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Diözese

Aktuelles aus der Diözese

Sehr geehrte Angehörige des Bundesheeres!
Geschätzte Leserinnen und Leser unserer Homepage!


Zu Ostern feiern wir Christen das zentrale Geheimnis unseres Glaubens, die Erlösung aller Menschen durch den endgültigen Sieg Christi über Sünde und Tod in seiner Auferstehung. Auch in unseren Tagen ist Ostern für viele Menschen ein besonderes Fest, auch über den Kreis jener hinaus, die regelmäßig am liturgischen Leben der Kirche teilnehmen. Viele spüren die besondere, tiefe Symbolik, die sich in der Feier von Tod und Auferstehung Christi verbirgt und den österlichen Tagen ihre eigene Atmosphäre verleiht. Geht es doch dabei um die uralte und immer neue Sehnsucht des Menschen: dass es Leben aus dem Tod geben möge, Liebe und Versöhnung angesichts von Hass und Gewalt, Vergebung, die einen neuen Anfang schenkt, Einheit, die Zwietracht überwindet, und dass die Hoffnung auf eine neue Welt, in der Gerechtigkeit und Friede herrschen, nicht vergeblich sei.

Dies alles feiern wir Christen zu Ostern als eine von Gott, von Seiner Liebe erfüllte und zugesagte Wirklichkeit. Ein besonderes Zeichen der Einheit dürfen wir dieses Jahr in dem Umstand erkennen, dass heuer die Christenheit des Ostens und des Westens dieses große Fest, das sonst wegen der unterschiedlichen Kalendersysteme an verschiedenen Tagen gefeiert wird, wieder einmal am selben Tag feiert. Denn die Feier der Eucharistie, die ja den Höhepunkt der Osterfeiern bildet und jeden Sonntag sozusagen zu einem kleinen Ostefest macht, ist eine Feier jener Einheit, die von Gott geschenkt uns Menschen mit Ihm und untereinander verbindet, als Gabe und Aufgabe zugleich. Was wir Christen feiern, das soll unser Leben prägen und gestalten. Darauf weist Papst Benedikt XVI. eindringlich in seinem Apostolischen Schreiben über die Eucharistie, „Sacramentum caritatis“ („Sakrament der Liebe“), hin. Gegen Ende seines Schreibens spricht er von den „sozialen Implikationen des eucharistischen Mysteriums“, die wesenhaft in der Feier der Eucharistie enthalten sind und diese zentrale Feier unseres Glaubens mit unserem Leben und ganz besonders mit unserem Bemühen um Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden, aber auch mit der Bewahrung der Schöpfung verbinden.

Wer immer nämlich die Eucharistie feiert, der muss sich in einer von so vielen Konflikten, von Gewalt und vielfältiger Unterdrückung beherrschten Welt für jeden nur möglichen Weg zur Versöhnung, für mehr Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Es ist die Feier der Eucharistie selbst, die uns dazu antreibt: „Das Geheimnis der Eucharistie befähigt und drängt uns zu einem mutigen Einsatz in den Strukturen dieser Welt, um in sie jene Neuheit der Beziehungen hineinzutragen, die im Geschenk Gottes ihre unerschöpfliche Quelle hat“ (Nr. 91). Gerade für uns Soldaten bedeuten diese Worte unseres Papstes Ansporn und Ermutigung für unseren Einsatz im Dienst von Sicherheit und Frieden, bei dem es ja immer um konkrete Menschen geht, um den Schutz ihres Lebens, ihrer Rechte und ihrer Würde. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und allen Ihren Lieben ein segensreiches Osterfest.

 

Ihr
Mag. Christian Werner

Presseerklärungen; 12. bis 15. März 2007, Mönchhof

1. Papst Benedikt XVI. besucht Österreich

Mit großer Freude haben die österreichischen Bischöfe vom Apostolischen Nuntius im Rahmen der Vollversammlung erfahren, dass der Heilige Vater den Programmvorschlag der Österreichischen Bischofskonferenz für die Pastoralreise nach Österreich angenommen und bestätigt hat.

Die Apostolische Reise Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. nach Österreich findet aus Anlass des 850-Jahr-Jubiläums des Wallfahrtsortes Mariazell von 7. bis 9. September 2007 statt. Es ist dies heuer die bislang einzige Reise des Papstes in ein europäisches Land und somit eine hohe Auszeichnung für Österreich und ein großes Zeichen der Verbundenheit mit der Kirche in diesem Land. Folgende Stationen des Programms sind geplant:

Freitag, 7. September  
- Ankunft und Begrüßung in Wien-Schwechat am späten Vormittag  
- Gebet mit den Gläubigen in der Wiener Innenstadt (voraussichtlich um 12.45 Uhr)  
- Begegnung mit Vertretern des Öffentlichen Lebens und dem Diplomatischen Corps in der Hofburg

Samstag, 8. September
- Pilgerreise nach Mariazell  
- Heilige Messe mit Gläubigen aus Österreich und Mitteleuropa auf dem Vorplatz der Wallfahrtsbasilika (voraussichtlich um 10.30 Uhr)
- Vesper mit Priestern, Ordensleuten, Diakonen und Seminaristen in der Wallfahrtsbasilika (voraussichtlich um 16.45 Uhr)

Sonntag, 9. September
- Heilige Messe im Wiener Stephansdom (voraussichtlich um 10.00 Uhr)  
- Angelus-Gebet auf dem Stephansplatz (12.00 Uhr)  
- Besuch des Stiftes Heiligenkreuz  
- Begegnung mit Ehrenamtlichen aus Kirche und Gesellschaft in Wien  
- Abschiedsfeier am Flughafen Wien-Schwechat und Rückreise nach Rom

Nach Abschluss der erforderlichen Vorbereitungen wird der Heilige Stuhl voraussichtlich im Sommer das offizielle Programm der Apostolischen Reise von Papst Benedikt XVI. nach Österreich veröffentlichen.

 

2. 8. September 2007 in Mariazell

Anlass und Höhepunkt der Apostolischen Reise von Papst Benedikt XVI. nach Österreich ist seine Pilgerreise nach Mariazell zum 850-Jahr-Jubiläum des Wallfahrtsortes. Mit dem Volk Gottes pilgert Papst Benedikt XVI. am 8. September zur Magna Mater Austriae. Zehntausende Wallfahrer aus ganz Österreich und den mitteleuropäischen Nachbarländern werden nach Mariazell ziehen. Zu dieser historischen Pilgerreise mit dem Nachfolger Petri laden die österreichischen Bischöfe alle Gläubigen herzlich ein! Unmittelbar vor der Basilika, die nach der Renovierung in neuem Glanz erstrahlt, wird der Heilige Vater mit den Wallfahrern den Festgottesdienst feiern. Die Heilige Messe wird umrahmt sein von einem geistlichen Programm, das bereits in den frühen Morgenstunden beginnt und am Nachmittag fortgesetzt wird. Zum Abschluss wird Papst Benedikt XVI. in der Basilika mit Priestern, Ordensleuten, Diakonen und Seminaristen eine Vesper feiern.

Die Vorbereitungen für das geistliche Großereignis laufen seit Monaten, damit alle, die an diesem großen Fest des Glaubens mit dem Heiligen Vater teilnehmen wollen, dies in guter Weise tun können. Der Zutritt zu den Feierplätzen wird nur mit den kostenlosen Zählkarten möglich sein. Dazu ist es notwendig, dass sich alle rechtzeitig anmelden. Die Zählkarten können ab 16. April über die diözesanen Pilgerbüros schriftlich bestellt werden (siehe beiliegende Liste). Die dafür nötigen Unterlagen werden im Internet unter www.mariazell2007.at veröffentlicht und bereitgestellt.

Die diözesanen Pilgerbüros werden auch Busse organisieren. Nur jene, die am 8. September mit einem Pilgerbus oder zu Fuß nach Mariazell kommen, werden an den Feiern mit dem Heiligen Vater teilnehmen können. Seit 8. Dezember ist ein „Netz des Gebets“ in Form einer neunmonatigen Novene über ganz Österreich gespannt, an dem sich viele Pfarren und geistliche Gemeinschaften beteiligen. Die Novene ist die geistliche Vorbereitung auf die Apostolische Reise von Papst Benedikt XVI. nach Österreich, von der sich die Bischöfe eine Ermutigung im Glauben und eine Erneuerung der Kirche erhoffen.

 

3. Internationale Jugendwallfahrt nach Mariazell

Mariazell ist schon seit vielen Jahren ein Ort der Begegnung für Jugendliche aus Österreich und ganz Mitteleuropa. Jährlich pilgern tausende Jugendliche – oft zu Fuß – nach Mariazell und geben diesem Wallfahrtsort mit seiner 850-jährigen Geschichte ein jugendliches Antlitz.

Ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr ist die internationale Jugendwallfahrt, die von 12. bis 15. August in Mariazell stattfinden wird. Die österreichischen Bischöfe werden diese Tage gemeinsam mit den Jugendlichen in Mariazell verbringen und laden alle jungen Leute im Alter von 14 bis 25 Jahren herzlich ein, im August zum Hochfest Maria Himmelfahrt dorthin aufzubrechen. Die Jugendwallfahrt steht in Verbindung mit dem Papstbesuch am 8. September, zu dem alle Jugendlichen ebenso herzlich eingeladen sind.

Die Jugendlichen erwartet ein viertägiges Fest des Glaubens und der Begegnung mit einigen tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Kroatien, Slowenien, Polen, der Slowakei, Tschechien, Ungarn und aus Österreich. Die Wallfahrt besteht aus zwei Teilen: der Anreise – mit Auto, Bus, Bahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß – sowie dem viertägigen Jugendtreffen vor Ort. Die Unterbringung erfolgt, ähnlich wie bei der "Wallfahrt der Völker" im Jahr 2004, in einer großen Zeltstadt.

Am 19. März startet der Anmeldemodus für die internationale Jugendwallfahrt. Sie erfolgt über die Website www.mariazell2007.at/jugend. Aus organisatorischen Gründen ist die Anmeldung zur Wallfahrt (Gruppen- oder Einzelanmeldungen) über das Internet unbedingt notwendig. Auf der Website finden sich auch alle näheren Informationen über Anreise bzw. Wallfahrtsrouten, Programm, Workshopthemen und Unterbringung.

 

4. Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März 2007

Die Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März sind ein Zeichen der Lebendigkeit der mehr als 3.000 katholischen Pfarrgemeinden in Österreich. Die Pfarrgemeinderäte sind Ausdruck der Mitverantwortung der getauften und gefirmten Christen in der Kirche.

    Durch den Wahlvorgang wird insbesondere sichtbar:
*  Bereitschaft zum verantwortlichen Engagement. Christen – Frauen, Männer und Jugendliche – stellen sich für einen Zeitraum von fünf Jahren ehrenamtlich zur Verfügung. 

*  Zugehörigkeit zur Kirche. Die Gläubigen bringen durch ihre Stimmabgabe die Verbundenheit mit ihrer Pfarre zum Ausdruck. Durch das Familienwahlrecht sind alle Katholiken wahlberechtigt. Bei den letzten Pfarrgemeinderatswahlen vor fünf Jahren betrug die Wahlbeteiligung an die 22 Prozent. Dies ist ein Hinweis, dass die Zahl derer, die sich mit der Pfarrgemeinde verbunden fühlen, höher ist als die Zahl der allsonntäglichen Messbesucher.

*  Personelle Erneuerung. Im Zug der Pfarrgemeinderatswahlen gelingt über die Jahre hinweg ein natürlicher Ausgleich zwischen Kontinuität und Erneuerung.

*  Offenheit und Integrationsfähigkeit. Sehr verschiedene Menschen bringen in den Pfarrgemeinderäten ihre unterschiedlichen Talente ein. Wo in den Pfarrgemeinderäten um den ehrlichen Konsens gerungen wird, können sie als vorbildlich für die demokratische Gesprächskultur angesehen werden.

Die aktuellen „Fortschreibungen“ der Apostelgeschichte, die im Februar an Papst Benedikt XVI. überreicht wurden, haben eine ermutigend bunte Momentaufnahme der Lebendigkeit der Pfarren in Österreich zu Tage gebracht. Die Pfarrgemeinderäte setzen sich für ein Mehr an Glaube, Hoffnung und Liebe in den Gemeinden ein. Das Motto „Lebensräume gestalten – Glaubensräume öffnen“ ist ihr Programm.

 

5. Europa: 50 Jahre Römische Verträge

Vor 50 Jahren, am 25. März 1957, unterzeichneten in Rom die Regierungschefs von Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden den Vertrag über die „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“. Sie legten damit das rechtliche Fundament für den Prozess der Europäischen Integration, der schließlich zum Entstehen der Europäischen Union mit heute 27 Mitgliedsstaaten geführt hat. Geprägt von der Erfahrung der beiden vorangegangenen Weltkriege waren sie begeistert von der Vision eines Europa, in dem die Menschen in Frieden und Wohlstand leben und die alten Gegensätze und Trennungen zwischen den Völkern und Staaten überwinden.

Die Ereignisse des Jahres 1989 – der Fall des „Eisernen Vorhangs“, die „Samtene Revolution“ und die Tatsache, dass Europa „wieder mit beiden Lungenflügeln atmet“ – haben diese Vision der „Gründerväter“ bestätigt. Ihre Inspiration und ihre Zuversicht schöpften sie aus der zweitausendjährigen Tradition des Christentums, das Europas Geschichte wesentlich bestimmt hat.

Die österreichischen Bischöfe haben die Katholiken dieses Landes bereits öfters eingeladen, mit ihren Talenten und Fähigkeiten auf dem „Bauplatz Europa“ mitzuarbeiten. Eingedenk des Wortes „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut“ (Psalm 127), bitten wir die Gläubigen, am Sonntag, den 25. März, diese Arbeit – im Vertrauen auf Jesus Christus, den wir als die „Hoffnung Europas“ bezeugen – mit ihrem Gebet zu begleiten:

Wir bitten um die Weisheit, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Europa die notwendigen und richtigen Entscheidungen zum Wohl aller Menschen zu treffen;
Wir bitten um den Mut zur Gerechtigkeit, wenn es gilt, den Wohlstand und die Errungenschaften des Europäischen Integrationsprozesses unter allen Menschen gerecht zu verteilen;
Wir bitten um Entschlossenheit, um alten Vorurteilen entschieden entgegenzutreten und die Gräben der alten Feindschaften zwischen Völkern und Staaten zu überwinden;
Wir bitten um die Kraft zur Mäßigung, damit es uns gelingen kann, von anderen nicht mehr zu verlangen, als wir selbst zu geben bereit sind.

 

6. Kinderbetreuung

Christen sind Freunde des Lebens. Daher ist ihnen die Situation der Kinder und der Familien ein besonderes Anliegen. Zur aktuellen Diskussion um die Kinderbetreuung stellen die österreichischen Bischöfe fest: Mütter sollen wählen können zwischen Berufstätigkeit außerhalb der Familie oder daheim. Auch die Väter sind in die Kinderbetreuung einzubeziehen. Die Rollen von Mann und Frau haben sich weitgehend verändert und ändern sich weiter. Wesensunterschiede aber bleiben und gehören zum Reichtum des Menschseins. Es ist wichtig, dass Mutter und Vater in der Verschiedenheit des Zugangs in der Kinderbetreuung zusammenwirken. Nicht nur in den ersten drei Lebensjahren ist für Kinder die Zuwendung der Eltern von großer Bedeutung. Viele junge Ehepaare praktizieren das heute trotz aller Probleme in sehr eindrucksvoller Weise.

Im Interesse des Glücks der Kinder und ihrer Eltern muss alles getan werden, um Müttern und Vätern die Wahlmöglichkeit zu erschließen. Insbesondere die Arbeit der Mütter, die in den ersten Lebensjahren des Kindes zu Hause bleiben, muss entsprechend anerkannt werden. Zugleich ist selbstverständlich Vorsorge zu treffen, damit in ausreichendem Maß Kinderbetreuungseinrichtungen zur Verfügung stehen. Die Vereinbarkeit von Familienarbeit und Erwerbsarbeit ist jedenfalls eine wesentliche Voraussetzung für eine gedeihliche gesellschaftliche Entwicklung.

 

7. Bibelübersetzungen

Derzeit wird an einer Revision der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, des Gebetund Gesangbuches „Gotteslob“ und der liturgischen Bücher gearbeitet. Hier stellt sich überall die Frage der theologisch und spirituell richtigen und verantwortbaren Übersetzung der biblischen Texte. In diesem Zusammenhang haben sich die österreichischen Bischöfe auch mit der „Bibel in gerechter Sprache“ (herausgegeben von Ulrike Bail, Frank Crüsemann, Marlene Crüsemann u.a.) befasst.

Die Bischöfe machen sich die kritischen Stellungnahmen katholischer und auch evangelischer Bibelwissenschaftler zu eigen, in denen betont wird, dass die Bibel nicht als „Experimentierfeld zur Selbstdarstellung von Interessengruppen“ geeignet ist. Das wichtigste Kriterium ist und bleibt die Treue zum Urtext. Da eine Bibelübersetzung immer auch Auslegung ist, erinnern die Bischöfe an die vom Zweiten Vatikanischen Konzil genannten Kriterien:
*  Sorgfältig auf „den Inhalt und die Einheit der ganzen Heiligen Schrift“ achten,
*  die Heilige Schrift „in der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche“ lesen und
*  auf die „Analogie des Glaubens“ achten (darunter ist gemäß dem „Katechismus der Katholischen Kirche“ der „Zusammenhang der Glaubenswahrheiten untereinander und im Gesamtplan der Offenbarung“ zu verstehen).

Dadurch will das Konzil den Zugang zur Heiligen Schrift von einengenden Ideologien freihalten. Die Bischöfe stellen daher fest, dass die „Bibel in gerechter Sprache“ für den Gebrauch in der Liturgie, Katechese und im Religionsunterricht nicht geeignet ist. Auch für die Bibelarbeit kann diese Übersetzung nur bedingt herangezogen werden – und dies nur im Vergleich mit anderen authentischen Bibelübersetzungen. Auch für den persönlichen Gebrauch ist zu beachten, dass die Formulierungen der „Bibel in gerechter Sprache“ in die Gefahr „heilloser Verwirrungen“ führen, wie es der deutsche Theologe Thomas Söding formuliert.

 

8. „Lange Nacht der Kirchen“ am 1. Juni 2007

Am 1. Juni 2007 findet zum dritten Mal die ökumenisch getragene „Lange Nacht der Kirchen“ statt. In Wien, dem Ausgangspunkt des Projektes, in Linz und erstmals auch in Graz und Klagenfurt werden am Abend und in der Nacht des 1. Juni 2007 viele Gotteshäuser verschiedener christlicher Konfessionen offen stehen. Damit geben die christlichen Kirchen ein deutliches Lebenszeichen.

Die Besucherinnen und Besucher der „Langen Nacht“ haben die Gelegenheit zu Gebet und Meditation, zur Begegnung mit Kirche und Glauben. Auch die kulturelle Vielfalt der christlichen Kirchen wird eindrucksvoll vor Augen geführt. Viele hundert Programmpunkte, von den Pfarren selbständig gestaltet, werden die Menschen unterhalten, begeistern und miteinander ins Gespräch bringen. Mit jeweils mehr als 110.000 Besucherinnen und Besuchern hat die „Lange Nacht der Kirchen“ in den Jahren 2005 und 2006 gezeigt, dass auch der Kirche fernstehende Menschen Interesse an Kirche und Glauben haben.

Das Motto der Langen Nacht 2007 lautet: „Mein Seele sehnt sich nach dir in der Nacht, auch mein Geist ist voll Sehnsucht nach Dir.“ Dieses Zitat aus dem Jesaja-Buch der Bibel ist ein schönes Bild, denn viele Menschen suchen auf unterschiedliche Weise nach Gott. Allen gemeinsam ist die Sehnsucht nach Ihm. Der Gastgeber der „Langen Nacht der Kirchen“ ist zunächst Gott selber, aber es braucht die vielen Hände derer, die in den Pfarren und Kirchen die Tore öffnen.

St. Stephan, 13. März 2007


Es gilt das gesprochene Wort!

Eure Heiligkeit!
Verehrter Metropolit Michael!
Liebe Mitbrüder im bischöflichen Amt!
Liebe Brüder und Schwestern!

77 Mal soll ich verzeihen! Ein unmögliches Programm! Eine völlige Überforderung. Spätestens nach 7 Mal reicht es mir. Einmal ist es genug, einmal hat alles ein Ende! Einmal geht einem die Kraft aus, nochmals zu verzeihen. Schluss, Ende, Punktum! So enden unsere Beziehungen. So gehen die Ehen auseinander. Weil es einfach einmal zu viel ist. Weil jeder vernünftige Mensch sagt: Jetzt reicht es! Du kannst dir doch nicht alles gefallen lassen. Wo kommst du da hin, wenn du einfach immer nur verzeihst. Das wird dir früher oder später als Schwäche ausgelegt. Wenn du nicht "Stop" sagst, wird es noch schlimmer.
Wenn du immer verzeihst, wird der andere nur übermütig, du wirst ausgenützt, du bist der Dumme, du wirst sogar noch mitschuld an den Fehlern des anderen, wenn er sich daran gewöhnt, dass du ja immer verzeihst.

Macht das Evangelium lebensuntüchtig? So gelingt sicher nicht "the survival of the fittest", das Überleben des Stärkeren. Genauer: So überleben nur die Stärkeren, die Rücksichtslosen, die, die mit der Dummheit und Schwäche des anderen rechnen, weil er ja von seinem Christsein angehalten wird, immer zu verzeihen!

Leben wir deshalb das Evangelium nur halb, weil es ganz zu leben einfach nicht geht? Ist es eine Utopie, die als Lebensgrundlage für eine Gesellschaft nicht geeignet ist? Meint das Evangelium Jesu vielleicht einen Rat, den wohl der Einzelne zu leben versuchen kann, der aber sicher nicht geeignet ist, das "normale" Zusammenleben der Menschen zu regeln?

Die Frage stellt sich nicht nur für das gesellschaftliche Leben, sondern auch für das Miteinander der Christen. Kann Ökumene so gelebt werden, wie es das heutige Evangelium ausspricht? Müssen wir alle die vielen Lasten, die die Geschichte zwischen uns angehäuft hat, noch und noch vergeben, endlos, 77 Mal? Ist das lebbar? Ist das nicht auch eine Überforderung?

Heute, da wir eines der Großen der christlichen Ökumene gedenken, meines Vorgängers Kardinal Dr. Franz König, und da wir Seine Heiligkeit, dem Ökumenischen Patriarchen mit dem Namen und im Geist von Kardinal König für sein Bemühen - oft unter schwierigsten Bedingungen - um die Ökumene danken dürfen, ist es gut und recht, uns der ganzen Wucht der Frohen Botschaft auszusetzen und den Heiligen Geist, den Geber aller Gaben Gottes, zu bitten, dass das Evangelium Jesu uns bis ins Innerste erfasst und mit seiner Kraft erfüllt.

Dazu lädt uns die Kirche heute ein. Sie, die uns das Evangelium schenkt und lehrt, in der Form eines großen Bußgebetes. Es ist ein Gebet inmitten der größten Bedrängnis. Im Feuerofen, im heidnischen Babel, betet Asarja nicht gegen seine Verfolger. Er bittet nicht Gott um Rache gegen die, die ihn mit seinen Glaubensgenossen in den Tod schicken wollten. Das große Paradox dieses Gebetes ist die Bußgesinnung. Nicht die bösen Babylonier, die Feinde unserer Religion, sind an all unseren Nöten schuld: "Wir haben gesündigt und durch einen Treubruch gefrevelt und haben in allem gefehlt", so betet Asarja im Feuerofen (Dan 3,29). All das Unrecht, das wir erleiden, haben wir verdient. "Du bist gerecht in allem, was du getan hast. All deine Taten sind richtig, deine Wege gerade. All deine Urteile sind wahr" (Dan 3,27).

Wie sollten wir bei diesen Worten nicht an das erschütternde Gebet von Papst Johannes Paul II. vor dem großen Kreuz in St. Peter denken, am 1. Fastensonntag des Heiligen Jahres 2000?

Das Tor des Evangeliums ist die Selbstanklage, der "penthos", die "katharsis", die Reue und die Zerknirschung, die erst in der Erkenntnis der eigenen Sünden erwachen. "Wir haben gesündigt!" Durch dieses Bekenntnis tritt die Frohe Botschaft in unser Leben! Denn diese Einsicht in die eigene Schuld ist nur möglich durch die ihr vorausgehende Erfahrung der Rettung. Im Feuerofen erfahren die drei Jünglinge, dass Er sie rettet. Die Erfahrung der erbarmenden Liebe Gottes öffnet die Herzen zur tiefen Reue und Umkehr.

"Versag uns nicht dein Erbarmen! … Wir kommen mit zerknirschtem Herzen und demütigendem Sinn." Dieses reumütige Herz wird offen für die Wahrheit. Wie ist denn unsere Lage wirklich in der Welt? Genau so, wie Asarja sie im Gebet beschreibt: "Ach, Herr, wir sind geringer geworden als alle Völker. In aller Welt sind wir heute wegen unserer Sünden erniedrigt. Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten und keinen, der uns anführt …" (Dan 3,37-38).

Die Wahrheit ist lebbar. Die Lüge nicht. Die Selbsttäuschung ist kein gangbarer Weg. Ist das Evangelium lebbar? Müssen wir nicht anders fragen? Ist ein anderer Weg als das Evangelium lebbar? Ist der Anfang allen lebbaren Lebens nicht, dass uns ein umfassendes Ja zugesagt ist? Ein nie einholbares, unerschöpfliches Erbarmen, ein Wohlwollen ohne Grenzen? 10.000 Talente - eine Summe, die einem großen Staatsbudget entspricht - schuldet "der Mensch". Was uns geschenkt ist, kann nie ein Verdienst einholen. Unsere Geschöpflichkeit ist eine uneinholbare Vorgabe, ein Übermaß an Zuwendung, ein Erbarmen, das keine menschliche Großherzigkeit je auch nur annähernd einholen kann. Was sind dagegen unsere armseligen 100 Denare, die wir einander schulden? Wie können wir die totale Disproportion zwischen Gottes maßloser Vorgabe und unseren kleinen Konflikten so wenig erkennen? Wie können wir so völlig an der Realität vorbei leben?

Nicht das Evangelium ist irreal, sondern wir. Nicht die Forderung Jesu, 77 Mal zu verzeihen, ist utopisch, sondern unsere Kleingeisterei, mit der wir beckmesserisch unsere Gerechtigkeit einfordern!

Das Evangelium fordert nicht einen utopischen Staat ohne Gerechtigkeit, nicht einen Verzicht auf jedes Maß zwischenmenschlichen Ausgleichs, sondern vielmehr gibt es uns die richtigen Maße vor: Vor aller menschlichen Gerechtigkeit steht das Vorzeichen unserer Ungerechtigkeit. Über allen menschlichen Forderungen uns ihrer relativen Berechtigung steht das absolute Maß der göttlichen Barmherzigkeit. Sie ist, so erinnert uns Papst Johannes Paul II., im Anschluss an die Heilige Schwester Faustyna, den Heilige Thomas von Aquin und die große christliche Tradition, das größte aller Attribute Gottes. Sie ist deshalb auch das Maß aller menschlichen Vollkommenheit, und damit aller gelungenen Menschlichkeit, und der wahre Horizont, vor dem alles Zusammenleben der Menschen erst den Namen "menschlich" verdient:

"Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist" (Mt 5,48) und Jesus erklärt selber, was das heißt: "Seid barmherzig, wie euer himmlischer Vater barmherzig ist" (Lk 6,36).

Ein Bericht von Mag. Peter Papst, Militärsuperior   
 
Der Militärbischof von Österreich Mag. Christian Werner bekam am 27. Februar 2007 von Bundespräsidenten Heinz Fischer das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Im Rahmen dieses Festaktes wurden auch Kardinal Schönborn, Bischof Küng, Bischof Iby und Weihbischof Krätzl durch die Republik Österreich ausgezeichnet.
 
An der feierlichen Zeremonie in den Räumen der Wiener Hofburg nahmen der Apostolische Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, Bildungsministerin Claudia Schmied, der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, der Burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl und der Niederösterreichische Landtagspräsident Edmund Freibauer teil.
 
In seiner Laudatio betonte Bundespräsident Fischer das praktizierende Prinzip der Kooperation zwischen Kirche und Staat, welches nicht nur im Konkordat seinen verfassungsrechtlichen Niederschlag gefunden hat, sondern auch die Lebensrealität der Zweiten Republik prägt.  Staat und Kirche seien in Österreich „heute weder Zwillinge noch Antipoden“, betonte der Bundespräsident. „Sie haben unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Verantwortlichkeiten und unterschiedliche Legitimationen und dennoch wichtige gemeinsame Interessen. Sie sind dem einzelnen Menschen, dem Individuum und auch der Gesellschaft als Ganzes verpflichtet“. Fischer betonte, „dass der Staat die wichtige und wertvolle Rolle der Religionsgemeinschaften respektiert und dass die Kirche unseren Staat in jener Ausprägung respektiert wie sie durch unsere demokratische Verfassung gegeben ist. Beide arbeiten vertragstreu und harmonisch zusammen“.
 
Außerdem habe sich die Überzeugung durchgesetzt, dass das Eintreten für ein bestimmtes Menschenbild mit parteipolitischer Neutralität prinzipiell vereinbar sei und auch praktiziert werde, betonte Fischer. Es sei aber legitim, nicht zu verschweigen, dass es auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Kirche und Staat oder genauer zwischen Exponenten der Politik und Exponenten der Kirche geben kann. Die Konfliktlinien verlaufen aber nicht „primär zwischen Kirche und Politik, sondern innerhalb jener pluralistischen Gesellschaft, in der auch die Kirche wirkt und tätig ist“.
 
Mit dieser Auszeichnung, so der Bundespräsident, soll nicht nur die Rolle der Kirche für wichtige Bereiche unserer Gesellschaft hervorgehoben werden, sondern dass auch „ganz besonders einzelne herausragende Persönlichkeiten mit ihren individuellen Bemühungen und Leistungen gewürdigt werden“ sollen.
 
Bundespräsident Fischer bedankte sich bei den Bischöfen für ihr Engagement zugunsten der sozial Schwachen und Ausgegrenzten, für ihre klaren Worte gegen Ausländerfeindlichkeit und jede Form von Rassismus sowie deren Einsatz für das Schul- und Bildungswesen und den friedlichen Dialog der Kulturen und Religionen.
 
In besonderer Weise unterstrich der Bundespräsident  die klare Position der Kirche zum Thema Frieden, zur Ablehnung aller Versuche nationale oder internationale Probleme einfach durch Gewalt zu lösen.
 
Besonders hervorzuheben sind die Verdienste von Militärbischof Christian Werner im Bereich der Bildung und der Friedensarbeit, entsprechend seines bischöflichen Wahlspruches: "Christus Pax Nostra". Das von ihm 1997 gegründete „Institut für Religion und Frieden beim Militärbischofsamt“, beschäftigt sich mit Fragen der ethischen und religiösen Dimension der Sicherheits- und Friedenspolitik: Österreich-bezogen, Europa-bezogen und weltweit.
 
„Die Katholische Kirche ist auch eine wichtige Institution, wenn es um die Verwaltung und Pflege unschätzbarer Kulturgüter geht“, betonte der Bundespräsident  und dankte u. a. Militärbischof Werner für die Wiedererrichtung der Wallfahrtskirche Stup bei Sarajevo. Dort erfolgte die Finanzierung des Aufbaus der bis auf die Grundmauern zerstörten internationalen Wallfahrtskirche Stup, mit Hilfe von SFOR-Soldaten und Soldaten des österreichischen Bundesheeres.
 
Zum Abschluss seiner Laudatio betonte der Bundespräsident die gute gemeinsame Vorbereitung auf den offiziellen Besuch Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. im September des heurigen Jahres. Diese Vorbereitungen sind ein Beweis für „das hohe Niveau, das die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat in Österreich erreicht hat“. Daran weiterzuarbeiten, sei das gemeinsame Ziel.
 
Kardinal Schönborn betonte in seinen Dankesworten die tiefe Verbundenheit der Bischöfe mit der österreichischen Heimat. Die Auszeichnung der Bischöfe, als Vertreter der Katholischen Kirche, sei nach all den schmerzlichen Erfahrungen der Zwischenkriegszeit nicht selbstverständlich. Es sei u. a.  durch den Einsatz von Kardinal Franz König gelungen, ein gutes Kooperationsverhältnis mit dem Staat herzustellen. Die katholische Kirche verstehe sich heute als dienende Kirche, die mit ihrem Sinn- und Glaubensangebot in einer freien Gesellschaft die Menschen erreichen wolle. Durch die Auszeichnung der Bischöfe anerkennt die Republik die Leistungen der Kirche auf allen Ebenen für das Land. Daher gilt auch der Dank an die kirchlichen Mitarbeiter/innen und damit auch an das ganze gläubige Volk.
 
Der Kardinal betonte, dass es nicht um persönliche Verdienste gehe, sondern um die Erkenntnis, dass alles Gnade ist und zitiert den Kirchenvater Augustinus, der einmal zu Gott gesagt habe: „Wenn du unsere Verdienste krönst, dann krönst du deine Gaben“. „Denn so sehr wir uns redlich bemühen, so sehr ist es uns bewusst, dass alles Gabe beziehungsweise Gnade ist“, betonte Kardinal Schönborn.
 
Die Angehörigen der Militärdiözese freuen sich mit ihrem Militärbischof Mag. Christian Werner und gratulieren zu dieser hohen und ehrenvollen Auszeichnung sehr herzlich!
1. Jänner 2007

DER MENSCH – HERZ DES FRIEDENS
 
1. Zu Beginn des neuen Jahres möchte ich den Regierenden und den Verantwortlichen der Nationen sowie allen Menschen guten Willens meinen Friedenswunsch übermitteln. Ich richte ihn besonders an alle, die sich in Schmerz und Leid befinden, die unter der Bedrohung durch Gewalt und bewaffnete Auseinandersetzungen leben oder deren Würde mit Füßen getreten wird und die auf ihre menschliche und gesellschaftliche Befreiung warten. Ich richte ihn an die Kinder, die mit ihrer Unschuld die Menschheit reicher an Güte und Hoffnung werden lassen und durch ihren Schmerz uns alle anregen, uns zu Wegbereitern der Gerechtigkeit und des Friedens zu machen. Gerade im Gedanken an die Kinder, besonders an diejenigen, deren Zukunft gefährdet ist durch die Ausbeutung und Schlechtigkeit skrupelloser Erwachsener, wollte ich, daß sich anläßlich des Weltfriedenstages die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Thema ,,Der Mensch – Herz des Friedens’’ konzentriere. Ich bin nämlich überzeugt, daß durch die Achtung der Person der Friede gefördert wird und daß mit der Herstellung des Friedens die Voraussetzungen geschaffen werden für einen authentischen ,,ganzheitlichen Humanismus’’. Auf diese Weise wird eine unbeschwerte Zukunft für die folgenden Generationen vorbereitet.
 
Der Mensch und der Friede: Gabe und Aufgabe
 
2. Die Heilige Schrift sagt: »Gott schuf den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie« (Gen 1,27). Da er nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, hat der Mensch die Würde, Person zu sein; er ist nicht bloß etwas, sondern jemand, der imstande ist, sich zu erkennen, über sich Herr zu sein, sich in Freiheit hinzugeben und in Gemeinschaft mit anderen Personen zu treten. Zugleich ist er aus Gnade zu einem Bund mit seinem Schöpfer berufen, um diesem eine Antwort des Glaubens und der Liebe zu geben, die niemand anderer an seiner Stelle geben kann  (1) . Aus dieser wunderbaren Perspektive versteht man die dem Menschen anvertraute Aufgabe, in der Liebefähigkeit selbst zu reifen und der Welt zum Fortschritt zu verhelfen, indem er sie in der Gerechtigkeit und im Frieden erneuert. In einer eindrucksvollen Synthese lehrt der hl. Augustinus: »Gott, der uns ohne uns erschaffen hat, wollte uns nicht ohne uns erlösen«(2). Darum ist es eine Pflicht aller Menschen, das Bewußtsein des Doppelaspekts der Gabe und der Aufgabe zu pflegen.
 
3. Auch der Friede ist Gabe und Aufgabe zugleich. Wenn es wahr ist, daß der Friede zwischen den Einzelnen und den Völkern — die Fähigkeit, nebeneinander zu leben und Beziehungen der Gerechtigkeit und der Solidarität zu knüpfen — eine Verpflichtung darstellt, die keine Unterbrechung kennt, trifft es auch und sogar noch mehr zu, daß der Friede ein Geschenk Gottes ist. Der Friede ist nämlich ein Merkmal des göttlichen Handelns, das sowohl in der Erschaffung eines geordneten und harmonischen Universums zum Ausdruck kommt, als auch in der Erlösung der Menschheit, die es nötig hat, aus der Unordnung der Sünde zurückgewonnen zu werden. Schöpfung und Erlösung bieten also den Schlüssel zum Verständnis des Sinnes unseres Daseins auf der Erde. Mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. sagte in seiner Ansprache vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 5. Oktober 1995: »Wir leben nicht in einer irrationalen, sinnlosen Welt [...] es gibt eine moralische Logik, die das menschliche Dasein erleuchtet und den Dialog zwischen den Menschen und den Völkern ermöglicht«(3). Die transzendente "Grammatik", d. h. die Gesamtheit von Regeln des individuellen Handelns und des Sich-aufeinander-Beziehens der Menschen nach Gerechtigkeit und Solidarität ist in die Gewissen eingeschrieben, in denen sich der weise Plan Gottes widerspiegelt. Ich habe es erst kürzlich bekräftigt: »Wir glauben, daß das ewige Wort, die Vernunft am Anfang steht und nicht die Unvernunft«(4) . Der Friede ist also auch eine Aufgabe, die jeden zu einer persönlichen, mit dem göttlichen Plan übereinstimmenden Antwort verpflichtet. Das Kriterium, nach dem sich diese Antwort ausrichten muß, kann nur die Achtung der von seinem Schöpfer ins Herz des Menschen eingeschriebenen "Grammatik" sein.
Aus dieser Sicht sind die Normen des natürlichen Rechtes nicht als Vorschriften zu betrachten, die von außen auferlegt werden, als stellten sie die menschliche Freiheit unter Zwang. Sie müssen im Gegenteil als eine Berufung angenommen werden, den universalen göttlichen Plan, der in die Natur des Menschen eingeschrieben ist, treu zu verwirklichen. Geleitet von diesen Normen, können die Völker — innerhalb der jeweiligen Kulturen — dem größten Geheimnis näherkommen, dem Mysterium Gottes. Die Anerkennung und die Achtung des natürlichen Rechtes bilden daher auch heute die große Basis für den Dialog zwischen den Gläubigen der verschiedenen Religionen und zwischen Gläubigen und Glaubenslosen. Das ist ein großer Konvergenzpunkt und somit eine fundamentale Voraussetzung für einen authentischen Frieden.
 
Das Recht auf Leben und Religionsfreiheit
 
4. Die Pflicht zur Achtung der Würde jedes Menschen, in dessen Wesen sich das Bild des Schöpfers widerspiegelt, beinhaltet konsequenterweise, daß man über die menschliche Person nicht nach Belieben verfügen darf. Wer sich der größeren politischen, technologischen und ökonomischen Macht erfreut, darf sich ihrer nicht bedienen, um die Rechte der Anderen, weniger Erfolgreichen zu verletzen. Der Friede gründet sich nämlich auf die Berücksichtigung der Rechte aller. In diesem Bewußtsein macht sich die Kirche zur Verfechterin der Grundrechte jedes Menschen. Im besonderen fordert sie die Achtung des Lebens und der Religionsfreiheit ein. Die Achtung des Rechtes auf Leben in jeder Lebensphase setzt einen Fixpunkt von entscheidender Bedeutung: Das Leben ist ein Geschenk, über das das Individuum kein vollständiges Verfügungsrecht besitzt. In gleicher Weise stellt die Behauptung des Rechtes auf Religionsfreiheit den Menschen in Beziehung zu einem transzendenten Prinzip, das ihn der menschlichen Willkür entzieht. Das Recht auf Leben und auf die freie Äußerung des eigenen Glaubens an Gott ist nicht der Macht des Menschen unterworfen. Der Friede bedarf der Festsetzung einer klaren Grenzlinie zwischen dem, was verfügbar, und dem, was nicht verfügbar ist: So werden unannehmbare Eingriffe in den Bestand jener Werte vermieden, die dem Menschen als solchem eigen sind.
 
5. Was das Recht auf Leben betrifft, so ist es geboten, die Marter anzuprangern, die ihm in unserer Gesellschaft zugefügt wird: Neben den Opfern der bewaffneten Konflikte, des Terrorismus und der verschiedenen Formen von Gewalt gibt es das lautlose Sterben durch Hunger, Abtreibung, Experimente an Embryonen und durch Euthanasie. Muß man nicht in alldem einen Angriff auf den Frieden sehen? Abtreibung und Experimente an Embryonen sind das direkte Gegenteil einer Grundhaltung der Annahme des Anderen, die zur Herstellung dauerhafter Friedensbeziehungen unentbehrlich ist. Ein weiteres besorgniserregendes Symptom für den Mangel an Frieden in der Welt stellen — in bezug auf die freie Äußerung des eigenen Glaubens — die Schwierigkeiten dar, denen sowohl die Christen als auch die Anhänger anderer Religionen häufig begegnen, wenn es sich darum handelt, die eigenen religiösen Überzeu- gungen öffentlich und frei zu bekennen. Speziell auf die Christen bezogen, muß ich schmerzlich feststellen, daß sie manchmal nicht nur behindert werden; in einigen Staaten werden sie sogar verfolgt, und selbst in jüngster Zeit mußten tragische Fälle grausamer Gewalt verzeichnet werden. Es gibt Regime, die allen eine Einheitsreligion aufzwingen, während religiös indifferente Regierungen nicht eine gewaltsame Verfolgung schüren, wohl aber eine systematische kulturelle Verhöhnung religiöser Überzeugungen begünstigen. In jedem Fall wird ein menschliches Grundrecht mißachtet, was schwere Auswirkungen auf das friedliche Zusammenleben nach sich zieht. Das fördert unweigerlich eine Mentalität und eine Kultur, die dem Frieden abträglich sind.
 
Die naturgegebene Gleichheit aller Menschen
 
6. An der Wurzel nicht weniger Spannungen, die den Frieden bedrohen, liegen sicherlich die vielen ungerechten Ungleichheiten, die tragischerweise noch in der Welt vorhanden sind. Besonders bedrohlich sind darunter einerseits die Unterschiede in der Möglichkeit, die wesentlichen Güter wie Nahrung, Wasser, ein Zuhause und die Gesundheit zu erlangen, und andererseits die fortdauernde Ungleichheit von Mann und Frau in der Ausübung der fundamentalen Menschenrechte.
Ein Element von größter Wichtigkeit für die Herstellung des Friedens ist die Anerkennung der wesentlichen Gleichheit unter den Menschen, die aus ihrer gemeinsamen transzendenten Würde hervorgeht. Die Gleichheit auf dieser Ebene ist also ein zu jener natürlichen ,,Grammatik’’ gehörendes Gut aller, das aus dem göttlichen Schöpfungsplan ableitbar ist – ein Gut, das nicht mißachtet oder geringgeschätzt werden kann, ohne schwerwiegende Auswirkungen zu verursachen, die den Frieden gefährden. Die äußerst schwere Not, unter der viele Völker vor allem des afrikanischen Kontinents leiden, ist der Ursprung gewaltsamer Einforderungen der Ansprüche und stellt deshalb eine schreckliche Verletzung des Friedens dar.
 
7. Auch die unzureichende Beachtung der Lage der Frau bringt in das soziale Gleichgewicht Faktoren der Unbeständigkeit hinein. Ich denke an die Ausbeutung von Frauen, die wie Objekte behandelt werden, und an die vielen Formen mangelnder Achtung vor ihrer Würde; ich denke auch — in anderem Zusammenhang — an die in einigen Kulturen fortdauernden anthropologischen Vorstellungen, die der Frau eine Stellung zuweisen, die sie in starkem Maße der Willkür des Mannes unterwirft, mit Konsequenzen, die die Würde ihrer Person verletzten und die Inanspruchnahme ihrer grundlegenden Freiheiten beschneiden. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, daß der Friede gesichert sei, solange nicht auch diese Formen der Diskriminierung überwunden sind, welche die jedem Menschen vom Schöpfer verliehene persönliche Würde verletzen (5).
 
Die »Ökologie des Friedens«
 
8. Johannes Paul II. schreibt in der Enzyklika Centesimus annus: »Nicht allein die Erde ist dem Menschen von Gott gegeben worden, damit er unter Beachtung ihrer ursprünglichen Zielsetzung zum Guten von ihr Gebrauch machen soll, sondern der Mensch selbst ist sich von Gott geschenkt worden und muß darum die natürliche und moralische Struktur, mit der er ausgestattet wurde, respektieren« (6). Wenn der Mensch sich dieser, ihm vom Schöpfer anvertrauten Aufgabe entsprechend verhält, kann er gemeinsam mit seinen Mitmenschen eine Welt des Friedens erstehen lassen. Neben der Ökologie der Natur gibt es also auch eine — wie man es ausdrücken könnte — "Humanökologie", die ihrerseits eine "Sozialökologie" erfordert. Und das bedeutet, daß sich die Menschheit, wenn ihr der Frieden am Herzen liegt, die bestehenden Verbindungen zwischen der Natur-Ökologie — also der Rücksicht auf die Natur — und der auf den Menschen bezogenen Ökologie immer mehr vor Augen halten muß. Die Erfahrung zeigt, daß jede Rücksichtslosigkeit gegenüber der Umwelt dem menschlichen Zusammenleben Schaden zufügt und umgekehrt. Immer deutlicher tritt der untrennbare Zusammenhang zwischen dem Frieden mit der Schöpfung und dem Frieden unter den Menschen in Erscheinung. Der eine wie der andere setzt den Frieden mit Gott voraus. Das als "Sonnengesang" bekannte poetische Gebet des heiligen Franziskus ist ein wunderbares, stets aktuelles Beispiel für diese mannigfaltige Ökologie des Friedens.
 
9. Wie eng dieser Zusammenhang zwischen der einen und der anderen Ökologie ist, können wir anhand des täglich wachsenden Problems der Energieversorgung verstehen. In diesen Jahren sind neue Nationen mit Elan in die industrielle Produktion eingestiegen und haben dadurch den Energiebedarf erhöht. Das verursacht einen Wettlauf zu den verfügbaren Ressourcen, der mit früheren Situationen nicht zu vergleichen ist. Gleichzeitig lebt man in einigen Teilen der Erde noch in Verhältnissen eines großen Rückstandes, in denen die Entwicklung — auch aufgrund der Erhöhung des Energiepreises — praktisch verhindert wird. Was soll aus diesen Völkern werden? Welche Art der Entwicklung oder Nicht-Entwicklung wird ihnen durch die Energieknappheit aufgezwungen werden? Welche Ungerechtigkeiten und Antagonismen wird der Wettlauf zu den Energiequellen auslösen? Und wie werden diejenigen reagieren, die von diesem Wettlauf ausgeschlossen bleiben? Das sind Fragen, die deutlich werden lassen, wie eng die Rücksicht auf die Natur mit der Notwendigkeit verbunden ist, zwischen den Menschen und den Nationen Beziehungen zu knüpfen, die auf die Würde der Person achten und fähig sind, ihre wirklichen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Zerstörung der Umwelt, ein unangemessener und egoistischer Umgang mit ihr und der gewaltsame Aufkauf ihrer Ressourcen erzeugen Verletzungen, Konflikte und Kriege, eben weil sie die Frucht eines unmenschlichen Entwicklungs-Konzepts sind. Eine Entwicklung, die sich nur auf den technisch-wirtschaftlichen Aspekt beschränken würde und die ethisch-religiöse Dimension vernachlässigte, wäre nämlich keine ganzheitliche menschliche Entwicklung und würde schließlich wegen ihrer Einseitigkeit die zerstörerischen Fähigkeiten des Menschen antreiben.
 
Verkürzte Menschenbilder
 
10. Darum eilt es — wenn auch im Rahmen der aktuellen Schwierigkeiten und internationalen Spannungen —, sich darum zu bemühen, eine Humanökologie ins Leben zu rufen, die dem ,,Baum des Friedens’’ zum Wachstum verhilft. Um eine solche Unternehmung anzugehen, ist es notwendig, sich von einem Menschenbild leiten zu lassen, das nicht durch ideologische und kulturelle Vorurteile oder durch politische und wirtschaftliche Interessen verdorben ist, die zu Haß und Gewalt verführen. Es ist verständlich, daß das Menschenbild in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich ist. Unannehmbar ist dagegen, wenn anthropologische Vorstellungen gehegt werden, die in sich selbst den Keim des Kontrastes und der Gewalt tragen. Ebenso inakzeptabel sind Gottesvorstellungen, die Unduldsamkeit gegenüber den Mitmenschen erregen und zur Anwendung von Gewalt ihnen gegenüber anspornen. Das ist ein Punkt, der in aller Klarheit bekräftigt werden muß: Ein Krieg im Namen Gottes ist niemals gutzuheißen! Wenn eine gewisse Auffassung von Gott den Ursprung verbrecherischer Handlungen bildet, ist das ein Zeichen dafür, daß diese Auffassung sich bereits in eine Ideologie verwandelt hat.
 
11. Heute ist jedoch der Friede nicht nur in Frage gestellt durch den Konflikt zwischen den verschiedenen verkürzten Menschenbildern, bzw. zwischen den Ideologien. Er ist es auch durch die Gleichgültigkeit gegenüber dem, was die wahre Natur des Menschen ausmacht. Viele Zeitgenossen leugnen nämlich die Existenz einer spezifischen menschlichen Natur und ermöglichen so die verschrobensten Interpretationen dessen, was wesentlich zum Menschen gehört. Auch hier bedarf es der Klarheit: eine ,,schwache’’ Sicht des Menschen, die jeder auch exzentrischen Vorstellung Raum gibt, begünstigt nur augenscheinlich den Frieden. In Wirklichkeit behindert sie den echten Dialog und öffnet dem Dazwischentreten autoritärer Zwänge den Weg. So läßt sie schließlich den Menschen selbst schutzlos dastehen, und er wird zur einfachen Beute von Unterdrückung und Gewalt.
 
Menschenrechte und internationale Organisationen
 
12. Ein echter und haltbarer Friede setzt die Achtung der Menschenrechte voraus. Wenn diese Rechte sich jedoch auf ein schwaches Menschenbild gründen, wie sollten dann nicht auch sie selber geschwächt sein? Hier wird das tiefe Ungenügen einer relativistischen Auffassung vom Menschen offenbar, wenn es sich darum handelt, seine Ansprüche zu rechtfertigen und seine Rechte zu verteidigen. Die Aporie ist in diesem Fall offenkundig: Die Rechte werden als absolut hingestellt, aber das Fundament, das man für sie anführt, ist nur relativ. Ist es dann verwunderlich, wenn angesichts der "unbequemen" Forderungen des einen oder anderen Rechtes jemand aufsteht, um es anzufechten oder seine Marginalisierung zu beschließen? Nur wenn sie in objektiven Ansprüchen der dem Menschen von Gott gegebenen Natur verwurzelt sind, können die ihm zuerkannten Rechte durchgesetzt werden, ohne daß ihre Widerrufung zu befürchten ist. Im übrigen ist es offensichtlich, daß die Rechte des Menschen für ihn auch Pflichten beinhalten. Mahatma Gandhi hat seine Meinung dazu in den schönen Worten zum Ausdruck gebracht: »Der Ganges der Rechte fließt vom Himalaja der Pflichten herab.« Nur wenn über diese Grundvoraussetzung Klarheit geschaffen wird, können die Menschenrechte, die heute ständigen Angriffen ausgesetzt sind, in angemes- sener Weise verteidigt werden. Ohne eine solche Klarheit verwendet man schließlich denselben Ausdruck — eben den Begriff "Menschenrechte" — und verbindet damit sehr unterschiedliche Vorstellungen von seinem Subjekt: Für einige ist es die menschliche Person, die durch eine ständige Würde und durch Rechte ausgezeichnet ist, die stets, überall und jedem gegenüber gültig sind; für andere ist es der Mensch mit veränderlicher Würde und mit Rechten, die immer neu ausgehandelt werden können: in ihren Inhalten, ihrer zeitlichen Dauer und ihrem Geltungsbereich.
 
13. Auf den Schutz der Menschenrechte beziehen sich beständig die internationalen Organe und besonders die Organisation der Vereinten Nationen, die sich mit der Allgemeinen Erklärung von 1948 die Förderung dieser Rechte als fundamentale Aufgabe vorgenommen hat. Diese Erklärung wird wie eine Art von der gesamten Menschheit übernommene moralische Verpflichtung angesehen. Darin liegt eine tiefe Wahrheit, vor allem, wenn als das Fundament der in der Erklärung beschriebenen Rechte nicht nur einfach der Beschluß der Versammlung angesehen wird, die sie approbiert hat, sondern die Natur des Menschen selbst und seine unveräußerliche Würde als einer von Gott erschaffenen Person. Darum ist es wichtig, daß die internationalen Organe das natürliche Fundament der Menschenrechte nicht aus den Augen verlieren. Das bewahrt sie vor der leider immer latent vorhandenen Gefahr, in eine nur positivistische Interpretation dieser Rechte abzugleiten. Sollte dies geschehen, würde sich herausstellen, daß die internationalen Organe nicht über das nötige Ansehen verfügen, um ihre Rolle als Verteidiger der Grundrechte der Person und der Völker zu entfalten — eine Aufgabe, in der aber die grundsätzliche Rechtfertigung ihres Daseins und ihres Handelns besteht.
 
Humanitäres Völkerrecht und innerstaatliches Recht
 
14. Ausgehend von dem Bewußtsein, daß es unveräußerliche Menschenrechte gibt, die mit der gemeinsamen Natur der Menschen zusammenhängen, ist ein humanitäres Völkerrecht ausgearbeitet worden, zu dessen Beachtung die Staaten auch im Kriegsfall verpflichtet sind. Das ist leider — abgesehen von der Vergangenheit — in einigen Situationen kriegerischer Auseinandersetzungen in jüngster Zeit nicht entsprechend zur Anwendung gekommen. So ist es z. B. in dem Konflikt geschehen, dessen Schauplatz vor einigen Monaten der Süd-Libanon war, wo die Pflicht, unschuldige Opfer zu schützen und ihnen zu helfen und die Zivilbevölkerung nicht einzubeziehen, zum großen Teil nicht beachtet wurde. Das schmerzliche Schicksal des Libanon und die neue Beschaffenheit der Konflikte, besonders seit die terroristische Bedrohung ungekannte Formen der Gewalt in Gang gesetzt hat, erfordern, daß die internationale Gemeinschaft das humanitäre Völkerrecht bekräftigt und es auf alle heutigen Situationen bewaffneten Konfliktes — einschließlich der vom geltenden Völkerrecht nicht vorausgesehenen — bezieht. Außerdem verlangt das Übel des Terrorismus ein vertieftes Nachdenken über die ethischen Grenzen, die den Einsatz heutiger Mittel zum Schutz der nationalen Sicherheit betreffen. Immer häufiger werden nämlich die Kriege nicht erklärt, vor allem, wenn terroristische Gruppen sie auslösen, die entschieden sind, ihre Ziele mit jedwedem Mittel zu erreichen. Angesichts der erschütternden Szenarien dieser letzten Jahre können die Staaten unmöglich die Notwendigkeit verkennen, sich klarere Regeln zu geben, die fähig sind, dem dramatischen Abdriften, das wir erleben, wirksam entgegenzutreten. Der Krieg stellt immer einen Mißerfolg für die internationale Gemeinschaft dar und einen schweren Verlust an Menschlichkeit. Wenn es trotz allem dazu kommt, müssen zumindest die wesentlichen Prinzipien der Menschlichkeit und die grundlegenden Werte jeglichen zivilen Zusammenlebens gewahrt werden durch die Aufstellung von Verhaltensnormen, die die Schäden so weit wie möglich begrenzen und darauf ausgerichtet sind, die Leiden der Zivilbevölkerung und aller Opfer der Konflikte zu erleichtern (7).
 
15. Ein anderes Element, das große Beunruhigung hervorruft, ist der jüngst von einigen Staaten geäußerte Wille, sich mit Nuklearwaffen auszurüsten. Dadurch hat sich das verbreitete Klima der Unsicherheit und der Angst vor einer möglichen atomaren Katastrophe weiter verschärft. Das wirft die Menschen zurück in die zermürbenden Ängste der Epoche des sogenannten "kalten Kriegs". Danach hoffte man, die atomare Gefahr sei definitiv gebannt und die Menschheit könne endlich einen dauerhaften Seufzer der Erleichterung tun. Wie aktuell erscheint in diesem Zusammenhang die Mahnung des Zweiten Vatikanischen Konzils: »Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiterer Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist« (8). Leider verdichten sich weiterhin bedrohliche Schatten am Horizont der Menschheit. Der Weg, um eine Zukunft des Friedens für alle zu sichern, besteht nicht nur in internationalen Übereinkünften über die Nicht-Verbreitung von Nuklearwaffen, sondern auch in dem Bemühen, mit Entschiedenheit ihre Verminderung und ihren endgültigen Abbau zu verfolgen. Man lasse nichts unversucht, um auf dem Verhandlungsweg diese Ziele zu erreichen! Das Schicksal der gesamten Menschheitsfamilie steht auf dem Spiel!
 
Die Kirche zum Schutz der Transzendenz der menschlichen Person
 
16. Schließlich möchte ich einen dringenden Aufruf an das Volk Gottes richten, daß jeder Christ sich verpflichtet fühlen möge, unermüdlicher Friedensstifter und mutiger Verteidiger der Würde des Menschen und seiner unveräußerlichen Rechte zu sein. Dankbar gegenüber dem Herrn, daß er ihn berufen hat, zu seiner Kirche zu gehören, die in der Welt »Zeichen und Schutz der Transzendenz der menschlichen Person« ist (9), soll der Christ nie müde werden, das grundlegende Gut des Friedens von ihm zu erbitten, das im Leben jedes Einzelnen von solcher Bedeutung ist. Außerdem wird er stolz darauf sein, mit großherziger Hingabe der Sache des Friedens zu dienen, indem er den Mitmenschen entgegenkommt, besonders denen, die nicht allein unter Armut und Elend leiden, sondern dazu auch dieses kostbare Gut entbehren müssen. Jesus hat uns offenbart, daß ,,Gott Liebe ist’’ (vgl. Joh 4,8) und daß die größte Berufung jedes Menschen die Liebe ist. In Christus können wir die höchsten Gründe finden, uns zu beharrlichen Verfechtern der Menschenwürde und zu mutigen Erbauern des Friedens zu machen.
 
17. Möge also der Beitrag jedes Gläubigen zur Förderung eines echten ,,ganzheitlichen Humanismus’’ nach den Lehren der Enzykliken Populorum progressio und Sollicitudo rei socialis, deren 40. und 20. Jahrestag wir gerade in diesem Jahr feiern werden, nicht nachlassen. Zu Beginn des Jahres 2007, auf das wir — wenn auch unter Gefahren und Problemen — mit hoffnungsvollem Herzen blicken, vertraue ich der Königin des Friedens und Mutter Jesu Christi, ,,unseres Friedens’’ (vgl. Eph 2,14), mein inständiges Gebet für die gesamte Menschheit an. Möge Maria uns in ihrem Sohn den Weg des Friedens zeigen und unsere Augen erleuchten, damit wir sein Angesicht im Gesicht jedes Menschen erkennen – im Menschen als dem Herz des Friedens!
 
Aus dem Vatikan, am 8. Dezember 2006.
BENEDICTUS PP. XVI
 
 
 
(1) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 357.
(2) Sermo 169, 11, 13: PL 38, 923.
(3) Nr. 3.
(4) Homilie auf dem Islinger Feld in Regensburg (12. September 2006).
(5) Vgl Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Männern und Frauen in der Kirche und in der Welt (31. Mai 2004), Nr. 15-16.
(6) Nr. 38.
(7) Diesbezüglich hat der Katechismus der Katholischen Kirche sehr ernste und genaue Kriterien vorgelegt: vgl. Nr. 2307-2317.
(8) Past. Konst. Gaudium et spes, 80.
(9) Ebd., 76.
Ein Bericht von Johann Machowetz, Oberst
   
Generalaudienz bei Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 7. Februar 2007
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Aus der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen kennen wir die Eheleute Priszilla (oder kurz Priska) und Aquila, die in der Urkirche eine aktive und wichtige Rolle gespielt haben. Beide waren jüdischer Herkunft und haben wohl in Rom den Glauben an Christus angenommen. Der Apostel Paulus lernte sie in Korinth kennen und fand in ihrem Haus Aufnahme. In Ephesus führten Priszilla und Aquila Apollos, über den wir schon letzte Woche gesprochen haben, tiefer in den christlichen Glauben ein. Ihr Haus war ein Versammlungsort der Gläubigen von Ephesus für die Feier der Liturgie. Später machten sie ebenso in Rom ihr Heim zu einer „Hauskirche“. Im Römerbrief gibt Paulus uns ein schönes Zeugnis von ihrem Wirken, wenn er schreibt: „Grüßt Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus, die für mich ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben; nicht allein ich, sondern alle Gemeinden der Heiden sind ihnen dankbar“ (16, 3-4). An Priszilla und Aquila sehen wir, wie wichtig die Tätigkeit christlicher Eheleute ist. Sie zeigen uns, wie ein jedes Haus zu einer Kirche werden kann und das Familienleben seinen Mittelpunkt im Herrn finden soll. Wenn Ehe und Familie vom Glauben und von einer tiefen Spiritualität getragen sind, wird der Einsatz für Christus und für seinen mystischen Leib, die Kirche, etwas ganz Selbstverständliches.
 
Mit diesen Gedanken heiße ich gerne alle deutschsprachigen Pilger und Besucher willkommen und grüße insbesondere die Pfarrgemeinderäte und Journalisten aus Österreich. Das Vorbild von Priszilla und Aquila kann auch heute den Eheleuten und Familien helfen, Mitarbeiter Christi und seines Evangeliums zu sein, und so der Ausbreitung und dem Lebendigwerden der Kirche in unserer Zeit, der Weitergabe des Glaubens an die künftigen Generationen zu dienen. Der Herr schenke euch allen eine gute Zeit hier in Rom und viel Freude und Glaubenskraft, wenn ihr wieder nach Hause kommt.
 
Benedikt XVI. dankt den österreichischen Pfarrgemeinderäten
Aus Kathpress, Nr. 33 vom 7. Februar 2007: Delegation aus Österreich in Begleitung der Bischöfe Kapellari und Schwarz überreichte dem Papst bei der Generalaudienz "Apostelgeschichten der Gegenwart" - Aktion im Rahmen der Vorbereitung auf die Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März und den Besuch Benedikt XVI. im September.
 
Vatikanstadt, 7.2.07 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat den österreichischen Pfarrgemeinderäten für ihre Arbeit gedankt; eine Delegation von 50 Pfarrgemeinderatsmitgliedern aus den verschiedenen österreichischen Diözesen hatte in Begleitung der Diözesanbischöfe Egon Kapellari und Alois Schwarz am Mittwoch an der Generalaudienz des Papstes im Vatikan teilgenommen. Vier Pfarrgemeinderatsmitglieder - Gisela Baumgartner (Diözese Linz), Silvia Maria Frick (Diözese Feldkirch), Johann Machowetz (Militärdiözese), Karl-Heinz Weinrad (Erzdiözese Wien) - überreichten Benedikt XVI. eine Ausgabe der "Apostelgeschichten der Gegenwart", in der 656 österreichische Pfarren schildern, welche Herausforderungen und Erfolgserlebnisse in den letzten fünf Jahren in ihrem jeweiligen Seelsorgebereich zu verzeichnen waren. Benedikt XVI. blätterte interessiert in dem Kompendium, dankte den Pfarrgemeinderatsmitgliedern für ihre Mühe und wünschte ihnen alles Gute für ihren weiteren Einsatz. Die Bischöfe Kapellari und Schwarz und die vier Pfarrgemeinderatsmitglieder betonten in der Begegnung mit Benedikt XVI., wie sehr sich die österreichischen Katholiken auf den Papstbesuch zum 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell im September freuen: "Willkommen in Mariazell".
 
Die "Apostelgeschichten der Gegenwart" entstand, als 656 der rund 3.000 österreichischen Pfarren der Einladung der Bischöfe folgten, auf den Spuren der biblischen Apostelgeschichte des Evangelisten Bilanz über die jetzt auslaufende fünfjährige Funktionsperiode der Pfarrgemeinderäte zu ziehen (am 18. März finden in ganz Österreich Neuwahlen für die Pfarrgemeinderäte statt). "Im Zentrum der Apostelgeschichte aus den Pfarrgemeinden steht, wie die Menschen in unserem Land ihren Glauben leben, was ihnen Freude macht und wie sie das pfarrliche Leben gestalten", so der Kärntner Bischof Alois Schwarz, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für pastorale Fragen zuständig ist.
 
Die Begeisterung der Pfarrgemeinderäte für diese Aktion habe alle Erwartungen übertroffen. Die so entstandenen "Zeugnisse lebendiger Gemeinden" bilden jetzt die "Apostelgeschichten der Gegenwart". "Ich bin dankbar, dass es so viele Menschen in unserem Land gibt, die das Leben der Kirche mittragen, ihr ein Gesicht geben und das Evangelium konkret und anschaulich leben", betonte Bischof Schwarz.
 
44 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden

Die herausragende Bedeutung der Pfarrgemeinderäte für das Leben der Kirche in Österreich betonte auch Wolfgang Müller, Referent für die Pfarrgemeinderäte in der Erzdiözese Salzburg (und Sprecher seiner Kollegen aus den anderen Diözesen) bei einer Begegnung in der österreichischen Nationalstiftung Santa Maria dell’Anima: "Der Pfarrgemeinderat ist das Rückgrat des ehrenamtlichen Engagements in unseren Pfarren." Jährlich würden die rund 30.000 gewählten Pfarrgemeinderatsmitglieder rund 4,4 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden leisten, so Müller.
Hinter jedem Pfarrgemeinderatsmitglied stünden dann im Schnitt nochmals zehn weitere Frauen und Männer, die sich für das pfarrliche Leben engagieren. "Insgesamt sind das also rund 44 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit, die jedes Jahr in den Pfarren geleistet wird", schätzt Müller. Gemeinden brauchen Pfarrgemeinderäte "Die Pfarrgemeinderäte sind eine Frucht des Konzils. Sie bringen in unsere Pfarren das ein, was ihnen von ihrer persönlichen Glaubenssituation her wichtig ist", erklärte auch Prälat Balthasar Sieberer. Er ist Leiter des Seelsorgeamts der Erzdiözese Salzburg und leitet die österreichweite Vorbereitungsgruppe für die Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März 2007. "Die Pfarrgemeinderatswahlen sind wichtig, weil es darum geht, jemandem das Vertrauen auszusprechen, dass er sich gut für die Gemeinde einsetzt", so Sieberer.
 
Dies sei besonders in Pfarren, deren Pfarrer nicht im Ort lebt, von besonderer Bedeutung. Zugleich hätten die Pfarrgemeinderäte auch bewirkt, dass Priester und Laien einander auf gleicher Augenhöhe begegnen - mit dem Ziel, dass "Glaube, Hoffnung und Liebe im Mittelpunkt stehen". Insgesamt sind in Österreich derzeit 43.500 Frauen und Männer in den Pfarrgemeinderäten tätig. Rund 30.000 von ihnen werden bei den alle fünf Jahre stattfindenden Pfarrgemeinderatswahlen gewählt. Die anderen 13.000 setzen sich aus amtlichen Mitgliedern, wie Priestern, Diakonen und Pastoralassistenten sowie aus Personen zusammen, die für bestimmte Aufgaben delegiert werden (z.B. als Vertreter der Jugend). Fast 53 Prozent der Pfarrgemeinderatsmitglieder sind Frauen. Die ersten diözesanweiten Wahlen hatten 1969 in der Erzdiözese Salzburg statt gefunden. Seit 1987 werden die Pfarrgemeinderatswahlen in ganz Österreich am selben Tag durchgeführt.
 
Modell "Ein Priester pro Pfarre" überdenken

Am Dienstagabend war die Pfarrgemeinderatsdelegation gemeinsam mit österreichischen Journalisten zu einem Gespräch im Sekretariat des Päpstlichen Rates für die Laien. Bischof Josef Clemens, der Sekretär des Laienrates, betonte dabei, dass die Pfarre der Pulsschlag der Kirche sei: "Die Pfarrgemeinde ist der Ort, an dem Kirche lebt und erfahrbar wird." Clemens sprach weiter von notwendigen Veränderungen in den Pfarrstrukturen. Vor allem das Modell "Ein Priester pro Pfarre" müsse überdacht werden. "Der Priester für jede kleine Gemeinde ist einfach nicht durchzuhalten", meinte der Bischof. Eine Möglichkeit für die Zukunft sei die Bildung von "Zentren", in denen mehrere Priester gemeinsam wohnen, die sich gemeinsam um die Gläubigen sorgen und in denen es ein Miteinander verschiedener Dienste gibt, so Clemens. Zudem sei bei sinkender Anzahl der Gläubigen in solchen "Zentren" auch eine ausreichende Zahl von Gläubigen vorhanden, die das Gemeindeleben tragen können, ohne dass immer auf die Gleichen zurückgegriffen werden müsse. "Wir müssen in der kirchlichen Struktur einen Gang zurück schalten. Das heißt aber nicht, dass kirchliches Leben ärmer wird, sondern es wird anders", betonte der Sekretär des Laienrates. Das Schlüsselwort im Zusammenhang mit der Arbeit in einer Pfarrgemeinde liegt für Bischof Clemens in einer grundlegenden "Dienstbereitschaft".
 
"Wenn ich mich in einer Pfarre engagiere, möchte ich, dass das Wort Gottes weitergegeben und Eucharistie gefeiert wird", sagte der Laienrats-Sekretär. In dieser grundlegenden Dienstbereitschaft liege die Verbindung zwischen den Laien und Priestern. Man sollte "nicht von den Rechten oder der Aufteilung der Aufgaben her" denken, sondern von der Frage, wie man einen Beitrag für die Gemeinschaft der Glaubenden leisten kann, meinte Clemens.
Glauben im eigenen Umfeld leben Es stimme ihn positiv nachdenklich, so Clemens, wenn er sehe, in welch großem Ausmaß sich Laien neben ihrer Familie und ihrem Beruf für die Kirche engagieren. Der Päpstliche Laienrat wolle mit allen Kräften dieses Engagement unterstützen und mithelfen, dass die Laien auch nach außen wirken. Deshalb sei es besonders wichtig, dass Christen den Glauben in ihrem eigenen Umfeld leben: "Wir wollen, dass christliches Leben anziehend wirkt, dass man interessiert fragt "Warum lebst du so?’"
 
Unter dem Motto: "Lebensräume gestalten - Glaubensräume öffnen" wurde eine Zusammenstellung der "Apostelgeschichte" mit 656 Beiträgen, gebunden in vier Bänden von vier Pfarrgemeinderatsvertretern der zehn Österreichischen Diözesen, im Beisein vom Steirischen Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari und des Kärntner Diözesanbischofes Dr. Alois Schwarz, am 7. Februar dem Heilige Vater, Papst Benedikt XVI, im Rahmen einer Generalaudienz, übergeben. Sowohl aufgrund der bevorstehenden Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März, als auch wegen des kommenden Besuches von Papst Benedikt XVI am 8. September in Mariazell, diente die Einladung an die Pfarrgemeinderäte Österreichs, im Rückblick auf die letzten fünf Jahre ihrer "Amtsperiode" sozusagen eine Apostelgeschichte über ihre Erfahrungen niederzuschreiben, woran sich insgesamt 656 Pfarren mit ihren Beiträgen daran beteiligt haben.
 
Die gesamte Pfarrgemeinderatsdelegation umfasste 47 Pfarrgemeinderäte, wovon vier ausgewählt wurden, dem Heiligen Vater die gesammelten Texte und Briefe im Rahmen der Generalaudienz am 7. Februar überreichen zu dürfen. Diese persönliche Begegnung mit Papst Benedikt XVI zeichnete sich nicht nur durch sein spürbar starkes Interesse beim Durchblättern und Lesen in einigen der vier Bände aus, sondern vielmehr durch seine uns unendlich lang erscheinende Zeit die er unserer persönlichen Begegnung im angeregten Gespräch widmete. Die beiden uns begleitenden Bischöfe stellten uns vor, berichteten über unsere Arbeit und merkten einige Erklärungen zu unserer "Apostelgeschichte" an. Der Heilige Vater unterhielt sich sehr angeregt mit uns, erkundigte sich nach unserer Pfarrgemeinderatsarbeit, bedankte sich für die Mühe unserer "Apostelgeschichte", wünschte uns weiterhin viel Erfolg bei unserer Arbeit und verabschiedete sich mit vier Rosenkränzen an unsere Übergabedelegation.
 
Diese direkte und persönliche Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt der römisch katholischen Kirche erhöht nicht nur den normalen Pulsschlag, sondern bedeutet wohl das höchste Glück und zugleich die höchste Auszeichnung und Belohnung im Leben eines einfachen Pfarrgemeinderates.
 

"Sie waren ein Herz und eine Seele" (Apg 4, 32)
Meditationsanstoß zur Begegnung mit der Delegation der Pfarrgemeinderäte aus den österreichischen Diözesen "Lebensräume gestalten - Glaubensräume öffnen"
Palazzo San Calisto; 6. Februar 2007, 17.00 Uhr
 
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und bischöflichen Amt!
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Ich freue mich und danke Ihnen sehr, dass Sie als engagierte Glieder vieler Pfar-reien aus ganz Österreich den Päpstlichen Rat für die Laien während ihrer kurzen Romreise (5.- 8.Februar 2007) zu einem Gespräch aufsuchen. Auch im Namen unseres Präsidenten Erzbischof Stanisław Ryłko heiße ich Sie alle herzlich willkommen!
 
Der Päpstliche Rat für die Laien ist Ihr Zuhause, wenn auch die Pfarrgemeinderäte innerhalb der Kompetenzverteilung der Römischen Kurie der Kongregation für den Klerus zugeordnet sind. Wir danken Ihnen für Ihr Engagement in den Pfarreien Österreichs, zumal da wir wissen, was es bedeutet, neben der Familie und dem Beruf sich für die Pfarrei - gerade im gegenwärtigen gesellschaftlichen Gegenwind - einzusetzen.
 
Bei einem ersten Nachdenken über Ihr Motto „Lebensräume gestalten - Glaubensräume öffnen“ und dem Projekt „Apostelgeschichte der Gegenwart“ kam mir der Begriff des „Miteinander“ in den Sinn, der mich wiederum an das Gemeindeleben der ersten Christen erinnerte, wie es eben in der Apostelgeschichte geschildert wird. Ich dachte spontan an ein Begriffspaar, mit dem über das Miteinander der jungen Glaubensgemeinde gesagt wird: „Sie waren ein Herz und eine Seele“ (Apg 4, 32). 
 
Dieses tiefe Miteinander der ersten Gemeinden des Ursprungs vermittelt uns aufgrund seiner Nähe zum Ereignis der Menschwerdung Jesu Christi und der Geistsendung zweifellos ein besonderes Richtmaß für unser eigenes Tun, für unser eigenes Leben als Christen in der Gemeinschaft der Kirche; es fordert auch heute uns heraus, es kann uns begeistern und unser heutiges Miteinander erneuern.
 
Kardinal Ratzinger spricht von der Apostelgeschichte des Hl. Lukas als einer „ersten Ekklesiologie“, einer ersten Lehre über die Kirche, die Maßstäbe für jedes zukünftige Verstehen der Kirche umschreibt.  Ich fragte mich daher nach den „Wurzeln“ dieses Miteinanders, nach den tiefen „Gründen“ und den „Quellen“, aus denen sich diese so tiefe Verbundenheit der ersten Christengemeinde speist.
 
Das Begriffspaar aus der Apostelgeschichte „Sie waren ein Herz und eine Seele“ (Apg 4, 32) steht in der Mitte von drei zusammenfassende Beschreibungen des Lebens der Urgemeinde. Ein erstes Summarium finden wir in Apg 2, 42-47, ein zweites in Apg 4, 32-37 und ein drittes in Apg 5, 12-16.
 
Ich beziehe mich in meinen Überlegungen lediglich auf die beiden ersten Berichte, da der dritte Bericht bereits genannte Zusammenhänge bekräftigt und sich vor allem auf die «Zeichen und Wunder» der Apostel bezieht.

1) Die „κοινονια“ als Identitätsmerkmal der ersten Christengemeinde
Die erste Zusammenfassung des gemeinsamen Lebens der Gläubigen erfolgt unmittelbar auf den Bericht des Pfingstereignis, bzw. auf die Predigt des Petrus. Diese neue Gemeinschaft ist damit als eine direkte Folge der Ausgießung des Hl. Geistes anzusehen.
 
Wir stehen damit vor einer Art „Kettenreaktion“: Die Ausgießung des Hl. Geistes am Pfingstfest → Die Predigt des Petrus → Zahlreiche Bekehrungen → Die Gemeinschaft der ersten Glaubenden.
 
Es heißt in Apg 2, 42-47: „(42) Sie verharrten aber bei der Lehre der Apostel und bei der Gemeinschaft, dem Brechen des Brotes und den Gebeten … (44) Al-le die Gläubigen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam. (45) Und die Besitztümer und die Vermögenswerte verkauften sie und verteilten sie an alle, je nachdem einer Bedarf hatte. (46) Täglich verharrten sie einmütig im Tempel, in den (einzelnen) Häusern aber brachten sie (das) Brot; sie nahmen Nahrung zu sich mit Jubel und in Lauterkeit des Herzens; (47) sie lobten Gott und hatten Gunst bei all dem Volk. Der Herr aber fügten die Geretteten täglich hinzu zur Gemeinschaft.“
 
Diese Verse der Apostelgeschichte legen die bestimmenden Elemente einer eher „von außen“ betrachteten Lebensbeschreibung der Neubekehrten vor, die in der Öffentlichkeit der Stadt Jerusalem nicht verborgen bleiben konnten. Auffällig ist die Betonung der Beharrlichkeit und Regelmäßigkeit ihres Tun (VV 42+46), die die Tiefe ihrer Gemeinsamkeiten offen legt. Papst Benedikt spricht hier von einer Art „Definition der Kirche“.
 
Wir erfahren, dass die Getauften einer nach der Taufe zu leistenden Unterweisung in der «Lehre der Apostel» bedürfen, d.h. eine Erklärung der Schrift im Licht des Christusereignisses, der Integration in die (brüderliche) «Gemein-schaft», der Einübung ins gemeinschaftliche Leben. Diese «Gemeinschaft» besteht im Einklang des Denkens  und in der Sorge für die Notleidenden, die bis zur Gütergemeinschaft geht. Kurz gesagt: Sie ist eine Gemeinschaft wahrer αγαπή - Bruderliebe.
 
Die κοινονια wird weiter charakterisiert durch das (gemeinsame) Brotbrechen, die gemeinsamen Mahlzeiten (gemeint sind das Sättigungsmahl und die Feier der Eucharistie) und die (gemeinsamen) «Gebete». Zu beachten ist ihre «Einmütigkeit» („ομοθυμαδον“). Täglich verharrte die gesamte Gemeinschaft der Gläubigen «einmütig» im Tempel, zum Gebet und zur öffentlichen Lehre der Apostel und hatte alles gemeinsam. Diese einmütige, frohe und lautere Gemeinschaft der Gläubigen und ihr Gotteslob verschafft ihr großes Ansehen, hat Vorbildcharakter und eine ausgeprägte („anziehende“) missionarische Wirkung.
 
Die «Einmütigkeit» der jungen Gemeinde wird zu einem Glaubwürdigkeitskriterium der verkündeten Botschaft ganz im Sinne der antiken Lebensregel „Verba docent, exempla trahunt“, die dem römischen Dichters Horaz (66 - 8 vor Chr.) zugeschrieben wird. Die junge Christengemeinde kannte jedoch den bei Horaz durchschimmernden Gegensatz von „verba“ (Worte) und „exempla“ (Beispiele) nicht, da sie dem lebendigen Wort als dem unüberbietbaren Beispiel Folge leisteten. Denken wir an ein Wort des Hl. Petrus aus dem Johannesevangelium (Joh 6, 68), das in der Übersetzung der Neo-Vulgata lautet: „Domine, ad quem ibimus? Verba vitae aeternae habes“(„Herr, zu wem sollen wir weggehen? Du hast Worte ewigen Lebens“) und an eine Antwort Jesu im gleichen Evangelium (Joh 13, 15): „Exemplum enim dedi vobis, ut, quemadmodum ego feci vobis, et vos faciatis“ („Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tut, wie ich euch getan habe“).
 
Kardinal Ratzinger stellt sich der Frage, wo die Quellen dieser Einheit liegen. Dazu sagt er: „Diese Versammlung verharrt einmütig im Gebet und empfängt so vom Herrn her ihre Einheit. Ihr wesentliches Tun ist die Zuwendung zum lebendigen Gott - das Offenwerden für seinen Willen.“  Ihre Einheit ist ein Geschenk Gottes! Weiter sagt der Kardinal: „Das Beten der Kirche findet seine Mitte im «Brotbrechen» - Eucharistie zeigt sich nun als Herz des kirchlichen Lebens.“  Der Höhepunkt der Hinwendung geschieht in der Feier der Eucharistie.
 
Wie wächst diese «Einmütigkeit», bzw. wie vertieft sich diese Einheit? Nach Kardinal Ratzinger kommt die Einheit „aus der Gemeinschaft mit den Aposteln und aus der Hinwendung zum lebendigen Gott im Gebet. Aber was Gemeinschaft mit den Aposteln bedeutet, ist nun präzisiert als «beharrliches Bleiben in der Lehre der Apostel». Die Einheit hat also einen Inhalt, der sich in einer Lehre ausdrückt. Die Lehre der Apostel ist die konkrete Weise ihrer bleibenden Anwesenheit in der Kirche. Kraft dieser Lehre verbleiben auch die künftigen Generationen nach dem Tod der Apostel in der Einheit mit Ihnen und bilden so dieselbe eine und apostolische Kirche.“
 
Damit sind folgende konstitutive Elemente des Gemeindelebens deutlich geworden: (1.) Die Lehre der Apostel, (2.) die Gemeinschaft, (3). das Brotbrechen, und (4.) das Gebet.
 
Kardinal Ratzinger erläutert diese vier Wesensbegriffe der Urkirche: „Festhalten an der Lehre der Apostel … Festhalten an der Gemeinschaft, am Brotbrechen und an den Gebeten. Man könnte sagen, dass Wort und Sakrament hier als die beiden Grundpfeiler des lebendigen Bauens der Kirche erscheinen. Aber man muss hinzufügen, dass dieses Wort an eine institutionelle Gestalt und an die personale Verantwortung der Zeugen gebunden ist; man muss ferner hinzufügen, dass die Bezeichnung des Sakraments mit dem Wort Brotbrechen den sozialen Anspruch der Eucharistie ausdrückt, die nicht ein isolierter gottesdienstlicher Akt, sondern eine Existenzweise ist: das Leben im Teilen, in der Gemeinschaft mit dem sich selbst verschenkenden Christus.“  Mir erscheint wichtig, die genannten Elemente der „institutionelle Gestalt“ und der „personalen Verantwortung der Zeugen“ nicht zu übersehen. Auf die weiteren Fragen kommen wir noch zurück.
 
Zum zentralen Begriff der „κοινονια“ führt der Kardinal aus: „Dieses Wort steht zwischen den beiden Begriffen «Lehre» und «Brotbrechen» (Eucharistie); es scheint in gewisser Hinsicht beides miteinander zu verbinden, eine Art Brücke zwischen beiden zu sein. Ferner können wir hinzufügen, dass Lukas die vier vorkommenden Begriffe in zwei Wortpaaren vorstellt: «Lehre und Kommuni-on», «Brotbrechen und Gebete». Kommunion ist also mit «apostolischer Lehre» verknüpft, bildet mit ihr sozusagen eine geschlossene Einheit und ist damit auch in gewisser Hinsicht vom Brotbrechen (Eucharistie) abgehoben, jedenfalls über den gottesdienstlichen Vorgang hinausreichend dargestellt und wesentlich auf das grundlegende Faktum der beständig festgehaltenen Überlieferung und ihrer kirchlichen Gestalt gegründet.“
 
2) Die αγαπή als Lebensprinzip der ersten Christengemeinde
Der von mir ausgewählte Doppelbegriff «ein Herz und eine Seele» («καρδία και ψυχη μια») befindet sich im zweiten Summarium der Apostelgeschichte und besagt eine theologische und existenzielle Vertiefung der bereits erörterten «Einmütigkeit» der Urgemeinde.
 
Hier werden die vom Hl. Geist gewirkten (vgl. Apg 4, 31 b) inneren Grundlagen, das innere Lebensprinzip der jungen Gemeinschaft und zwei unmittelbare Folgen nach außen geschildert: die Gütergemeinschaft der Gläubigen und das kraftvolle Zeugnis der Apostel über die Auferstehung Jesu. All ihr gemeinsames Tun ist von der Gnade Gottes getragen und geleitet.
 
Es heißt in Apg 4, 32-37: „(32) Der Menge aber der Gläubiggewordenen war (ein) Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, etwas von seinem Vermögen sei privat, vielmehr war ihnen alles gemeinsam. (33) Und mit großer Kraft erstatteten die Apostel Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus, große Gnade war auf ihnen allen. (34) Denn es war auch kein Notleidender unter ihnen; alle nämlich, die Besitzer von Grundstücken oder Häusern waren, verkauften (sie und) brachten die Erlöse der veräußerten (Objekte) (35) und legten (sie) den Apostel zu Füßen. Es wurde aber jedem ausgeteilt, je nachdem einer Bedarf hatte.“ 
 
~ Die Gemeinde lebt in der Liebe zu Gott
Das Begriffspaar «ein Herz und eine Seele» nimmt einen biblischen Doppelaus-druck aus dem Buche Deuteronomium  auf, wo über Israel gesagt wird, dass «sie das Volk ist, das den Herrn, seinen Gott, mit seinem ganzen Herzen und ganzer Seele liebt» (Deut 13, 4).  Damit wird mit dem Doppelbegriff «ein Herz und eine Seele» an das im Schema täglich rezitierte Hauptgebot der Gottesliebe («mit Herz und Seele») erinnert, dessen drittes Element («Kraft») in V 33 eben-so vorkommt. Die Liebe zu Gott ist das Hauptgebot und das Unterscheidungsmerkmal des auserwählten Volkes!
 
Damit ist in der Gemeinde Jesu auch die Verheißung Jahwes für Israel aus dem gleichen Buch Deuteronomium (Deut 15, 4) erfüllt. Dort heißt es: „Freilich wird es bei dir keinen Armen geben; denn Jahwe wird dich reichlich segnen in dem Lande, welches Jahwe, dein Gott, dir zum Erbanteil geben wird, dass du es besitzest.“ Diese messianische Erfüllung wird durch den Verkauf von Privatbesitz ermöglicht, womit eine wichtige „soziale Barriere“ aufgehoben wird. Auch dazu später noch ein Wort.
 
~Die Gemeinde lebt die Verknüpfung von Gottes- und Nächstenliebe
Das Doppelwort «ein Herz und eine Seele» der Apostelgeschichte spiegelt aber ebenso die Neuheit des christlichen Glaubens wieder, da es von der gelebten Wirklichkeit des neuen Gebotes zeugt. Die Gemeinde lebt konkret die Verknüpfung von Gottes- und Nächstenliebe. Die κοινονια-Gemeinde ist in diesem Sinne die Gemeinde der Einheit von horizontaler und vertikaler Dimension, sie ist wahrlich die Gemeinschaft des Neuen Gebotes Jesu.
 
Es ist eine wunderbare Fügung, dass der Hl. Vater als erstes lehramtliches Dokument die Enzyklika „Deus caritas est“  (25. 12. 2005) veröffentlicht hat, die uns wichtige Elemente für die Vertiefung unserer Überlegungen bietet.
 
Der Hl. Vater schreibt dort: „Mit der Zentralität der Liebe hat der christliche Glaube aufgenommen, was innere Mitte von Israels Glauben war und dieser Mitte zugleich eine neue Tiefe und Weite gegeben. Denn der gläubige Israelit betet jeden Tag die Worte aus dem Buch Deuteronomium, in denen er das Zent-rum seiner Existenz zusammengefasst weiß: Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ (Deut 6, 4-5). Jesus hat dieses Gebot der Gottesliebe mit demjenigen der Nächstenliebe aus dem Buch Levitikus: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Lev 19, 18) zu einem einzigen Auftrag zusammengeschlossen (vgl. Mk 12, 29-31). Die Liebe ist da-durch, dass Gott uns zuerst geliebt hat (vgl. 1Joh 4, 10), nicht mehr nur ein „Gebot“, sondern Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegengeht.“
 
Papst Benedikt XVI. führt über dieses Verhältnis weiter aus: „Gottes- und Nächstenliebe sind untrennbar: Es ist nur ein Gebot. Beides aber lebt von der uns zuvorkommenden Liebe Gottes, der uns zuerst geliebt hat. So ist es nicht mehr „Gebot“ von außen her, das uns Unmögliches vorschreibt, sondern geschenkte Erfahrung der Liebe von innen her, die ihrem Wesen nach sich weiter mitteilen muss. Liebe wächst durch Liebe. Sie ist «göttlich», weil sie von Gott kommt und uns mit Gott eint, uns in diesem Einigungsprozess zu einem Wir macht, das unsere Trennungen überwindet und uns eins werden lässt, so dass am Ende «Gott alles in allem» ist (vgl. 1 Kor 15, 28).“
 
Der Hl. Vater spricht von der „unlöslichen Verschränkung“ von Gottes und Nächstenliebe: „Beide gehören so zusammen, dass die Behauptung der Gottes-liebe zur Lüge wird, wenn der Mensch sich dem Nächsten verschließt oder gar ihn hasst.“  All dies ist in der Gemeinde Jesu erfüllt, sodass sie wirklich ein «Herz und eine Seele» geworden ist. Diese ihre Erfahrung und ihr Zeugnis sind «ansteckend», wie wir in den Berichten der Apostelgeschichte erfahren.
 
~ Die Gemeinde ist das eschatologische Volk Gottes
Für Lukas ist die Gemeinde das eschatologische Volk Gottes. Es geht ihm um eine ekklesiale Wirklichkeit, in der gemäß der Verschränkung von Gottes- und Nächstenliebe und ihrer konkreten Vermittlung im «Volk Gottes» jeder freiwillig auf seinen persönlichen Besitz zugunsten der Glaubensgemeinschaft und je-des bedürftigen Bruders verzichtet.
 
Die Gemeinde in Jerusalem engagierte sich mit großer Kraft (vgl. Deut 6, 5) für die Realisierung des eschatologischen Israel (vgl. Deut 15, 4). Die Gütergemeinschaft war daher nicht so sehr asketisch motiviert, sondern war konkreter Aus-druck der eschatologischen Freude über das endgültige Gelingen des einmütigen Gottesvolkes. Eine wahrhaft neue Zeit ist angebrochen! Für Lukas erfüllen sich aber nicht nur die biblischen Verheißungen, sondern ebenso die lang gehegten Hoffnungen der Völker auf ein gleiches Miteinander und Füreinander aller Menschen.
 
Ich möchte im Folgenden einige Elemente darstellen, die aus dieser Neubestimmung des Volkes Gottes resultieren. Ich denke an die bereits erwähnte Gütergemeinschaft, die bedingungslose Zulassung der Heiden zur εκκλήσια und die brüderliche Hilfe gegenüber jedem Bedürftigen.
 
~ Die Gütergemeinschaft und die uneingeschränkte Hilfe
Die κοινονια konkretisiert sich in der Gütergemeinschaft, die damit ebenso einer „Spiritualisierung“ des Glaubens entgegenwirkt. Nach Papst Benedikt konnte diese radikale Form der materiellen Gemeinschaft beim Größerwerden der Kirche nicht aufrechterhalten werden. Er fügt jedoch hinzu: “Der Kern, um den es ging, blieb aber bestehen: Innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen darf es keine Armut derart geben, dass jemandem die für ein menschenwürdiges Leben nötigen Güter versagt bleiben.“
 
Was in der Großkirche nicht mehr möglich war, hat sich aber dennoch in den religiösen Orden und Kongregationen, aber auch in vielen Neuen Bewegungen und Kirchlichen Gemeinschaften erhalten. Auf diese Weise geht ein so wichtige Charakteristikum („Proprium“) der urkirchlichen Glaubensgemeinschaft nicht verloren.
 
Die eucharistische Gemeinschaft fügt den „sozialen“ Folgen der κοινονια eine noch tiefergehende Begründung hinzu. Dazu sagt der Kardinal: „Gemeinschaft im und am Leib Christi bedeutet Gemeinschaft miteinander. Sie schließt das Sich-annehmen, das gegenseitige Geben und Nehmen, die Bereitschaft zum Teilen ihrem Wesen nach mit ein. Mit Kirchengemeinschaft ist es unvereinbar, dass die einen schwelgen und die anderen darben. Sie ist immer «Tischgemeinschaft» im anspruchsvollsten Sinn des Wortes, deren Glieder einander «Leben» gebe müssen - physisch und geistig, aber gerade auch physisch. In diesem Sinn ist die soziale Frage ganz zentral in den theologischen Kern des christlichen Commu-nio-Begriffs eingelassen.“
 
In seiner Enzyklika erinnert Papst Benedikt unter Verweis auf Apg 2, 42-44 an das Programm der Urgemeinde: „Kirche als Familie Gottes muss auch heute wie gestern ein Ort der gegenseitigen Hilfe sein und zugleich ein Ort der Dienstbereitschaft für alle der Hilfe Bedürftigen, auch wenn diese nicht zur Kirche gehö-ren.“
 
~ Die bedingungslose Zulassung der Heiden zur εκκλησια
Aus der neuen Verknüpfung von Gottesliebe und Liebe zu den Menschen ergibt sich eine weitere Konsequenz, d.h. die Universalisierung des Heilsangebotes an alle Völker und Rassen. Niemand ist ausgeschlossen, alle Menschen sind gleicher Weise zum Heil berufen! Ein für viele Fromme des jüdischen Volkes unerhörter Gedanke!
 
Dieser neue Anspruch wird auf eine erste Nagelprobe gestellt in der Frage der bedingungslosen Zulassung der Heiden zur εκκλησια. Die grundsätzliche Entscheidung für die Berufung aller Völker war im Pfingstereignis (Apg 2, 1-13) bereits gefallen, wo „Parter, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und  dem Gebiet Lybiens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselythen, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden“ (Apg 2, 9-11).
 
Die Universalität des Neuen Gebotes steht in enger Beziehung zum universellen Ruf in die neue Gemeinde. Die κοινονια-Gemeinde kennt weder Klassen noch Rassen, sondern nur die gleiche Würde aller und die Berufung aller Menschen zum Heil.
 
Gleiches erkennen wir bei der Taufe des ersten Heiden Kornelius, wo deutlich wird, dass „Gott nicht auf die Person sieht“ (Apg 10, 34). Er hat auch auf Kornelius den Hl. Geist ausgegossen. Es heißt sehr schön in Apg 10, 45: „Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Hl. Geistes ausgegossen wurde.“ Diese für die weitere Missionsarbeit so entscheidende Frage der bedingungslosen Zulassung der Heiden entwickelt sich in der Folgezeit zur ersten Streitfrage in der jungen Christengemeinde, woran sich der gewaltige «Sprung» erkennen lässt.
 
Wie im Hause des Kornelius so ist es auch hier Petrus, der als Wortführer auftritt. Gott hat auch den Heiden unterschiedslos den Hl. Geist geschenkt. Es heißt in Apg 15, 9-11: „Er macht keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt … Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene.“ Aus der bedingungslosen Liebe zum Nächsten folgt notwendigerweise der Auftrag, ihn auch an der Frohbotschaft bzw. an der universellen κοινονια-Gemeinde teilhaben zu lassen.
 
~ Die universale brüderliche Hilfe
Neben der bedingungslosen Annahme der Heiden in die neue Gemeinschaft zeugt auch ihre unterschiedlose Hilfe für alle Bedürftigen von der universellen Geltung des Neuen Gebotes.
 
Dazu Papst Benedikt: „Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (vgl. Lk 10, 25-37) bringt vor allem zwei wichtige Klärungen. Während der Begriff «Nächster» bisher wesentlich auf den Volksgenossen und den im Land Israel ansässig gewordenen Fremden, also auf die Solidargemeinschaft eines Landes und Volkes bezogen war, wird diese Grenze nun weggenommen: Jeder, der mich braucht und dem ich helfen kann, ist mein Nächster. Der Begriff  «Nächster» wird universalisiert und bleibt doch konkret. Er wird trotz seiner Ausweitung auf alle Menschen nicht zum Ausdruck einer unverbindlichen Fernstenliebe, sondern verlangt meinen praktischen Einsatz hier und jetzt. Es bleibt Aufgabe der Kirche, diese Verbindung von Weite und Nähe immer wieder ins praktische Leben ihrer Glieder hinein auszulegen.“
 
Im zweiten Teil seiner Enzyklika führt der Hl. Vater noch einen sehr treffenden Ausblick ein: „Das Programm des Christen - das Programm des barmherzigen Samariters, das Programm Jesu - ist das „sehende Herz“. Dieses Herz sieht, wo Liebe Not tut und danach handelt.“
 
Das Programm der κοινονια, der Gemeinschaft des «einen Herzens und der einen Seele», ist in diesem Sinne ein „offenes“ Programm, d.h. die Gemeinde ist nach innen fest im Herrn geeint, zugleich aber ist sie nach außen offen, d.h. sie besitzt ein „sehendes Herz“. Daher hat diese Gemeinschaft ein offenes Herz für alle, die neu zu ihr kommen wollen und auch eine offene Hand für alle, die Not leiden, auch wenn sie auch nicht zu ihr gehören.
 
Alle Christgläubigen, die Bischöfe und Priester wie alle Getauften, arbeiten gemeinsam am Aufbau der κοινονια-Gemeinschaft. Sie stehen sich nicht gegenüber und schauen sich nicht gegenseitig an, sondern blicken gemeinsam auf Christus, auf den Herrn der Kirche. Ihm gehen sie als das wandernde Gottesvolk entgegen, von seinem Geist werden auf ihrem gemeinsamen Weg geführt. Alle Ämter und Aufgaben stehen im wechselseitigen Dienst füreinander und im Dienst des gemeinsamen Aufbaus des Volkes Gottes. Der gemeinsame Ruf zum Dienst ist das einigende Band im «hier und jetzt» der Gemeinde! Wie viele Schwierigkeiten und Missverständnisse in unseren Gemeinden, aber auch zwischen den Gemeindegliedern und dem «Amt» würden «wie von einem Blitz getroffen» verschwinden, wenn man gemeinsam auf den Herrn schauen würde!
 
Liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst!
Liebe Schwestern und Brüder!
Diese Darlegungen wollen nur ein kleiner Anstoß sein, der uns zum gemeinsamen Meditieren und Nachdenken anregen will.
Meine heutigen Anregungen wollen an das unvergängliche Wort Gottes und großen Vorbilder erinnern, die uns allen geschenkt sind. Uns sind kostbare „verba“ in der Hl. Schrift und der Tradition der Kirche und zugleich wertvolle „exempla“ aus der Geschichte der Kirche und aus ih-rer Gegenwart gegeben. Lassen wir uns von beidem, vom Wort und Beispiel („verba et excempla“), gleichzeitig belehren („docere“) und anziehen („trahere“).
Wir können uns alle im „Gespräch“ mit der Gemeinde des Ursprungs, die eine Gemeinde des «einen Herzens und der einen Seele» war, mit ihrer theologischen Tiefe und ihrer Frische des Anfangs geistlich erneuern und in unserem Bemühen „Lebensräume (zu) gestalten - Glaubensräume (zu) öffnen“ erneut anspornen und führen lassen.
Ich wünsche Ihnen allen, die Sie nach Rom gekommen sind, um dem Nachfolger des Hl. Petrus zu begegnen, aber ebenso allen Verantwortlichen und Gliedern Ihrer Heimatpfarreien in ganz Österreich Gottes besonderen Schutz und seinen reichen Segen auf Ihrem gemeinsamen Weg - gleich der Urgemeinde als «ein Herz und eine Seele».
 
+ Dr. theol. Josef Clemens, Vatikanstadt
 
 
Vgl. zum Ganzen: R. Pesch, Die Apostelgeschichte (Apg 1-12), in: Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament V/1, Düsseldorf und Zürich, 3. Aufl. 2005.
Vgl. Joseph Kardinal Ratzinger, Schauen auf den Durchbohrten. Versuche zu einer spirituellen Christologie, Einsiedeln 1984, 60 f.
Vgl. Apg : 12 Durch die Hände der Apostel geschahen viel Zeichen und Wunder im Volk. Und sie waren einmütig alle in der Halle Salomos. Von den Übrigen aber wagte niemand sich ihnen anzuschließen; jedoch rühmte sie das Volk. 14 Erst recht wurden Glaubende an den (oder: von dem) Herrn hinzugetan, Mengen von Männern und Frauen …“
DC Nr. 20.
Vgl. Gal 2,9; Phm 6, 1; Joh 1 3.6.7.
Vgl. Röm 15, 26; 2 Kor 8, 4; 9, 13; Phil 1,5.
Benedikt XVI/Joseph Kardinal Ratzinger, Zur Gemeinschaft gerufen. Kirche heute verstehen, Freiburg 1991/2005, 38.
Ebd.
Ratzinger, Schauen 63
Ratzinger, Gemeinschaft 39.
Ebd. 
Vgl. Dtn 6, 5; 10, 12; 11, 13. 18; 13, 4 u. a.
Vgl. Dtn 6, 4 f.: „Höre Israel! … Du sollst Jahwe, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele und mit all deiner Kraft! Und diese Worte, welche ich dir heute anbefehle, sollen in deinem Herzen bleiben!“ ; Vgl. Dtn 10, 12: „Und nun, Israel, was fordert Jahwe, dein Gott, vor dir? Nichts anderes … dass du ihn liebest und Jahwe, deinem Gotte, von ganzem Herzen und aus ganzer Seele dienest …“
Papst Benedikt XVI., Enzyklika Deus Caritas est, in: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 171.
DC Nr. 1.
DC Nr. 18.
DC Nr. 16.
DC Nr. 20.
Ratzinger, Schauen 67 f.5f
DC Nr. 32.
Vgl. Apg 15, 1-7.
DC Nr. 32.
DC Nr. 31.
 

"Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe..."

Diese Worte aus dem 9. Kapitel des Buches des Propheten Jesaja werden wir in der Christmette als erste Lesung hören. Besonders in der dunklen Winterzeit wächst die Sehnsucht der Menschen nach Licht. Als Christen wissen wir, dass dieses Licht Jesus Christus ist. Er ist das Licht, das lauten Jubel, Freude und Frieden bringt; vor allem innerlichen Frieden.

Wir hören diese Botschaft auch in der Messe am Weihnachtsmorgen: "Allmächtiger Gott, dein ewiges Wort ist Fleisch geworden, um uns mit dem Glanz deines Lichtes zu erfüllen. Gib, dass in unseren Werken widerstrahlt, was durch den Glauben in unseren Herzen leuchtet", so die Botschaft.

In der Liturgie der Kirche, in ihrem Beten, in der lebendigen Gemeinschaft der Gläubigen erfahren wir die Liebe Gottes, nehmen wir Christus wahr und lernen so auch, seine Gegenwart in unserem Alltag zu erkennen. Er hat uns zuerst geliebt, deswegen können auch wir mit Liebe antworten.

Wenn unsere Soldatinnen und Soldaten, auch unter Einsatz des eigenen Lebens, Menschen in katastrophalen Situationen helfen oder durch ihre Präsenz das Ausbrechen von Gewalt verhindern, dann geben sie diese von Gott geschenkte Liebe weiter.

Papst Benedikt formuliert es noch deutlicher: "Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst", so der Papst.

Daran erkennt man, dass sich die Kirche, wie Jesus Christus selbst, der Schwachen und Unterdrückten annimmt, dass sie die Einsamen tröstet und den Notleidenden hilft. Wie Weihnachten, die Menschwerdung Gottes, für alle Menschen erlösend ist, so ist auch der Dienst der Kirche für alle da: "Die Kirche ist Gottes Familie in der Welt. In dieser Familie darf es keine Notleidenden geben. Zugleich aber überschreitet CARITAS die Grenzen der Kirche.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter bleibt Maßstab, gebietet die Universalität der Liebe, die sich dem Bedürftigen zuwendet, dem man 'zufällig' begegnet, wer immer er auch sei", so der Papst in seinem ersten Rundschreiben "Deus caritas est".

Wenn Gott die Liebe ist, dann muß diese Liebe auch von unseren Gesichtern strahlen. Den Inhalt des Weihnachtsevangeliums soll man auch an unserem Verhalten messen.

Damit wir in richtiger Weise Weihnachten feiern und unser Leben von der Menschlichkeit Gottes prägen lassen, erbitte ich für Euch und Eure Angehörigen den Segen Gottes. Eine gnadenreiche Weihnacht wünsche ich uns allen, die wir "Diener des Friedens" sind, verbunden mit einem herzlichen Vergelt’s Gott für Euren treuen und aufopfernden Dienst im In- und Ausland.

 

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein zufriedenes, gesundes und friedvolles Jahr 2007, Euch und Euren Familien, entbietet

Mag. Christian Werner, Militärbischof für Österreich

Predigt von Militärbischof Mag. Christian Werner
Pfarrkirche Mariahilf Wien  -  18. Oktober 2006
 
2 Tim 4,10-17b
 Lk 10,1-9

Papst Benedikt XVI. eröffnete seinen Aufruf zum Weltjugendtag 2006 mit folgenden Worten:
"Liebt das Wort Gottes und liebt die Kirche, die euch den Zugang zu einem Schatz von so großem Wert ermöglicht und euch dazu anleitet, seinen Reichtum zu schätzen.
Folgt der Kirche, die von ihrem Gründer den Auftrag erhalten hat, den Menschen den Weg des wahren Glücks aufzuzeigen ... Erwerbt immer größere Vertrautheit mit der Bibel, habt sie in greifbarer Nähe, damit sie wie ein Kompaß sei.
Wenn ihr sie lest, werdet ihr Christus kennen lernen." Soweit Papst Benedikt XVI.
 
Nun zum Evangelisten Lukas selbst: Als einziger Evangelist stellt Lukas neben die Aussendung der Zwölf einen Parallelbericht über die Aussendung von 72 anderen Jüngern.
Lukas denkt in der Aussendung der Zwölf an die 12 Stämme Israels und nun, in der Zeit des neuen Israel, der Kirche, wird diese durch die 12 Apostel repräsentiert.
 
Bei der Aussendung der 72 Jünger ist der Adressat der Sendung noch mehr die ganze Welt, die nach der griechischen Übersetzung von Genesis 10 zweiundsiebzig Völker zählt.
So wie Jesus in der Sendung durch den Vater steht, so sollen die Jünger in der Sendung Jesu stehen.
 
Lukas will eine "Erfüllungsgeschichte" erzählen: die Jesusgeschichte als Erfüllung der prophetischen Verheißungen des Alten Testaments und die Geschichte der Kirche als Erfüllung der prophetischen Verheißungen Jesu.
 
Bei seiner Mission an der Stelle Jesu werden dem Jünger konkrete Anweisungen gegeben, welche zeigen, dass den Jüngern einiges abverlangt wird: "Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe, nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe, grüßt niemand unterwegs!"
 
Lukas geht es hier um den Verzicht auf alles Überflüssige im Interesse eines optimalen Missions-erfolges: er mahnt zur Eile und fordert eine radikale Bereitschaft und eine Konzentration auf das Wesentliche.
 
Das Ziel der Sendung lautet: Alles soll ausgerichtet werden auf die Botschaft Jesu.
Zu dieser Botschaft gehört der Friede, den die Jünger als Erstes zu entbieten haben.
Der Friedensgruß ist nicht nur eine Geste der Höflichkeit, sondern Ausdruck des eschatologischen Heiles, das dem Menschen als göttliche Gabe zugesprochen wird.
Konkret faßbar wird dieses Heil in den Krankenheilungen, die das nahe gekommene Reich Gottes deutlich spürbar und erlebbar machen.
 
Der Evangelist Lukas hat in seinem Doppelwerk (3. Evangelium und Apostelgeschichte) uns Militärseelsorgern vieles zu sagen: Die Militärseelsorge handelt im Auftrag Christi: Geht hin in alle Welt und lehrt die Völker, was ich euch gelehrt habe. Die Militärseelsorger haben den Soldaten in Wort und Sakrament den Weg zu zeigen und die Hilfen zu vermitteln, damit sie den Willen Gottes immer besser erkennen.
 
Der seelsorgliche Dienst der Militärseelsorger an den Soldaten, aber auch an den Heeresangehörigen und deren Familien, schließt ein weites Spektrum von Aufgaben ein: Von der seelsorglichen Betreuung über menschliche und freundschaftliche Begleitung bis hin zur psychologischen und psychosozialen Unterstützung in vielfältiger Notsituation, bei individuellen Problemen in Krankheit und Leid.
 
Wir befinden uns in eher unruhigen Zeiten. Da gilt es, sich ständig neu einzustellen auf eine geänderte Lage. Größere Mobilität wird uns abverlangt, höhere Professionalität und Flexibilität. Dies gilt natürlich auch für die Militärseelsorge.
 
Man könnte auch einen Vergleich wagen, da ein Grundmotiv für die Kirche allgemein, ihr innerstes Moment Wandlung, Verwandlung heißt. Dies paßt auch zum Bild vom wandernden Gottesvolk.
 
Trotz "stürmischer See" und Angst haben wir die Gewißheit, der Herr ist bei uns, im Sinne der heutigen Lesung: "Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird" (2 Tim 4,17b).
 
Unsere Ausrüstung, Verpflegung und Versorgung als Soldaten ist sicher anders als bei den ausgesendeten Jüngern, aber als Diener und Bringer des Friedens durch unsere Hilfe und Schutz dürfen wir wissen, dass das Reich Gottes, das Reich des Friedens und der Liebe, unter uns Menschen angebrochen, d.h. da ist – "Ich bin bei euch bis zur Vollendung", verheißt uns der Herr.
 
   Als Perspektiven für die Zukunft möchte ich abschließend noch drei Punkte hervorheben:
   1. Achtung der Person: d.h. Einbringung des christlichen Menschenbildes, Einmahnung und Einforderung des Humanen in der Soldatenwelt; wir müssen in der Form der Begegnung mit jedem Menschen beginnen Zeit zu schenken, hinzuhören.
 
   2. Einbringung des Ethos und eines tugendhaften Verhaltens im verantwortlichen Handeln des Soldaten auf dem Fundament des Wortes Gottes. Will er seine Aufgabe recht erfüllen und dauerhaft bewältigen, braucht es mehr als bloße Gesetzeserfüllung bzw. Befehlserfüllung. Er muß vor seinem Gewissen bestehen können.
 
   3. Besonderes Augenmerk gilt den Familien und Angehörigen:
   Die Beziehungsebene ist nicht nur förderlich für die berufliche Aufgabe, sondern ermöglicht diese auch letztlich (Fernbeziehungen).
 
Bezeichnete sich die Urkirche etwa als das Herz und die Seele der Welt, so müssen wir Herz und Seele in der Soldatenwelt sein.
Die Militärseelsorge muß einladend, ansprechend, freundlich, hilfsbereit, mit offenen Türen, positiv und zuversichtlich in die Zukunft blickend sein.
 
In diesen unseren reichhaltigen Vorsätzen dürfen wir aus dem Geist des Gebets, dürfen wir stark hoffen, dass auch unser Soldatenleben hineingenommen ist in die "Verheißungs- und Erfüllungsgeschichte" des Evangelisten Lukas.
 
Gott segne euch in eurem Dienst und Maria sei weiterhin sorgende und helfende "Mutter der Soldaten".
 
Amen
 
 

Wien, 18.-19. Oktober 2006, Landesverteidigungsakademie, Presseerklärung

19.10.06 - Im Rahmen der Enquete des Instituts für Religion und Frieden trafen sich auf Einladung des Militärbischofs S.E. Mag. Christian Werner diese Woche in Wien Militärbischöfe, katholische und evangelische Militärseelsorger aus ganz Europa sowie hohe Offiziere des österreichischen Bundesheeres, um Herausforderungen für die Militärseelsorge in Europa zu besprechen. Konkreter Anlass war die Feier von 50 Jahren Militärseelsorge im Österreichischen Bundesheer und das 20. Jubiläumsjahr der Apostolischen Konstitution "Spirituali Militum Curae“ von Papst Johannes Paul II.

Die 100 Teilnehmer beschäftigten sich mit vier Themen: der geistig-religiösen Situation in den Streitkräften, den Herausforderungen für die Militärseelsorge, dem pastoralen Weg sowie der Zusammenarbeit der Militärordinariate auf europäischer Ebene.

S.E. Dr. Walter Mixa, der deutsche Militärbischof, hob in seinem Vortrag hervor, dass die Säkularisierung der Gesellschaft eine besondere Herausforderung für die Kirche in Europa darstelle. Die Trennung von Politik und Religion wachse, die Bedeutung der Religion gehe zurück. Laut Pablo Ramón Panadero Sánchez, dem Militärbischofsvikar aus Spanien, erklärt sich die Spanische Bevölkerung nach einer jüngsten Meinungsumfrage paradoxerweise zu 80% katholisch, aber gleichzeitig glauben lediglich 42% an Gott. Dies deute darauf hin, dass die Religion oft auf den sozialen Wert reduziert werde. Der Entkirchlichungsprozess der meisten europäischen Gesellschaften habe sich in den vergangenen 30 Jahren weiter fortgesetzt. Messbar sei dies sowohl an der Zahl der Konfessionslosen, als auch an der schnell sinkenden Bereitschaft, Kinder taufen zu lassen, bzw. kirchlich zu heiraten und an der Entwicklung der Kirchgangshäufigkeit. Seit den 50er Jahren sei die Teilnahme am Gottesdienst in beiden großen Kirchen (katholisch und evangelisch) rückläufig. In den Streitkräften spiegle sich diese Lage wie in einem Mikrokosmos, die Zahl konfessionsloser Soldaten sei sogar höher als im gesellschaftlichen Durchschnitt.

Als Kernthemen der Herausforderungen der Militärseelsorge wurden die Sorge um die Familien und die ethische Ausbildung der Soldaten unterstrichen. Die von den Soldaten verlangte hohe berufliche Mobilität sei immer schon ein Belastungsfaktor für die Familien und Ehen der Soldaten gewesen. Auslandseinsätze an weit entfernten Einsatzorten und unter riskanten Lebensbedingungen stellen Belastungen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für ihre Angehörigen dar. Die Sorge für die Familien der Soldaten sei deshalb ein weiterer besonderer pastoraler Schwerpunkt der Militärseelsorge. Fast alle Militärordinariate schlugen eine bessere Begleitung der Familien vor. S.E. Patrick Le Gal, der französische Militärbischof, wies auf ein immer stärkeres Ungleichgewicht zwischen Familienleben und militärischem beruflichem Einsatz hin. Dies sei auf mehrere Faktoren zurückzuführen, insbesondere auf den Verlust der militärischen Kultur unter Ehegatten der Soldaten und auf das « geographische Zölibat », d.h. die Tatsache, dass der verheiratete Soldat allein an seinem beruflichen Arbeitsort über die Woche lebt, während seine Familie anderswo – immer öfter am Arbeitsort des anderen Ehegatten - bleibt.

Viele Militärordinariate haben einen besonderen Bedarf nach religiöser Begleitung in Auslandseinsätzen festgestellt. Soldaten im Auslandseinsatz werden in erheblichem Umfang mit existentiellen Fragen etwa nach dem Sinn des Lebens, dem Tod, aber auch nach der Sinnhaftigkeit ihres Auftrages konfrontiert, sodass in Auslandseinsätzen die Offenheit für religiöse Themen zunimmt. Daher erweist sich die verbesserte ethische und geistige Ausbildung der Soldaten als ein wichtiger pastoraler Weg. Diese soll einen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung leisten. Wie Generalvikar Josip Santic (Kroatien) betonte, sei das Ziel der Militärseelsorge in Kroatien die persönliche Sorge um jedes einzelne Mitglied des kroatischen Heeres und der Polizei. Eine bessere ethische Ausbildung der Soldaten solle auch das moralische Urteilsvermögen sowie das verantwortungsbewusste Handeln der Soldaten stärken. Wie S.E. Januarió Torgal Mendes Ferreira, der Militärbischof von Portugal betonte, sei der eigentliche pastorale Weg derjenige, der auf die menschliche und christliche Bildung aller Soldaten zielt, die vom Gesichtspunkt der Religionsfreiheit aus die Seelsorger annehmen: So auch Oberst Juozas Grazulis, Generalvikar von Litauen, und Tomo Knezevic, Direktor der Militärseelsorge von Bosnien-Herzegowina (letzerer sprach im Namen des Erzbischofs von Sarajevo und Präsidenten der Bischofskonferenz Bosnien und Herzegowinas, Vinko Kardinal Puljic): Es handle sich darum, die religiösen Bedürfnisse der Katholiken wie auch aller Menschen guten Willens zu befriedigen, die um Hilfe bitten, ohne vorher nach der Religionszugehörigkeit zu fragen.

Als weitere Herausforderungen wurden der immer größere Individualismus zwischen den Soldaten und der immer geringere Familiencharakter der Kasernen erwähnt. Als pastoraler Weg wurde von S.E. Dr. Tamás Szabo, Militärbischof von Ungarn, vorgeschlagen, die christliche Botschaft auf die traditionellen militärischen Tugenden – wie Freundschaft, Mut, Kameradschaft, Ausdauer, Aufrichtigkeit, Respekt den Vorgesetzten und einander gegenüber, Selbstlosigkeit und Selbstdisziplin – zu beziehen.

Unter den aktuellen strengen Bedingungen der Auslandseinsätze wünschten die europäischen Militärordinariate eine verstärkte internationale Zusammenarbeit auf europäischer Ebene. Die Zusammenarbeit auf pastoraler Ebene solle zwischen den europäischen Militärordinariaten vereinfacht werden, insbesondere was die Betreuung von Soldaten verschiedener Kontingente im Auslandseinsatz durch einen gemeinsamen Seelsorger betrifft. Weiters sprachen sich alle Verantwortlichen für eine Vertiefung des Dialogs mit den anderen Religionen aus. In diesem Zusammenhang wurde auch besonders auf die Bedeutung der ökumenischen Zusammenarbeit hingewiesen.

Neupriester soll für die Ökumene wirken.
Wr. Neustadt - St. Georgs-Kathedrale - Militärakademie: Am 8. Oktober 2006 wurde der 27jährige MMag. Stefan Gugerel von Militärbischof Mag. Christian Werner in der St. Georgs-Kathedrale in Wiener Neustadt zum 9. Priester der Militärdiözese geweiht.
 
"Hier bin ich" waren die ersten Worte des Weihekandidaten, nachdem er nach dem Introitus durch die Choralschola von dem Militärdiakon aufgerufen und dem Bischof und der Gemeinde vorgestellt wurde: Stefan Gugerel stammt aus St. Andrä an der Traisen, maturierte in St. Pölten und war sechs Jahre im Augustiner Chorherrenstift Herzogenburg, währenddessen studierte er Fachtheologie und Religionspädagogik. Seit seiner Grundwehrdienstzeit ist er Mitarbeiter der Militärdiözese.
 
Der Militärgeneralvikar Msgr. Franz Fahrner bat den Bischof im Namen der Gemeinde um die Weihe. Nach den Lesungen folgte die Predigt des Militärbischofs, wo er den Neupriester aufforderte Experte in der Nachfolge Christi zu werden und eine brüderliche Liebe zur Ökumene stets zu haben.

Nach dem Gesang des "Komm, heil’ger Geist“ wurde der Kandidat durch Handauflegung des Bischofs und Gebet zum Dienst als Priester ordiniert. Sichtbarer Ausdruck dafür ist das Anlegen des Messgewands und die Salbung der Hände mit Chrisam-Öl. Es folgte die Überreichung der Hostienschale mit Brot und des Kelches mit Wein, nachdem Vertreter der Gemeinde diese Gaben dem MilBischof übergaben. Hierauf umarmten der Bischof und die anderen anwesenden Priester sehr herzlich den Neugeweihten als Ausdruck der Aufnahme in die Gemeinschaft der Priester, der Mitarbeiter des Bischofs.
 
Der Eucharistiefeier, zu der etwa 200 Gläubige zusammenkamen, stand Militärbischof Christian Werner vor, in Konzelebration mit dem Neupriester, mit dem Militärgeneralvikar Dr. Franz Fahrner und dem Senior des Stifts Herzogenburg, H. Josef Metzger, der die Berufung des Neupriesters als Heimatpfarrer besonders gefördert hat.
 
Mag. Gugerel bedankte sich bei seiner Familie, die ihn vorbehaltlos unterstützt und gefördert hat, gerade auch dort, wo sie seine Wege nicht ganz versteht, bei seiner Heimatpfarre St. Andrä an der Traisen, bei seinem Gymnasium, bei seinen ProfessorInnen und Mitstudierenden des Theologie- und Religionswissenschaftsstudiums, ganz besonders aber bei den Mitbrüdern aus dem Stift Herzogenburg und den Mitbrüdern der Militärdiözese.
 
Nach dem Gottesdienst waren alle zur Agape in den Speisesälen der Militärakademie geladen.
 
 
Predigt von Militärbischof Mag. Christian Werner
"Gott hat alles an seinen Platz gestellt, Himmel und Erde geschaffen." Das ist der Inhalt des Eröffnungschorals dieser Sonntagsmesse. Und dieser Gedanke wird uns durch alle Stationen dieser Feier begleiten.
 
Christen feiern an jedem Sonntag das Geschenk der Schöpfung: Daß sie zum Leben gerufen sind und dass wir durch Jesu Tod und Auferstehung als Getaufte hineingenommen sind in das Opfer Christi, um durch IHN ewiges Leben geschenkt bekommen. Ein Leben mit und in Christus: welch’ Kostbarkeit.
 
In der heutigen Lesung und im Evangelium haben wir die wohlbekannten Worte, Gottes Worte(!) gehört: "Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch" (Buch Gen), und "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen".
Bei jeder Trauung wird dieses Wort Jesu zitiert. Es klingt zwar hart, aber dahinter steckt doch ein kostbarer Schatz, den es zu hüten gilt.
 
Im Buch Genesis heißt es auch: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht". Alle Liebessehnsucht dieser Welt ist in diesem nüchternen Text enthalten.
 
Gott, der diese Sehnsucht des Menschen nach Dialog, nach Gemeinschaft und Geborgenheit kennt, schafft ihm eine Eva – schenkt ihm damit erst richtig menschliches Leben.
 
Die ganze Verkündigung Jesu Christi ist darauf aufgebaut: Das Reich Gottes ist eine Gemeinschaft, zu der alle eingeladen werden, die sich darauf einlassen.
 
Wir alle werden durch die heilige Kommunion im Heiligen Geist ein Leib in Freud und Leid. Diese Einheit stellt bei Ehepartnern in aller Tiefe dar, wie Liebe ist, wie Gott ist.
Diese umfassende Liebe Gottes gilt allen! Dies zeigen diejenigen Frauen und Männer in der Kirche, die ein gottgeweihtes Leben vorziehen: Ordensleute, Bischof, Priester und unverheiratete Diakone. Von ihnen sollte jeder das fordern können, was Eheleute einander schenken wollen: volles Vertrauen, Beistand in jeglicher Bedrohung und Not, Trost und Unterstützung.
 
Allen Gliedern der Kirche stellt Jesus Kinder als Lehrer vor: In ihrer ungetrübten Begeisterung dafür, das als richtig und gut Erkannte zu tun, in der unmittelbaren Freude und Dankbarkeit für das Schöne und in der echten, wahren Freundschaft.
Fast möchte man meinen, der hl.Augustinus hätte dieses Bild vor Augen gehabt, als er seine berühmten Worte schrieb: Liebe, dann tu, was du willst.
 
Ja, meine lieben Brüder und Schwestern! So wie ein Kind dürfen auch wir Jesu Herz, Jesu grenzenlose Liebe annehmen. Was Papst Benedikt XVI. den Jugendlichen beim Weltjugendtag in Köln gesagt hat, das gilt auch unserem heutigen Weihekandidaten: Christus nimmt dir nichts, aber er gibt dir alles. Das ist unser Schatz. Deshalb ist der Grundton unseres priesterlichen Lebens die Freude.
 
Lieber Stefan, du wirst heute zu deiner und der Menschen Freude zum Priester geweiht.
Du hast in richtiger Weise auf der Vorderseite des Textheftes zu deiner Priesterweihe geschrieben: Die Feier der Ordination zum Priester (lat.: „Ordinatio presbyterorum“): das heißt, du wirst von Gott in den priesterlichen Dienst der Kirche hineingeordnet.
 
Christus legt dir die Hände auf und damit erwählt er dich, Diener seiner grenzenlosen Liebe zu sein.
Schenke auch du ihm deine ganze Liebe, und stehe deinen Soldatinnen und Soldaten bei in ihrem weltweit so notwendigen Dienst am Frieden.
 
Und wenn deine Hände dann mit dem heiligen Chrisam gesalbt werden, dem Sinnbild des Heiligen Geistes, dann werden sie dazu bestimmt, dem Herrn als seine Hände in der Welt von heute zu dienen.
 
Darum gehst du ehelos und hauslos wie Christus durch die Welt: Ehelos, um allen wirklich Bruder sein zu können; hauslos, um in allen Häusern zu Hause sein zu können. Die Seelsorge beginnt für uns Priester in der Sorge, selbst "in Christus" zu bleiben, damit wir „Christus- Ausstrahler“ und "Christus-Präger" werden.
 
Deshalb erwartet die Kirche von dir auch, dass du ab heute täglich an den Altar trittst, um das Opfer Christi zu feiern.
Hier bleibt dir dieses „in Christus sein“ am sichersten erhalten – du wirst immer mehr Gezeichneter Christi, der für die Menschen offen ist, um sie Christus näher zu bringen.
Die Kirche legt uns Geweihten die ganz ernst zu nehmende Gebetspflicht auf. Denn das Gebet erhält uns im Mitfühlen, im Mitdenken und Mitwollen Christi.
 
Neben dem täglichen Breviergebet und Rosenkranzgebet möchte ich dir besonders die eucharistische Anbetung ans Herz legen. Laß dich nicht dadurch entmutigen, dass die Stimme des Herrn kaum akustisch hörbar ist: Ja man kann sagen: Jesus schweigt, aber er handelt!
 
Unvergesslich für mich das Schweigen von 1 Million junger Menschen in der Nacht der Anbetung des Allerheiligsten beim Weltjugendtag in Köln. Die betende Stille vereint uns, und spendet viel Trost.
In einer Welt, in der es soviel Lärm, soviel Verwirrung gibt, ist die stille Anbetung des in der Hostie verborgenen Jesus notwendig.
 
 
Lieber Stefan!
Pflege eifrig dieses Gebet und lehre es auch den Gläubigen. Ich hörte einmal den Satz: der Priester ist Dolmetscher Christi. Er ist der Übersetzer des Lebens und der Sendung Christi in die Dimension des Menschlichen hinein.  Der Evangelist Johannes lässt Jesus sagen: "Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und Leben" (Jo 6,63).
 
Lieber Stefan!
In der heiligen Wandlung der Eucharistiefeier wird dein Wort in höchstmöglicher Weise sein Wort, indem du buchstäblich sprechen darfst: "Das ist mein Leib". – Und das Brot wird sein Leib!
"Das ist mein Blut". – Und der Wein wird sein Blut! Glaube in aller Demut an die Vollmacht deines Priestertums.
Denke in Ehrfurcht an das Sakrament der Buße, in welchem du an Christi statt sagen darfst: "Ich spreche dich los von deinen Sünden" – dies sprichst du in der Vollmacht Christi.
 
Lieber Stefan!
In einer kritischen Situation im Leben Jesu nahmen viele Jünger Anstoß an seinen Worten und gingen weg. Darauf fragte der Herr die zwölf Jünger: "Wollt auch ihr weggehen?"
Und Petrus gab die unsterbliche Antwort: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes" (Jo 6,68-70).
 
Das sei auch dein unsterbliches Bekenntnis:
Du hast Worte des ewigen Lebens, die dir in der heiligen Weihe anvertraut werden. Hier sprechen wir, in aller Demut, das Wesentliche zu den Mitmenschen.
Sie erwarten von uns Priestern nur eines: dass wir darauf spezialisiert sind, die Begegnung der Menschen mit Gott zu fördern.
Die Kirche und letztlich auch die Welt erwarten, dass der Priester Experte in der Nachfolge Christi ist.
 
Eines ist von besonderer Wichtigkeit: Wir müssen den ganzen Christus predigen, und nicht einen Auswahl-Christus. Den Glanz der Wahrheit Christi dürfen wir den Menschen nicht vorenthalten.
 
Lieber Mitbruder, du wirst geweiht, um Diener der Einheit zu sein, indem ihr Priester in eine Welt geschickt werdet, die zerrissen ist durch Ideologien, Parteiungen und vieles andere mehr.
In einer solchen zerrissenen Welt hast du für die Einheit des Glaubensbekenntnisses Sorge zu tragen, indem du in lebendiger Gemeinschaft mit den anderen Priestern und mit dem Bischof als Haupt der Priestergemeinschaft in der Diözese stehst und über dem Bischof mit dem Heiligen Vater.
 
Die Gemeinden, denen du dienst, dürfen nicht zu Sekten werden, indem sie durch einen einseitigen Verkündigungsdienst nur noch einen Sektor der katholischen Fülle in den Blick bekommen und in Communio mit der ganzen katholischen Lebenswirklichkeit treten.
Dieser Einheitsdienst, lieber Mitbruder, das weiß ich aus Erfahrung, stellt uns oft unter das Kreuz. Aber der Gekreuzigte breitet seine Arme aus, um alle von der Mitte seines Herzens aus zusammenzuführen und zusammenzuhalten, auf dass alle eins seien. Darum bewahrt uns das Kreuz davor, eine Kirche von unten zu sein, denn das Kreuz verbindet uns vertikal mit dem, der von oben ist.
 
Pflege auch weiterhin die mitbrüderliche Beziehung zur Ökumene, vor allem im Auslandseinsatz und in der Notfallseelsorge.
 
Lieber Mitbruder, vertiefe deine Herz-Jesu-Verehrung immer mehr, denn in der Herz-Jesu-Litanei bezeichnen wir sein Herz: Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt.
Solcher Glaube schenkt Hoffnung und verbreitet Hoffnung, gerade in der Seelsorge an unseren Soldaten. Denn Christus ist unser Friede (mein Wahlspruch) und diesen Frieden nehmen wir, Soldatinnen und Soldaten, als Diener des Friedens unter den Völkern mit großer Sehnsucht auf.
 
Gott segne dich, die Militärseelsorge und uns Soldaten!
Unsere Gottesmutter Maria schenke uns weiter ihren Schutz und ihre Fürbitte für ein friedvolles Österreich und Europa. Amen.
 

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