stationen in Japan, Ägypten, Spanien, Italien, Deutschland, Lettland, Tschechien und der Slowakischen Republik wieder zurück nach Österreich, wo sie schließlich viel beachtete Auftritte im Wiener Konzerthaus und im Wiener Musikverein absolvierte.
Im Zentrum ihrer Repertoires stehen zur Zeit Aida (Aida), Leonora (Il Trovatore), Abigaille (Nabucco), Elisabetha (Don Carlos),Gulnara (Il Corsaro), Mimi (La Boheme), Turandot (Turandot) und Tigrana (Edgar). Zuletzt stand sie in Deutschland und Schweden als Marschallin (Der Rosenkavalier) auf der Bühne. 2011 wird Anna Ryan in Bratislava als Marschallin, Aida, Tosca und in Verdis Requiem zu erleben sein. Anna Ryan lebt nun in Wien.
(www.annaryan.at)

Zum Komponisten Prof. Franz Cibilka:
Magister Franz Peter Cibulka (1946) ist seit Juli 2002 freischaffender Komponist und war bis dahin Professor für Klarinette, Kammermusik und Musiktheorie am Johann Joseph Fux Konservatorium in Graz. An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz absolvierte er die Studienfächer Klarinette, Komposition und Orchesterleitung.
Sein Werkverzeichnis umfasst mehr als 500 Kompositionen in unterschiedlichster Besetzung und Stilistik, da die Werke immer auf Wunsch und Anregung von diversen Interpreten unter Berücksichtigung ihrer musikalischen Vorstellungen entstanden sind. Durch Aufführungen seiner Werke im Rahmen der WASBE-1997 in Schladming gelang ihm der internationale Durchbruch und war in den vergangenen Jahren in Australien, Amerika, Russland, Taiwan und vielen europäischen Staaten als Komponist, Dirigent, Interpret und Referent eingeladen.

(www.artofcibulka.com)

„Die Zeit ist günstig für eine Rückkehr zu Gott“
Papst Benedikt XVI. kam im September 2008 als Pilger nach Lourdes und zog mit diesen Worten eine erste Bilanz seines Besuchs. Lassen auch wir uns darauf ein, jeder für sich selbst, vor allem aber in der Gemeinschaft der Kirche, diese Erfahrung zu machen. Die vielen „Heilsangebote“, die uns Tag für Tag vorgestellt werden, die uns phantasievoll ein möglichst paradiesisches Leben vorgaukeln, übertönen allzu oft die frohe Botschaft die uns Jesus Christus mitgegeben hat. Umso wichtiger wird daher das genaue Hinschauen und Hinhören, auch auf die kleinen Zeichen und die leisen Töne.
 
„Das ist Gottes Weise. Er verändert alles. Er geht vom ganz Kleinen aus, um ganz Großes zu bewirken.“ Das sagt uns Bernadette, das Mädchen von Lourdes, dem die Gottesmutter erschienen ist. Seither ist die Grotte von Lourdes für Millionen von Pilgern zu einem Ort der heiteren Freude geworden, an dem der Geist Gottes das Leben eines jeden Menschen tief berührt. Ich lade Sie herzlich dazu ein, als Teilnehmer an der 53. Soldatenwallfahrt nach Lourdes ihre ganz persönliche Glaubenserfahrung zu machen. Schließen Sie sich dieser einzigartigen, internationalen Friedensinitiative an, die jährlich 20.000 Soldaten aus 60 Nationen in diesen Wallfahrtsort führt und erleben Sie, wie im gemeinsamen Gebet aus vielenverschiedenen Nationen ein Volk Gottes wird.
 
Ihr + Christian WERNER
Militärbischof für Österreich
 
 
 

- WAS BLEIBT? –

Völkerverbindender, stärkender Glaube, internationale Kontakte, kameradschaftliche Gespräche, religiöser Austausch, gemeinsames und persönliches Gebet, Kurskorrektur oder sogar Mut und Schwung für einen Neubeginn in meinem Leben?
Was ist das bleibende Geschenk dieser Wallfahrt für mich?
Von der 1. Erscheinung vor Bernadette wird berichtet: „Maria  sah sie lange an …..“
Dein Blick, Maria, begleitet mich in meinem Alltag. Nichts ist dir zu klein, zu gering, als das du es nicht mit deinem behutsamen, mütterlichen Blick begleitest. Du drängst dich nicht auf, schweigend siehst du auf uns …. Und wenn wir wollen, und deinen liebenden Blick vertrauensvoll erwidern, dann lehrst du uns geduldig den nächsten Schritt…
Maria, wenn ich auf dich schaue, erzählt mir dein Blick noch von einer anderen Welt, von anderen Maßstäben, von einer anderen Liebe - und mein Herz ruft: „Lass mich neu sehen lernen.“

Interreligiöse Fragen sind von hoher Relevanz für den militärischen Einsatz, betonte Msgr. Petrus Bsteh, der Leiter der Kontaktstelle für Weltreligionen der österreichischen Bischofskonferenz, bei der Begrüßung der TeilnehmerInnen des Studientags „Vom ‚christlichen Abendland‘ zum ‚Europa der vielen Religionen‘?“. Der Studientag fand am 11. Mai 2011 in der Diplomatischen Akademie in Wien statt. Weitere Veranstalter waren das Institut für Religion und Frieden (Bischofsvikar Dr. Werner Freistetter) und die Forschungsplattform „Religion and Transformation in Contemporary European Society“ an der Universität Wien.

Ein Bericht von Christian Wagnsonner und Gerhard Marchl   
Donnerstag, 12. Mai 2011 

Nach einem kurzen Überblick über Religionen und religiöse Einflüsse in der europäischen Geschichte kam Bsteh zu dem Schluss, dass das Christentum keineswegs der einzige Faktor im Verlauf der Ausbildung einer europäischen Identität gewesen ist. So sind vor allem auch Elemente islamischer Kultur, die ihrerseits vieles aus dem jüdischen Sakralrecht, dem hellenistischen Reichsrecht und der römischen Zivilisation übernommen hatten, in den Aufbauprozess des „christlichen Abendlands“ eingegangen. Eine Besonderheit Europas war die Entwicklung der westlich-säkularen Denkart. Nach dem Zusammenbruch der weltweiten kolonialen und missionarischen Expansion Europas strömen religiöse Traditionen aus aller Welt nach Europa, nicht zum ersten Mal auch Elemente asiatischer Religionen. Grundprinzip für das heutige plurale Europa muss der Dialog sein. Es geht nicht um Aufrüstung der Vorurteile, sondern um die Schaffung eines Raums des Vertrauens füreinander. Diese Lösungen sollen intensiv von unten und aus dem Inneren der Religionen erarbeitet werden.

Aus Sicht von ao.Univ.Prof. DDr. Christian Stadler vom Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht der Universität Wien muss die europäische Geschichte und Geistesgeschichte bis heute auf dem Hintergrund der antiken Philosophie als Gegeneinander von platonischen und aristotelischen Ansätzen gelesen werden. Das lässt sich noch heute etwa an Auseinandersetzungen in der Europäischen Union zeigen: Die französisch-deutsche Rechtskultur ist eher platonisch geprägt, ideengeleitet, von einer großen Perspektive bestimmt. Veränderungen erfolgen eher von oben bzw. durch EU-weite Regelungen. Dem steht der case-law-basierte angelsächsische Ansatz gegenüber. Westliche Säkularisation wurde als Trennung von Transzendenz und Immanenz, von Geistlichkeit und Weltlichkeit, von Kirche und Staat, Religion und Politik verstanden. Dabei konnte der Schwerpunkt entweder auf der Stärkung der Transzendenz (platonische Ansätze) oder der Immanenz (aristotelische Ansätze) liegen. Säkularisation bedeutet nicht nur Aufhebung geistlicher Herrschaft oder Enteignung kirchlicher Güter. Sie bezeichnet auch den Prozess der Trennung der Gesellschaft und ihrer Lebenswelt von religiösen Werten und Haltungen. Dabei darf nicht übersehen werden, dass Säkularisation ein Produkt des Christlichen ist, im Christentum ist dieser Zug zur Relativierung immer schon enthalten gewesen. Europa ist ohne das Christentum nicht zu verstehen, was aber nicht bedeutet, dass Europa christlich-theokratisch regiert werden soll.
Wichtig wäre, nicht bei einer Vielheit stehen zu bleiben, sondern von der Vielheit wieder zu einer Einheit zu kommen. Leider ist die Begeisterung für das Friedensprojekt Europa heute kaum mehr spürbar. Es soll ein offenes Projekt bleiben, offen für alle, die fähig und willens sind, da mitzugehen. Am Ende weist Stadler auf den vieldeutigen Begriff der Grenze hin: Europa hat viel mit Grenzen zu tun. Grenzen trennen, Grenzen verbinden aber auch. Grenzen können und sollen überschritten werden. In Europa wurden aber auch immer wieder Grenzen überschritten, die man besser nicht überschritten hätte.

Mufti Dr. Nedžad Grabus von der Islamischen Gemeinschaft in Slowenien widmete sich dem Verhältnis zwischen Christentum und Islam in Geschichte und vor allem Gegenwart. Er erinnerte daran, dass die Beziehungen in der Vergangenheit, auch jener der letzten zwanzig Jahre (Stichwort: Massaker gegen Muslime in Bosnien und muslimische Terroranschläge), von vielen Konflikten geprägt gewesen sind. Obwohl die beiden Religionen mit dem Eingottglauben und darüber hinaus wichtige Gemeinsamkeiten hätten, werde heute nur allzu oft das Trennende in den Vordergrund gestellt. Er bedauerte, dass gerade Muslime vielfach im Gegensatz zur jüdisch-christlichen Welt als „die anderen“ gesehen würden. Nicht selten begegnen, so Grabus weiter, Christen und Muslime einander mit Misstrauen, Vorurteilen und Ablehnung. Extremisten könnten ihre Ideen verbreiten, die moderaten Kräfte würden in den Hintergrund gedrängt.
Immerhin jedoch, wie Grabus hervorhob, habe 2007 eine Vielzahl islamischer Würdenträger unterschiedlicher Richtungen in einem offenen Brief an Papst Benedikt XVI. und in Reaktion auf dessen Regensburger Rede den Respekt vor dem Christentum und seinen heiligen Schriften betont. Um das Verhältnis zwischen Christentum und Islam dauerhaft zu verbessern, sei ein offen geführter interreligiöser Dialog, der möglichst viele einschließe, dringend nötig. Gelingen könne dieser Prozess nur, wenn sich beide Religionsgemeinschaften von folgenden Grundsätzen leiten ließen: Vermeidung beleidigender Sprache, respektvoller Umgang mit dem anderen, Suche nach gemeinsamen Werten, kritischer Umgang mit Hindernissen und Missständen, Einhaltung rechtlicher Grundlagen, Kenntnis grundlegender religiöser Vorstellungen und die Bitte an Gott um Beistand.

Ao.Univ.Prof. DDr. Kurt Appel vom Institut für Fundamentaltheologie der Universität Wien, der Sprecher der Plattform „Religion and Transformation in Contemporary European Society“, entwickelte einen Begriff von Religion, der für die Zukunft Europas fruchtbar gemacht werden könnte: Religion in diesem Sinn gibt den Blick frei für die Sterblichkeit und die Verletzlichkeit des Menschen, der sich selbst und dem der Andere immer entzogen bleibt. Religion kann auch ein Weg sein, über persönliche Schuld weit hinausgehende Schuldzusammenhänge aufzudecken und einen Umgang mit Schuld jenseits der heute allgegenwärtigen Schuldverdrängung zu eröffnen. Sie kann ihn damit konfrontieren, dass eine letzte Verzeihung von Gott her möglich ist. In der Endlichkeit des Menschen liegt auch eine große Kostbarkeit, ohne sie gäbe es keine Offenheit auf Transzendenz. Die Bedeutung von Religion könnte letztlich darin liegen, diese innere Transzendenz des Menschen vor Augen zu führen, seine Unverfügbarkeit und Verletzlichkeit – in Gemeinsamkeit mit vielen Religionen, die es in Europa gibt und geben wird. Die Frage nach einer europäischen Identität ist problematisch. Identitäten, die sich auf ein paar charakteristische Merkmale reduzieren lassen, sind Produkte einer heute weit verbreiteten Virtualisierung und werden der Wirklichkeit der Welt und der Menschen nicht gerecht. Die Europäische Union ist ein beachtliches Projekt, in dem es hoffentlich noch so viel geistige Substanz gibt, dass es im Sinn der Gründer weitergeführt werden kann. Appel hofft, dass die Religionen dazu ihren Beitrag leisten können.

Militärsenior DDr. Karl-Reinhart Trauner, der stellvertretende Leiter der evangelischen Militärseelsorge in Österreich, stellte die Frage nach der Zukunft der Religion in Europa, ausgehend von der Tageslosung aus dem Buch Amos, nach der die Menschen das Wort des Herrn suchen werden, es aber doch nicht finden. Menschen, die etwas gefunden haben, sind spätestens seit der Aufklärung verdächtig. Pluralität, Differenzierung und Relativierung sind allerdings schon in der Bibel angelegt: Es gibt zwei Schöpfungsberichte und vier Evangelien, in denen zum Teil dasselbe in verschiedenen Varianten erzählt wird. Die biblischen Texte lassen verschiedene Ideen nebeneinander stehen, ohne den Anspruch auf Wahrheit aufzugeben. Der Mensch muss mit dieser Relativierung umgehen. Er wird allein schon dadurch relativiert, dass er in Relation (Beziehung) zu Gott und zu anderen Menschen steht. Relativierung in diesem Sinn ist nichts Negatives, sondern ermöglicht und bestimmt erst das Zusammenleben der Menschen. Europa lässt sich aus Trauners Sicht nicht durch Linien auf Landkarten definieren, sondern durch eine besondere Art des Denkens. Die europäische Denktradition beruht auf dem Zusammenkommen griechischen und christlichen Denkens, wie man es schon bei Paulus findet. Europa ist dort, wo Menschen in dieser Denktradition stehen. Bei der Frage von weiteren EU-Beitritten ist vor allem entscheidend, ob die Arten des Denkens kompatibel sind. Europa in diesem Sinn schließt eine Vielheit kultureller und religiöser Traditionen gerade nicht aus. Es geht darum, wie Einheit, wie ein geeintes Europa in der Vielheit kultureller und religiöser Traditionen gelebt werden kann.

Benefizkonzert im Stift Rein am 14. Mai 2011, 18.00 Uhr Ausführende: Militärmusik Steiermark, Leitung: Militärkapellmeister Oberstleutnant MMag. Dr. Hannes Lackner Chor „forum chororum“, Leitung: Mag. Franz Jochum Sopran: Anna Ryan Moderation: Oberstleutnant Michael Jedlicka
 
Programm: Richard Strauss:   Wiener Philharmoniker Fanfare Franz Liszt:    Huldigungsmarsch (Arr. László Marosi) Anton Bruckner:   Scherzo aus der 4. Symphonie Wolfgang Amadeus Mozart:  Regina Coeli (Arr. Franz Cibulka) Miloslav R. Procházka:  Polka „Mährische Freunde“ Ludwig Carl Seydler:  Steirische Landeshymne (Arr. Franz Cibulka) Johann Strauss:   Frühlingsstimmen Walzer (Arr. Franz Cibulka) Ernesto Lecuona:   Malaguena Georg Friedrich Händel:  Halleluja aus Messiah (Arr. Franz Cibulka)
 
 
 
 
 
Information zur Uraufführung der St. Georgs-Messe im Rahmen des Festgottesdienstes mit Militärbischof Mag. Christian Werner in der Stiftsbasilika Rein am 15. Mai 2011, 10.00 Uhr
 
Franz Cibulka: Messe zu Ehren des heiligen Georg („St. Georgs-Messe“) Ausführende: Militärmusik Steiermark, Leitung: Militärkapellmeister Oberstleutnant MMag. Dr. Hannes Lackner Chor „forum chororum“, Leitung: Mag. Franz Jochum Sopran: Anna Ryan
 
Viele Legenden ranken sich um Georg; zwei frühen syrischen Kircheninschriften zufolge starb Georg in Lydda - dem heutigen Lod in Israel - den Märtyrertod. Gleiches besagt auch ein Kanon von Papst Gelasius I. aus dem Jahr 494, der Georg als verehrungswürdige Gestalt erwähnt. Besondere Berühmtheit erlangte die Legende vom Kampf des Ritters Georg mit einem Drachen, der in einem See vor der Stadt Silena in Lybia hauste und die Stadt mit seinem Gifthauch verpestete. Die Einwohner mussten ihm täglich Lämmer opfern, um seinen Grimm zu stillen. Als keine Tiere mehr aufzutreiben waren, wurden die Söhne und Töchter geopfert. Eines Tages traf das Los die Königstochter - die als Verkörperung der Kirche gelten kann -, die nach Herz zerreißendem Abschied von den Eltern an den See vor der Stadt ging. Da erschien Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt worden war und von den Cherubim mit Michael wieder zum Leben und zu herrlicher Schönheit gebracht worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte. Er veranlasste die Königstochter, den Drachen mit ihrem Gürtel in die Stadt zu ziehen, wo alle die Flucht ergreifen wollten. Georg versprach, den Drachen zu töten, wenn die Leute sich zu Christus bekehrten. Er erschlug den Drachen, vier Paar Ochsen mussten das gewaltige Gewicht des Drachen aus der Stadt schleppen, der König ließ sich daraufhin mit allem Volk taufen. Diese Schilderung
entspricht der Georgsdichtung aus dem 12. Jahrhundert, die die Rolle des Helden betont, der die Kreuzfahrer unterstützt. Hinzuweisen ist auch auf die Ältesten, in der Georgslegende wieder auftauchenden, Vorstellungen von der heldenhaften Bekämpfung und Befreiung aus der Drachengewalt des Bösen durch ein neues Bewusstsein. Georg wurde von alters her besonders von den Soldaten verehrt. Diese Tradition des „Soldatenheiligen“ ist bis heute ungebrochen und so ist er auch der Diözesanpatron der österreichischen Militärdiözese.  Der bekannte steirische Komponist Franz Cibulka thematisiert in seiner Messe zu Ehren des heiligen Georg („St. Georgs-Messe“), der die deutschen Ordinariumstexte zugrundegelegt wurden, den Kampf gegen das Böse und den Sieg des Guten. Die sphärenhaften Klangwelten, die im Werk durchschritten werden, entwickeln für die feiernde Gemeinde gleichsam eine gefühlte Pilgerfahrt mit dem vorausschreitenden heiligen Georg zum Höhepunkt der Eucharistie. Der Komponist schuf mit der St. Georgs-Messe ein Werk, das von seiner Anlage her vielfältigste Aufführungsmöglichkeiten bietet, die den jeweiligen liturgischen Vorgaben, sowie den jeweiligen Aufführungsorten gerecht werden. So  kann die Messe mit verschiedensten Besetzungsvarianten, vom Ensemble bis zum Orchester, vom Quartett bis zum großen Chor, ja selbst mit einer einfachen „Volksgesang-Stimme“ zum Erklingen gebracht werden. Bei der Uraufführung der St. Georgs-Messe wird die Originalversion für Sopransolo, gemischten Chor und großes Blasorchester zu hören sein. Die Uraufführung dieser, durch das Militärordinariat der Republik Österreich angeregten, Komposition im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Basilika des Zisterzienserstiftes Rein  am Sonntag, den 15. Mai 2011, um 10 Uhr, bildet den Abschluss einer Benefizveranstaltung zugunsten der Renovierung der Deckenfresken in der Stiftsbasilika.

von Werner Freistetter   

Donnerstag, 12. Mai 2011

Nach den Anschlägen des 11. September 2001 bezeugten die meisten Staaten der Bevölkerung der USA nicht nur ihr Mitgefühl und ihre Solidarität, sondern es herrschte auch breite Übereinstimmung darüber, dass Terrorismus eine ernsthafte Bedrohung der internationalen Sicherheit darstellt und effiziente Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus ergriffen werden müssen.

Die USA antworteten mit dem „Krieg gegen den Terrorismus“. Dieser „war on terrorism“ wird als eine neuartige Form des Krieges verstanden, der auf die Angriffe des 11. September und die militärische Bedrohung durch internationale Terrornetzwerke reagiert. Damit verfolgen die USA einen breiten Ansatz, der militärische Operationen in Afghanistan und anderen Staaten umfasst, von denen aus die Terrororganisationen operieren. Weitere Maßnahmen beinhalten die Suche nach Verbündeten auf politischer und militärischer Ebene, wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen sowie tiefgreifende Gesetzesänderungen zur Verbesserung der nationalen Sicherheit.

Die USA beriefen sich auf ihr Recht auf Selbstverteidigung, entschieden sich für ein sehr eigenständiges Vorgehen mit Unterstützung verbündeter Staaten und konzentrierten sich in erster Linie auf militärische Maßnahmen. Das Konzept der Selbstverteidigung wurde erweitert und an die neuen Bedrohungen angepasst.

Gegen dieses Vorgehen wird mit Recht eine Reihe von rechtlichen und ethischen Einwänden erhoben.

Existierende und durchaus brauchbare Instrumente einer Strafverfolgung im Rahmen des internationalen Rechts wurden von den USA nicht verwendet. Das hätte Einbußen in der militärischen Handlungsfähigkeit bedeutet, wäre aber eine gute Gelegenheit gewesen, die Zusammenarbeit der Staaten im Bereich Strafrecht und Strafverfolgung zu verbessern, die Position des UN-Sicherheitsrats zu stärken und ein funktionsfähiges System kollektiver Sicherheit zu installieren.

Der UN-Sicherheitsrat hat das Recht der USA auf Selbstverteidigung nach den Anschlägen des 11. September bekräftigt und mehrere Resolutionen zur Terrorismusbekämpfung verabschiedet. Durch das eigenständige Vorgehen der USA wird seine Rolle bei der Terrorismusbekämpfung aber faktisch marginalisiert.

Eine einseitige Konzentration auf militärische Maßnahmen kann die bestehenden Spannungen noch verstärken und zum Wachstum terroristischer Gruppierungen beitragen. Siege auf taktischer Ebene können bei der Terrorismusbekämpfung nicht selten zu Rückschlägen auf strategischer und politischer Ebene führen.

Dass im Zuge des „war on terrorism“ menschenrechtliche Standards missachtet oder zurückgenommen werden, ist eine besonders beunruhigende Entwicklung der letzten Jahre. Zum Schutz der Bürger wurden klassische Bürgerrechte eingeschränkt, Terrorverdächtige zum Teil dem Schutz der Rechtsordnung entzogen und in tatsächlichen oder vorgeblichen rechtlichen Grauzonen operiert. Auf diese Weise werden letztlich die Herrschaft des Rechts und die Universalität der Grundrechte in Frage gestellt.

Inwieweit es berechtigt ist, global operierende terroristische Netzwerke wie Al-Qaida als quasistaatliche Akteure anzusehen und das Vorgehen gegen sie als bewaffneten Konflikt, ist umstritten. Ebenso umstritten ist die Berechtigung, militärische Operationen gegen sie in verschiedenen Staaten durchzuführen – mit oder ohne Zustimmung der jeweiligen Regierung.

Damit ist auch die Frage verbunden, welche Mittel bei der Terrorismusbekämpfung eingesetzt werden dürfen? Grundsätzlich sind Terrorverdächtige mutmaßliche Verbrecher, die im Zuge von innerstaatlichen oder staatenübergreifenden polizeilichen Maßnahmen zu verfolgen sind. Dabei sind die strikten gesetzlichen Bestimmungen für den Einsatz von Waffengewalt durch Polizeikräfte zu beachten. In diesem Fall ist eine etwaige Beteiligung des Militärs als Assistenzleistung anzusehen, die denselben Bestimmungen unterliegt. Wenn sich Terroristen an bewaffneten Konflikten beteiligen, gelten die Regeln des humanitären Völkerrechts. Das bedeutet, dass sie als militärische Ziele gelten und von den Gegnern angegriffen werden dürfen. Aber auch in diesem Fall gibt es Grundrechte, die für alle, auch für Terrorverdächtige, gelten: Kampfunfähige bzw. sich ergebende Gegner dürfen nicht getötet werden, Folter oder erniedrigende Behandlung sind verboten, ihre Menschenwürde ist zu achten. Terrorverdächtige dürfen angeklagt werden. Falls ihnen nichts nachzuweisen ist, müssen sie nach Beendigung des Konflikts wieder freigelassen werden.

Was bedeuten diese rechtlichen und moralischen Bedenken für einen Soldaten, der von seinem Staat im „war on terrorism“ eingesetzt wird? Muss er den Dienst quittieren bzw. desertieren? Wenn er der festen Überzeugung ist, durch seine Teilnahme persönlich schweres Unrecht zu begehen, darf und soll er seinem Gewissen folgen, sofern er bereit ist, die Folgen dieser Entscheidung zu tragen. In einem Rechtsstaat mit legitimer Regierung können Soldaten aber in aller Regel davon ausgehen, dass ihre Einsätze moralisch begründet sind und rechtlich geprüft wurden. In militärischen Einsätzen müssen Soldaten zudem oft rasche Entscheidungen treffen, deren Folgen sie nicht überblicken können oder in denen sie sich zwischen mehreren Übeln entscheiden müssen. Sofern sie nicht mit Gewissheit vom Unrecht ihres Handelns überzeugt sind, die Menschenrechte achten und sich an die Grundsätze des humanitären Völkerrechts halten, können sie ihre schwierigen Aufgaben verantwortungsvoll erfüllen.

Dass in Libyen schwerwiegende Verletzungen der Menschenrechte stattfinden und dass eine Verpflichtung der internationalen Gemeinschaft besteht, die bedrohten Menschen zu schützen, ist allgemein anerkannt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die laufende militärische Intervention  in dieser Form schon einfach ethisch legitim ist. Es bleiben wichtige Fragen offen...
 
von Werner Freistetter   
Freitag, 1. April 2011 

Die Vereinten Nationen verbieten ihren Mitgliedsstaaten jegliche militärische Angriffe. Ausgenommen sind Maßnahmen des Sicherheitsrats bei einer Verletzung dieses Angriffsverbots oder bei einer Gefährdung des Weltfriedens. Maßnahmen bei innerstaatlichen Konflikten sind in der UN-Charta nicht ausdrücklich vorgesehen. Besonders nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Frage immer drängender, wie die internationale Staatengemeinschaft auf Konflikte mit massiver Verletzung von Menschenrechten innerhalb eines Staates reagieren soll. Heute ist allgemein anerkannt, dass in solchen Fällen die internationale Gemeinschaft das Recht und die Pflicht hat einzuschreiten, um weitere Verletzungen der Menschenrechte zu verhindern. Eine überzeugende ethische Grundlage dafür ist das Konzept der „Verantwortung zu schützen“ (Responsibility to protect), das sich auch in UN-Dokumenten findet. Jeder Staat hat die Pflicht, seine eigene Bevölkerung zu schützen. Kann oder will er dieser Verpflichtung nicht nachkommen, ist die internationale Gemeinschaft berechtigt und verpflichtet, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen. Militärische Gewalt darf jedoch nur im äußersten Fall und zur Verhinderung schwerer und andauernder Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden, bei Völkermord, massiven Vertreibungen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
 
Auch die Resolution 1973/2011 des UN-Sicherheitsrats zu Libyen bezieht sich auf die „Verantwortung zu schützen“. Der Sicherheitsrat weist auf die Verpflichtung des Staates zum Schutz der eigenen Bevölkerung  hin. Er stellt fest, dass schwerwiegende systematische Menschenrechtsverletzungen stattfinden. Die Angriffe auf die Zivilbevölkerung könnten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft werden. Deshalb ermächtigt der Sicherheitsrat die UN-Mitgliedsstaaten „alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, … um von Angriffen bedrohte Zivilpersonen und von der Zivilbevölkerung bewohnte Gebiete“ in Libyen zu schützen. Damit sind auch militärische Einsätze völkerrechtlich legitimiert. Als konkrete Maßnahmen sind eine Flugverbotszone, ein Waffenembargo, ein Flugverbot für libysche Flugzeuge und das Einfrieren von Konten vorgesehen, aber keine Besetzung libyschen Territoriums. Dahinter steht auch die politische Hoffnung, die Demokratiebewegung in den arabischen Ländern unterstützen zu können.
 
Dass in Libyen schwerwiegende Verletzungen der Menschenrechte stattfinden und dass eine Verpflichtung der internationalen Gemeinschaft besteht, die bedrohten Menschen zu schützen, ist allgemein anerkannt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die laufende militärische Intervention  in dieser Form schon einfach ethisch legitim ist. Es bleiben wichtige Fragen offen: Sind die Maßnahmen tatsächlich geeignet, die Zivilbevölkerung wirksam zu schützen? Dieser Schutz muss jedenfalls oberste Priorität haben. Kann auf diesem Weg eine gerechte politische Lösung in absehbarer Zeit erreicht werden und wie soll eine solche Lösung aussehen? Es ist auch darauf zu achten, dass die Staaten, die sich an der Intervention beteiligen, nicht in erster Linie eigene Interessen verfolgen oder sich von Konfliktparteien instrumentalisieren lassen. Offen ist auch die Frage eines möglichen Ausstiegs für den Fall, dass die Luftschläge nicht den erwünschten Erfolg zeigen. Auch die Möglichkeit, eine Verhandlungslösung zu finden, muss offen gehalten werden. Militärische Mittel dürfen in jedem Fall nur dann zum Zug kommen, wenn keine andere Möglichkeit mehr zur Verfügung steht.
 
 
Ostern – jedes Jahr feiern wir dieses größte und wichtigste Fest aller Christen, wir feiern das Geheimnis von Tod und Auferstehung des Herrn. In vielen Ländern ist es zugleich auch ein Frühlingsfest. Das wird heuer besonders deutlich sein, weil Ostern auf einen sehr späten Termin fällt: Der Winter ist dann wohl wirklich vorbei, die ersten Blumen blühen längst, und die Bäume treiben aus. Nach einer längeren Zeit des Fastens und des Verzichts genießen die Christen wieder bewusst die Gaben der Natur. Sie schenken einander Ostereier – zum Zeichen des Lebens aus dem Grab heraus.
 
Die Verbindung von Ostern und Erwachen der Natur lässt heute viele Menschen vergessen, dass wir Christen nicht die Natur feiern, keine Baum- oder Frühlingsgötter, keinen ewigen mythischen Sieger über den Tod. Zu Ostern feiern wir ein ganz konkretes Ereignis: Ein Mensch, der vor über 2000 Jahren geboren wurde, hat die Menschen in Israel wieder daran erinnert, was Leben vor Gott und mit Gott bedeutet. Er wurde wie ein Verbrecher zum Tod verurteilt, ist am Kreuz gestorben und auf geheimnisvolle Weise auferstanden, wie viele Menschen bezeugt haben. Diese Zeugen haben seinen Tod und seine Auferstehung als einen überwältigenden Neubeginn er-lebt, als Befreiung von Sünde, Tod und Gewalt – eine Befreiung, die alle Menschen betrifft. Dieser Jesus war Mensch wie wir, aber im Licht der Auferstehung erkennen die Zeugen ihn als den Messias, als Erlöser und Sohn Gottes und diese Erfahrung haben sie weitergegeben bis zu uns. Hier ist die Mitte der Welt, hier liegt das Zentrum des Lebens für die Menschen, nicht im Blick auf die Naturmächte oder auf die jeweiligen menschlichen Autoritäten. Auf diesen Jesus, der am Kreuz gestorben ist, gerade auf ihn ist alles hingeordnet, durch ihn ist alles entstanden. Das Kreuz ist der Baum des Lebens.
 
In vielen Sprachen ist noch gut sichtbar, dass im österlichen Geheimnis, im „mysterium paschale“, noch ältere geschichtliche Befreiungserfahrungen aufgehoben sind. Ostern heißt „Pâques“ (frz.), πάσχα (griech.), Pasqua (ital.), Пасха (russ.), påsk (schwed.), pääsiäinen (finn.): Schon die Evangelisten bezeugen, dass Jesus vor seinem Tod noch das jüdische Pessach/Paschafest gefeiert hat. Ostern ist das neue Pessach, Jesus wird als das wahre Paschalamm gesehen, das für alle Menschen geopfert wird. Im Pessach-Fest feiern die Juden damals wie heute den Auszug aus Ägypten, die Befreiung von der Sklaverei, von der Herrschaft des Pharao. Die Erfahrung des Gottes Jahwe war von Anfang an mit dieser konkreten Befreiung aus dem „Sklavenhaus Ägypten“ verbunden. Diese Befreiung wurde später im Judentum wie im Christentum auch auf andere Zusammenhänge übertragen: auf die Befreiung von Gewalt und Ungerechtigkeit in der eigenen Gemeinschaft, auf die Befreiung von Ungehorsam gegenüber Gott, von Sünde oder von inneren Zwängen.
 
Ostern ist also nicht nur ein Fest der spirituellen Erbauung, sondern ein Fest der Freiheit und der Gerechtigkeit. Wenn wir in der Osterliturgie im Exsultet singen: „Dies ist die Nacht…“, dann versetzen wir uns nicht nur in die damalige Zeit zurück, sondern wir sind aufgefordert, die in Jesu Tod und Auferstehung vollzogene Befreiung aller Menschen in unsere Zeit zu versetzen und uns gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit hier und heute einzusetzen.
 
An solche Befreiungserfahrungen denken wir ganz besonders, wenn wir seit einigen Wochen die Nachrichten aus der arabischen Welt verfolgen. Wir tun das mit Freude, mit Anteilnahme, aber auch mit großer Sorge. In manchen Ländern konnten auf dem Weg großteils friedlicher Demonstrationen Reformen erzwungen und langjährige Regenten zur Abgabe ihrer Macht bewegt werden. Neue Medien und soziale Netzwerke haben bei der Organisation der Proteste eine wichtige Rolle gespielt. Dabei bleiben viele Fragen offen: In welche Richtung werden sich diese Staaten entwickeln? Welche Akteure werden den zukünftigen Kurs bestimmen? Welche Rolle wird das Militär dabei spielen? Was bedeutet das für die fragile Stabilität der Region und für den Nahostkonflikt? In welchen Staaten wird es weitere massive Proteste geben? Wird es dabei zu Gewalteskalationen kommen (wie in Libyen), und wie soll die internationale Gemeinschaft dann reagieren?
 
Beten wir für den Frieden,
- dass die Ereignisse dieses Winters zu einem Frühling für die arabische Welt werden,
- dass Demonstranten und Sicherheitskräfte von Gewaltanwendung Abstand nehmen,
- dass die große Gefahr von Bürgerkriegen und politischer Destabilisierung abgewendet werden kann,
- dass die Reformen zu mehr politischer Mitbestimmung und größerer sozialer Gerechtigkeit führen,
- dass die Rechte der Minderheiten geachtet werden
- und die Christen dort in Freiheit und Sicherheit als Christen leben können.
 
Mit großer Anteilnahme verfolge ich auch die Diskussion über die Reform des Österreichischen Bundesheers. Ich wünsche mir eine breite und sachliche öffentliche Diskussion. An ihrem Ende soll ein tragfähiger politischer Konsens darüber stehen, welche Organisationsform dem Wohl der Menschen und den aktuellen sicherheitspolitischen und militärischen Herausforderungen am besten entspricht und welche Ausrüstung, welche personellen und finanziellen Mittel dafür nötig sind. Welche Entscheidung auch immer getroffen wird: Die Militärseelsorge wird auch in Zukunft ihre Aufgaben für die Soldaten und ihre Familien erfüllen.
In Japan hat sich eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes ereignet. Lasst uns die Menschen in diesem Land in unser Gebet einschließen, die ihr Leben oder ihre Gesundheit, ihr Zuhause, ihre Lebensgrundlage, das Vertrauen in die Sicherheit ihrer Existenz verloren haben und die um ihre verstorbenen Verwandten und Freunde trauern.

Ich wünsche Ihnen allen ein friedvolles und gesegnetes Osterfest 2011!
 
Ihr
Mag. Christian Werner
Militärbischof für Österreich

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Adventimpulsplakate des Referats für Öffentlichkeitsarbeit und Medien

Jedes Jahr hin zum Advent stellt das Referat für Öffentlichkeitsarbeit und Medien den katholischen Militärpfarren Österreichs Impulsplakate zur Verfügung. Diese werden infolge in den Kasernen in den Schaukästen und vor... Weiterlesen

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